Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Johanna
aus München
5/5
20.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wiener bis 1938
Shelly Kupferberg beschreibt in ihrem Buch „Isidor“ den Besuch ihres Vaters Walter Grab 1956 in seiner Heimatstadt Wien. Am Bauernfeldplatz im Alsergrund sucht er die Wohnung, wo er mit seinen Eltern lebte. Auf dem Klingelschild sieht er nur einen bekannten Namen, den der alten Hauswartsfamilie. Er klingelt.
„Kreidebleich ruft sie in die Wohnung hinein: ‚Der Jud‘ is wieda doa!‘ Worauf ihr Mann rüde antwortet: ‚Sag koa Wort!‘. In den wenigen Sekunden, ehe sie die Tür vor Walters Nase zuschlägt, kann er einige Möbel seiner Eltern und ehemaliger Nachbarn ausmachen.“
Eine häufige Erfahrung von Überlebenden des Holocaust. Der Journalist und Schriftsteller Georg Stefan Troller beschreibt eine ähnliche Szene aus dem Jahr 1949. (Die Nachbarn hatten den Bösendorfer-Flügel, die Biedermeier-Möbel und die Bibliothek „arisiert“.)
Auf dem Cover von Kupferbergs Buch steht „Roman“. Eigentlich eine irreführende Bezeichnung, denn das Buch ist das Ergebnis ihrer Recherche in die Familiengeschichte. Im Zentrum steht der Großonkel Isidor Geller. Seinen allzu jüdischen Vornamen Israel hat er geändert, als er aus dem ostgalizischen Schtetl gemeinsam mit einem Bruder nach Wien geht, wo schon ein älterer Bruder sein Glück versucht. Er studiert Jura, legt großen Wert auf Bildung und ist vom Kulturleben der Stadt fasziniert. Er klettert die Karriereleiter nach oben, verdient viel Geld, lädt zu Diners, wird eine bekannte Größe der Gesellschaft, ein Lebemann. Sein Neffe Walter besucht ihn regelmäßig:
„1935. Wie jeden Sonntag ging er zu seinem Onkel zum Mittagessen. In der vornehmen Canovagasse im I. Wiener Bezirk, gleich hinter dem Musikverein und in der Nähe des Karlsplatzes, bewohnte Onkel Isidor eine Etage im Palais des Freiherrn Eugène de Rothschild. […] Bei jedem Besuch bestaunte Walter, gerade einmal sechzehn Jahre alt, Isidors exquisites Mobiliar. Und seine vielen Bücher, im eigens dafür eingerichteten Lesezimmer, darunter in Leder gebundene lateinische Einzelexemplare, die gesamte Weltliteratur, Erstausgaben französischer und deutscher Klassiker.“
Kupferberg hat in allen möglichen Archiven gegraben und eine ganz erstaunliche Figur gefunden, der sie kaum mehr etwas hinzudichten brauchte. Noch dazu hatte sie die Aufzeichnungen ihres Vaters (des Historiker Walter Grab) und viele nach Palästina gerettete Familienfotos zur Verfügung. So entstand ein lebendiges Porträt des Großonkels und seiner Familie in Wien – bis ins Jahr 1938, als Isidor von den Nazis verhaftet und gefoltert wird. An den Nachwirkungen stirbt er kurze Zeit später.
Die Geschichte eines Juden in Wien, der nicht glauben konnte, dass es so schlimm kommen würde, wie es kam. Die Stadt Wien war seine Heimat – trotz latentem und auch offenem Antisemitismus auch schon vor dem „Anschluss“.
Ein ungemein spannendes, sehr leicht lesbares Buch, das ich in einem Rutsch verschlungen habe.
Bewertung
5/5
14.09.2025
eBook (ePUB 3)
Wunderschön und traurig
Mich hat das Buch sehr berührt und ich sehe Parallelen zur jetzigen Zeit. Ich habe mit der Familie mitfiebern können, dass alles noch gut geht. Es hat mich sehr mitgenommen.
Andererseits ist es aber auch sehr anschaulich geschrieben, was die noch „schönen“ Zeiten der Familie anging, aber wirklich dramatisch. Und es sollte eine Pflichtlektüre für jeden Menschen sein, der in diesen Zeiten wählen darf.
Edith Berger
aus 3istau
5/5
16.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
eine Spurensuche
Shelly Kupferberg hat sich auf Spurensuche begeben. Wer war dieser Urgrossonkel Dr. Innozenz „Isidor“ Keller, von dem in der Familie kaum geredet wurde? Aus sehr ärmlichen Verhältnissen in Galizien stammend, schafft es Isidor bis in die höchsten Wiener Kreise. Als gerne gehörter Berater des österreichischen Staates und klugen Imvestitionen erarbeitet er sich ein ansehnliches Vermögen. Kommerzialrat, Multimillionär, eleganter Kunst und Opernliebhaber und beliebter Gastgeber der Wiener Gesellschaft. Dieser beeindruckende Lebenslauf endet, als die Nazis an die Macht kommen. Die reißen sich alles unter den Nagel was für sie von materiellem Wert ist.Trotz eindringlichen Warnungen von Freunden bleibt Dr. Isidor Keller in Wien. Sein Status und sein Reichtum wiegen ihn in einer fatalen Sicherheit.
Bewertung
5/5
31.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr wichtiges und interessantes Buch
Isidor wurde als Israel 1886 in einem Dorf bei Lemberg geboren. Dort wurde er von seinen Eltern streng jüdisch erzogen, dich seine Mutter unterstützte seinen Willen, in die weltliche Lebenswelt einzutauchen. Als junger Mann kam er mittellos nach Wien , wo er seinen jüdischen Vornamen Israel in Isidor umwandelte. Er wurde dort schnell durch verschiedene Geschäfte Millionär und auch zum Kommerzialrat ernannt.
Er führte ein sehr gutes Leben bis 1938 die Nazis in Österreich einmarschierten.
Isidor war der Großonkel der Autorin, die versucht hat, sein Leben zu rekonstruieren.
Doch ihre Recherchen führten auch zu den Geschwistern Isidors und seinem Neffen Walter, der Großvater der Autorin.
Es ist kein Roman im eigentlichen Sinne, es sind Fragmente, die zu einzelnen Kapiteln zusammengesetzt sind.
Das Buch bietet einen historischen Einblick in das Leben Isidors und seiner Familie.
Es ist sehr gut lesbar, bewegend und ein wichtiges Zeitdokument!
Ein absolut empfehlenswertes Buch!
Bewertung
5/5
07.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch wie dieses gibt es kein zweites Mal!
Dieses Werk ist eines, welches einem immer mal wieder in den Sinn kommt, die Gedanken antreibt, viele Emotionen weckt und den Leser unterbewusst dazu auffordert, um einige Ecken zu denken. Es ist ein Abbild des Lebens, es ist die Geschichte eines Mannes mit einer rasanten und bunten Vita, es ist das Schicksal einer Familiendynastie, welche die Schrecken von Rassismus, Antisemitismus und Hass am eigenen Leibe gespürt hat. Es ist Bericht wie Roman zugleich, es ist Zeugnis über die Schrecken des Nationalsozialismus, es ist ein Abbild der Freuden und des Leids dieses Lebens. Es steckt so viel in diesem Buch! Und genau daher ist dieses Buch auch eine absolute Herzensempfehlung, weil es so viel ist, vor allem aber eins! Ein gutes Buch!
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5/5
18.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein jüdisches Leben
Die Journalistin und Radiomoderatorin Shelly Kupferberg hat in diesem Buch, halb Sachbuch, halb Roman, ihrem Urgroßonkel Isidor ein Denkmal gesetzt.
Sie erzählt von einer armen, orthodoxen ostgalizischen Familie mit fünf Kindern, deren zweiter Sohn Israel, der sich später Isidor nennen wird, schon bald erkennen ließ, dass er wissbegieriger und ehrgeiziger war als seine Geschwister.
Als junger Mann kam er nach Wien und verfolgte fest entschlossen sein Ziel, reich und geachtet zu werden und so kultiviert, wie die Menschen, die er auf den Straßen flanieren sah. Und dieses Ziel hat er bald erreicht.
Als sich 1938 Österreich an Hitlerdeutschland anschloss, sah er für sich keine Gefahr, so vertraute er in seine Beziehungen zu den höchsten Kreisen und musste bald erkennen, dass er von allen verraten wurde. Krank und verarmt starb er nur wenige Monate später.
Ein Schicksal wie so viele in dieser furchtbaren Zeit und doch wieder ganz neu erzählt. Shelly Kupferberg hat viel recherchiert, die Archive aufgesucht und dort vieles ausfindig gemacht und vor allem die Briefe und Erzählungen ihres Großvaters, des Neffen von Isidor, als Quelle genutzt. So ist ein intensiver persönlicher Bericht entstanden, die Erzählung eines jüdischen Lebens, eine wirklich bewegende Lektüre.
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4/5
06.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spuren eines jüdischen Lebens
Shelly Kupferberg recherchierte anhand von Familienbriefen und alten Dokumenten den rasanten gesellschaftlichen Aufstieg ihres Urgroßonkels Isidor. Er war eine schillernde Figur, ein Macher und ein Lebemann, der den Luxus, die Kunst und die Oper liebte.
Der Leser folgt Isidor von Galizien nach Wien, von Budapest nach Hollywood bis nach Tel Aviv.
Das Leben von Isidor birgt aufregende, verblüffende, komische und vor allem tragische Geschichten.
Der Leser taucht ein in das Schicksal einer jüdischen Familie, das sehr betroffen macht. Ein bewegendes Stück Zeitgeschichte.
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4/5
02.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine unglaubliche Roman-Biografie - faszinierend und erschreckend zugleich
Dr. Isidor Geller ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär und Kunstsammler. Aus einem ärmlichen jüdischen Haushalt kommend, hat er sich bis ganz nach oben gearbeitet. Doch schon bald wendet sich für ihn das Blatt, denn die Nationalsozialisten kommen an die Macht. Und ein jüdischer Aufsteiger ist für sie ein Dorn im Auge.
Eine faszinierende Roman-Biografie über eine unglaubliche Persönlichkeit. Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte ihres Urgroßonkels als sprachliches Meisterwerk mit viel Gefühl und Wortgewandtheit.
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