In einem Haus an einem Fjord liegt Signe, eine alte Frau, auf einer Bank und sieht sich selbst als junge Frau durch die Räume gehen. Sie sieht sich am Fenster stehen und auf das Wasser blicken. Sie sieht ihren Mann Asle, den es in seinem kleinen Boot immer wieder auf den Fjord hinauszog, bis er eines Tages nicht zurückkehrte. In dem alten Haus, das erfüllt ist von den Stimmen seiner ehemaligen Bewohner, traumwandelt Signe durch die Vergangenheit und begegnet den vorangegangenen Generationen der Familie - bis zurück zu Asles Ururgroßmutter Alise, die in der Nacht am Ufer ein Feuer hütet. Denn schon damals hatte es einen gegeben, der nie mehr vom Fjord zurückkam.
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Herausragender Stil - man hält beim Lesen fast den Atem an
katis zettelchen aus Salzburg am 03.12.2023
Bewertungsnummer: 2080981
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Vor Angst, Trauer und Sehnsucht verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Erinnerung. Ein kleines, altes Häuschen an einem Fjord in Norwegen, es ist dunkel – ein gutes Winterbuch. Im Haus ist es warm und wohlig, draußen sind der Fjord, das Wetter, die Natur, unberechenbar und bedrohlich. Es sind hauptsächlich die Frauen, denen Fosse eine Stimme gibt, denen, die zurückbleiben und leiden, wenn die Männer oder Söhne / Enkel sterben oder verschwinden. Der Verlust ist immer immens, unfassbar und wird durch Fosses Schreibstil unerträglich. In der Unerträglichkeit verschwinden die Grenzen zwischen dem Heute und dem Damals, alles ist gleichzeitig präsent, mehrere Generationen Frauen, die warten und Männer, die im Fjord verschwinden. Das geht beim Lesen unglaublich nah. Fosse beschränkt sich nicht auf die Perspektive der Frauen, mitten im Satz wechselt die Perspektive. Als Leser stolpert man, wird aber gleichzeitig mitgerissen in den nächsten Satz. Hypnotisierend, fast lyrisch, werden die Sätze wiederholt und leicht abgewandelt, dadurch sehr eindringlich. Die Dialoge, in der Erinnerung in fast direkter Rede wiedergegeben, bestehen aus kurzen Sätzen, Wiederholungen, Nachfragen, sind verdichtet. Es ist eine Novelle, nicht lang, doch man wird hineingerissen in den Strudel aus konzentrierter Verzweiflung. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, da ich kein Norwegisch kann. Der Text ist fantastisch, ich würde ihn gerne mit dem Original vergleichen können, um zu sehen, ob Fosse in der Originalsprache noch mehr hergibt. Unbedingt lesenswert. Schade, dass so wenige von Fosses Büchern momentan verfügbar sind, aber Rowohlt druckt bestimmt bald nach.
Einstieg in Jon Fosse
Bewertung am 20.07.2025
Bewertungsnummer: 2544965
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Da ich bisher noch nichts von Jon Fosse gelesen habe und ich dieses kleine, nette Büchlein im Buchladen sah, musste es mit.
Dennis Schecks Empfehlung, mit diesem Buch anzufangen, hat da tatsächlich weniger mit zu tun.
Mein Eindruck aus der Novelle: lange Sätze, teilweise wirre Erzählung und viele Wiederholungen.
Nichtsdestotrotz bin ich offen für weitere Literatur von ihm, denn auch wenn es keine Lektüre für nebenbei war, hat es schon auch Spaß gemacht sich auf Fosses Werk einzulassen und nachzudenken.
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