Vom unerfüllbaren Traum eines Lebens in Freiheit Nilay will los. Am liebsten noch heute Nacht, von Berlin nach Istanbul. Seit Wochen verfolgt sie mit ihren Eltern die Nachrichten vom Taksim-Platz: die Bilder der Proteste, das Rufen nach Freiheit. Selim und Hülya sind außer sich. Sie selbst waren Kinder in den Straßen Izmirs. Dann kam der Putsch, im September 1980. Es folgten Jahre der Willkür, doch sie glaubten an eine Zukunft in der Türkei. Schließlich hatten sie sich und fanden Wege des Widerstands. Dreißig Jahre später zieht es ihre Tochter in das Land, das sie hinter sich ließen, in der Hoffnung, anderswo frei zu sein. Mit großer Dringlichkeit und Hellsicht erzählt Özge İnan die Geschichte einer Familie, die nicht aufgibt. Eine Geschichte von Freundschaft und Verrat, von Liebe und Wut.
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So intensiv
Lea am 11.01.2025
Bewertungsnummer: 2383868
Bewertet: Hörbuch-Download
„Natürlich kann man hier nicht leben“ erzählt in mehreren Zeitebenen von den politischen und persönlichen Kämpfen einer Familie aus der Türkei. Die Geschichte beginnt mit Nilay, einer jungen Frau in Deutschland, die sich inmitten der Gezi-Park-Proteste von 2013 nach einem Sinn in ihrem Handeln sehnt. Doch der Kern des Romans liegt in der Vergangenheit ihrer Eltern, Selim und Hülya, die als junge Erwachsene in der Türkei der 1980er Jahre Teil der linken Widerstandsbewegung waren. Während Selim und Hülya gegen die Militärdiktatur kämpfen, sehen sie sich mit Willkür, Verrat und persönlichen Verlusten konfrontiert. Schließlich müssen sie die Türkei verlassen und fliehen nach Deutschland – eine Entscheidung, die sowohl Hoffnung als auch bittere Enttäuschung mit sich bringt. Die Ankunft in Deutschland und der Versuch, ein neues Leben zu beginnen, werden eindringlich beschrieben, ebenso wie die fortwährende Verbundenheit zur Türkei. Der Roman beleuchtet dabei nicht nur die politischen und gesellschaftlichen Kämpfe, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen und inneren Konflikte seiner Figuren.
Özge İnan schreibt mit einer direkten, fast schon drängenden Klarheit, die die Emotionen und politischen Spannungen der Erzählung wirklich sehr greifbar macht. Der Stil ist irgendwie schnörkellos, an manchen Stellen fast schon poetisch, ohne dabei aber überladen zu wirken. Besonders eindrucksvoll fand ich die Dialoge, die die inneren Konflikte und unterschiedlichen Perspektiven der Charaktere extrem gut rübergebracht haben - selbst beim Hörbuch, was ich oft schwieriger finde. Manche Passagen, insbesondere die politischen Debatten und Reflexionen, verlangen ein gewisses Vorwissen oder Einlesen über die neuere türkische Geschichte, was den Lese- bzw. Hörfluss ein wenig erschwert hat. Dennoch schafft es die Autorin, auch komplexe Themen zugänglich und emotional aufgeladen darzustellen - hat mich sehr berührt. ✍️
Der Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart gibt der Geschichte eine besondere Dynamik, war aber ab und an beim Hören etwas anstrengend zu unterscheiden bzw. zu verfolgen. Die Handlung in der Türkei ist sehr aufwühlend und zeigt eindrücklich die Gefahren, denen Selim und Hülya ausgesetzt sind, sowie die Spannungen innerhalb der linken Bewegung. Die Abschnitte, die in Deutschland spielen, bieten dann einen ziemlich guten Einblick in das Leben von Migrant:innen und die Herausforderungen, die mit der Entwurzelung einhergehen. Während der Fokus auf Selim und Hülya liegt, kommen Nilays Perspektive und die Gezi-Park-Proteste etwas zu kurz, was ich schade fand. Vielleicht auch einfach, weil ich nach Lesen des Klappentextes ein bisschen was anderes erwartet habe. Die Parallelität zwischen den Kämpfen der Eltern und der Tochter hätte in meinen Augen einfach stärker herausgearbeitet werden können. Trotzdem bleibt die Geschichte das ganze Buch über spannend und emotional intensiv.
Das Buch hat mich wirklich bewegt. Obwohl ich selbst keinen direkten Bezug zu den beschriebenen Ereignissen oder der Türkei habe, fühlte ich mich den Charakteren und ihren Kämpfen echt sehr nahe. Özge İnan schafft es, die Verzweiflung und den Mut ihrer Figuren so darzustellen, dass man mit ihnen hofft, leidet und zweifelt. Besonders berührt hat mich die Frage nach Heimat und Zugehörigkeit – ein Thema, das immer wieder in meinem Leben hochkommt.
Das Buch hat mich auch wieder dazu motiviert, mich mehr über die politische Geschichte der Türkei zu informieren. Die Parallelen zwischen den historischen und aktuellen Ereignissen in der Türkei waren erschreckend und gleichzeitig lehrreich.
Fazit: „Natürlich kann man hier nicht leben“ ist ein wirklich eindrucksvolles Debüt, das Politik, Geschichte und persönliche Schicksale auf bewegende Weise verbindet. Trotz kleinerer Schwächen hat das Buch mir echt gut gefallen. ⭐⭐⭐⭐
Tolles Buch auch mit unerwarteten Storylines
Liva am 07.09.2023
Bewertungsnummer: 2016502
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nilay ist Tochter von Hülya und Selim. 2013 kriegt sie mit wie sich inmitten von Istanbul ein Widerstand bildet. Hülya und Selim waren in den 80ern Teil eines solchen Widerstandes in Izmir.
Ein Buch von alte Liebe, Widerstand, Verrat und Freundschaften. Wirklich richtig gut gelungen und sehr spannend!
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