Das Weltereignis: Salman Rushdie erzählt die Geschichte des Attentats auf ihn und schafft daraus große Literatur
Im August 2022 wird Salman Rushdie während einer Lesung auf offener Bühne mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Mehr als dreißig Jahre nachdem das iranische Regime wegen seines Romans »Die satanischen Verse« eine Fatwa gegen ihn ausgesprochen hat, holt ihn die Bedrohung ein. Salman Rushdie überlebt den Anschlag und hält seinem Angreifer das schärfste Schwert entgegen: Er verarbeitet diese unvorstellbare Tat, die die ganze Welt in Atem hielt, zu einer Geschichte über Angst, Dankbarkeit und den Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung.
»Knife« ist Salman Rushdies persönlichstes Werk, dringlich und unerschütterlich ehrlich. Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Edith Berger
5/5
09.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geht unter die Haut, der Versuch einer Aufarbeitung
Über 30 Jahre ist es her, seit das iranische Regime unter Ajatolla R. Chomeini Todesdrohungen gegen Salman Rushdie und all jene, die das Buch „Die satanischen Verse“ verlegen wollten, ausgestoßen hat. Durch das vermutliche Missverstehen dieses Romans fühlten sich religiös Verblendete auf der ganzen Welt aufgefordert, Jagd auf den Autor zu machen. Ein überwachtes Leben fern jeglicher Öffentlichkeit ist die Folge. Erst in den letzten Jahren hat Salman Rushdie vereinzelt wieder an Veranstaltungen teilgenommen. Am 12. August 2022 wird der Autor bei einem seiner raren Auftritte von einem Messerattentäter lebensgefährlich verletzt.
„Kunst ist kein Luxus. Sie ist die Essenz unserer Menschlichkeit, und außer dem Recht, sein zu dürfen, verlangt sie keinen besonderen Schutz. Sie akzeptiert Streit, Kritik, sogar Ablehnung - aber keine Gewalt. Und am Ende überdauert sie jene, die sie unterdrücken“. Salman Rushdie
Bewertung
aus Bamberg
5/5
13.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Reflexion eines Attentats
»Was den Rest anging - mir mein altes Leben zurückzuholen -, so wusste ich, das würde noch warten müssen.«
Für Salman Rushdie dauerte der Moment eine halbe Ewigkeit, doch es vergingen lediglich Sekunden. Wenige Augenblicke, nach denen nichts mehr war, wie zuvor:
Es sollte eine friedliche Diskussion über die Gewährleistung von Sicherheit für Autoren werden und endete in einem brutalen Angriff. An diesem Tag, dem 12. August 2022, waren sichtlich nicht genügend Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden.
Der Schriftsteller sah den 24-jährigen Angreifer vom Publikum schnurstracks auf die Bühne, auf ihn zurennen und 27 Sekunden sowie etwa 15 Stiche später wusste er nicht einmal, ob er überleben würde.
Der Schock dieser blanken Gewalt saß tief, bei allen Anwesenden. Achtzehn Tage verbrachte Rushdie auf der Intensivstation, um die schlimmsten Verletzungen im gröbsten auszukurieren und sich seines Zustandes bewusst zu werden.
Doch für Rushdie kam dieser Angriff nicht gänzlich unerwartet, viel eher überraschend. Er offenbart, dass er schon davor öfters von verschiedensten Attacken gegen ihn geträumt hat.
Was macht dieses Attentat mit einem?
Wird es danach jemals wieder so sein wie zuvor?
Kann es das überhaupt oder lebt man nun in ständiger Angst, dass sich dies wiederholen und der Mordversuch beim nächsten Mal gelingen könnte?
Warum wählte er den intimen Angriff mit dem Messer, anstelle einer Schusswaffe?
Diesen und noch weiteren Fragen widmet sich der Autor auf eine persönliche, über das Ereignis sowie sein Leben reflektierende Weise, stets den Blick der Zukunft zugewandt. Neben Schilderungen der Zeit vor und insbesondere nach diesem Tag, lässt Rushdie die Lesenden am Prozess seiner Genesung teilnehmen. Auch fiktive Gespräche mit dem Attentäter, das Kennenlernen mit seiner Frau Eliza und das erneute Aufsuchen der Chautauqua Institution, dem Ort des Geschehens, werden geschildert.
Rushdie erzählt eine der gravierendsten Szenen aus seinem Leben, teils als bewegendes autobiografisches Erlebnis und teils als distanzierter Entfernung.
Bewertung
5/5
24.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beeindruckende Aufarbeitung des...
Beeindruckende Aufarbeitung des Atentatsversuches, aber auch viel tiefer ín die Gründe für den Konflikt gehet.
Sandra von Siebenthal
aus Romanshorn
5/5
05.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dem Schrecken die Stirn bieten
«Ich musste das Buch schreiben, das Sie jetzt lesen, denn das Schreiben war mein Weg, das Vorgefallene anzuerkennen, die Kontrolle zurückzugewinnen, mir das Geschehene anzueignen und nicht ein blosses Opfer zu sein. Auf Gewalt wollte ich mit Kunst antworten.»
Am 12. August 2022 wurde der weltbekannte Autor Salman Rushdie während einer Lesung in Chautauqua, New York, Opfer eines brutalen Messerangriffs. Rushdie, bekannt durch sein Buch „Die satanischen Verse“, welches in vielen islamischen Ländern als blasphemisch gilt, wurde schwer verletzt. Der Angriff auf Rushdie ist nicht nur ein Angriff auf eine Einzelperson, sondern auch auf die Werte der freien Meinungsäußerung und die demokratischen Grundprinzipien. Zum Thema Meinungsfreiheit äussert sich Rushdie folgendermassen:
«Hat man Angst, was man sagt, könnte unangenehme Folgen haben, ist man nicht frei. Und als ich Die satanischen Verse schrieb, wäre mir nicht im Traum eingefallen, Angst zu haben.»
Salman Rushdie ist seit der Veröffentlichung seines Buches im Jahr 1988 einer der prominentesten Verfechter der Redefreiheit. Die „satanischen Verse“ lösten eine Welle der Empörung und Gewalt aus, die 1989 in einer Fatwa des iranischen Ayatollah Khomeini gipfelte, die zur Tötung Rushdies aufrief. Danach lebte Rushdie jahrelang im Untergrund und unter ständiger Bedrohung.
«Ich errang meine Freiheit dadurch, dass ich wie ein freier Mensch lebte.»
Dass dieses Leben im Versteck nicht das sein konnte, war bald klar. Er wechselte den Kontinent, fing nochmals von vorne an und bemühte sich in den Staaten, ein öffentliches, ein sichtbares, ein unbeschütztes Leben zu führen. Im Glauben daran, dass die so gelebte Normalität Wirklichkeit sei, die Gefahr vorüber.
Der Angriff von 2022 zeigt auf erschreckende Weise, dass die Bedrohung durch extremistische Gewalt gegen freie Meinungsäußerung noch immer präsent ist. Rushdies Verletzungen erinnern uns daran, wie fragil die demokratischen Errungenschaften sein können und wie wichtig es ist, diese zu verteidigen. Die Redefreiheit ist eine der Grundsäulen jeder Demokratie. Sie erlaubt es, unterschiedliche Meinungen zu äußern und Debatten zu führen, ohne Angst vor Repressalien oder Gewalt haben zu müssen.
In einer Zeit, in der Populismus und autoritäre Tendenzen weltweit auf dem Vormarsch sind, ist der Angriff auf Rushdie ein Weckruf. Es geht nicht nur um die Sicherheit eines einzelnen Autors, sondern um die Verteidigung grundlegender demokratischer Werte gegen extremistische Bedrohungen. Der Vorfall mahnt uns, dass der Kampf für Demokratie und Freiheit ein fortwährender Prozess ist, der ständigen Einsatz und Wachsamkeit erfordert.
Darüber hinaus zeigt der Angriff auch die Gefahr, die von religiösem Fanatismus ausgeht. Wenn Meinungsverschiedenheiten in Gewalt münden, wird der öffentliche Diskurs vergiftet und die Basis für eine pluralistische Gesellschaft untergraben. Es ist die Aufgabe demokratischer Gesellschaften, für die Sicherheit und Freiheit ihrer Bürger einzutreten und Gewalt in jeder Form zu verurteilen.
Zusammengefasst steht der Angriff auf Salman Rushdie symbolisch für die anhaltenden Kämpfe um Meinungsfreiheit und Demokratie. Es liegt an uns allen, diese Werte zu schützen und zu verteidigen, um sicherzustellen, dass Stimmen wie die von Rushdie weiterhin Gehör finden können.
«Ich begriff, dass ich mich mittels Literatur selbst reparieren konnte.»
Einen Weg hin zu diesem Gehör hat Salman Rushdie mit seinem neusten Buch unternommen. In «Knife» schildert er seine Geschichte rund um den Anschlag auf sein Leben. Er schreibt von der Erschütterung durch die wieder aufgebrochene Gefahr, über den Schmerz beim Angriff und den weiteren beim Bewusstsein, womit er die Zukunft seines Lebens umgehen lernen muss. Er schreibt aber auch von der Kraft der Liebe und wie diese ihn durch all das Leid hindurchtrug. Er schreibt offen, zeigt sich verwundet und verwundbar. Er berührt, bewegt, erschüttert, hallt nach. Ein Buch, das mich mit jeder Faser meines Körpers und Fühlens ergriffen hat. Bis in die Träume hinein.
«Ohne die Katastrophen von gestern wären wir nicht die, die wir heute sind.»
Was kann ich über ein solches Buch schreiben? Welche Worte sind angemessen, welche hinreichend? Was Salman Rushdie passiert ist, kann nur als grosses Unglück bezeichnet werden. Und doch ist da noch mehr.
«Auch Sprache ist ein Messer. Sie kann die Welt aufschneiden und ihre Bedeutung zeigen, ihre inneren Mechanismen, ihre Geheimnisse, ihre Wahrheit.»
Fast möchte ich sagen, der Täter hat versagt. Zwar ist es ihm gelungen, Salman Rushdies Leben mit Schmerz, Leid und auch Angst zu belasten. Was ihm aber nicht gelungen ist: Ihn auszulöschen, ihn zum Verstummen zu bringen. Im Gegenteil. Salman Rushdie hat noch mehr zu seiner Stimme gefunden, er lässt sie sprechen, sucht Gehör und findet es. Er steht ein für das Gute, für Werte und vor allem für die Liebe und das Miteinander, welche ihm die Kraft gaben, weiterzuleben, weiterzumachen.
Bewertung
5/5
28.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Seine traumatischen Erlebnisse...
Seine traumatischen Erlebnisse nach dem mörderischen Anschlag verarbeitet Salman Rushdie literarisch. Er beschreibt die Tat sehr realistisch. Es ist nicht nur eine trauriges sondern ein lebensbejahendes Essay. Mit seinem lakonischen Humor verliert das Grauen seinen Stellenwert.
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5/5
02.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mittreißend!
Salman Rushdie reflektiert sein traumatisches Erlebniss und verarbeitet die Auswirkungen des Messerattetentats im Jahr 2022. Rushdie's Verarbeitung ist weit davon entfert Miteid erregen zu wolllen. Die Refelektion zeigt einen starken Mann welcher sich nicht seinem Schicksal ergibt sondern sich zurück in Leben kämpft. Hier bleibt kein Auge trocken, denn abschnittweise liest sich 'Knife' nicht nur als eine Liebeserklärung an Rushdie's Familie sonder insbesonder an seine Frau. Ein Must-Read!
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5/5
29.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erschütternd und erhellend zugleich
Salman Rushdie verarbeitet in seinem eindringlichen Buch den Angriff eines islamistischen Attentäters, bei dem er lebensbedrohlich verletzt wurde.
Er skizziert episodenhaft den langwierigen Genesungsprozess, aber auch sein Leben davor, vor allem wie erfüllt es war, seit der Begegnung mit der Dichterin Eliza Griffith, seiner späteren Frau.
Salman Rushdies Ton ist dabei unfassbar weise, humorvoll, mit philosophischem Weitblick und erzeugt einen Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann.
Zudem vollbringt er in seinem Buch das Kunststück, Wunden wieder aufzureißen und zugleich zu schließen.
Ich möchte dieses Buch einfach jedem empfehlen. Es ist ein unverzichtbares Plädoyer für Solidarität und Freiheit.
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5/5
24.04.2024
eBook (ePUB)
Die Feder ist mächtiger als das Messer - Salman Rushdie persönlich wie nie
Ein traumatisches Erlebnis durch ein Buch zu verarbeiten ist keine seltene Praxis. Doch selten geschieht es mit einer solchen emotionalen Intimität und sprachlichen Intensität wie bei Salman Rushdie. Es geht dem weltberühmten Autor der "Satanischen Verse" nicht um ein Seelen-Striptease aus Geltungsdrang oder Geldgier. Nein, Rushdie möchte mit dem autobiografischen Werk "Knife" seinem Attentäter des August 2022 mit seiner ganz persönlichen Waffe entgegentreten: das geschriebene Wort. Der Leser wird Zeuge seiner Gedanken und Eindrücke vor, während und nach der schrecklichen Tat, welche die gesamte Klaviatur der menschlichen Emotionen bespielen - von Hilflosigkeit und Verzweiflung bis hin zu Heiterkeit und Freude. Und trotz allem beweist Salman Rushdie, dass er seinen feinen Humor nicht verloren hat, eine wohltuende Brise inmitten emotionaler Verwerfungen. Ein zutiefst menschliches Buch, welches ich jedem nur ans Herz legen kann.
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