Isabell zieht mit ihrer kleinen Familie in die Nähe ihrer Großmutter Klara. Zufällig entdeckt sie in deren Haus einen Karton mit Tonbandkassetten. Darauf offenbart die alte Frau, die Isabell immer als unnahbar empfunden hat, ein Geheimnis, das sie sich am Ende ihres Leben von der Seele reden wollte – und das in ihrer Familie bis heute nachwirkt. Sommer 1939: Klara und Gustav heiraten, und obwohl es nur eine kleine Feier ist, haben alle das Gefühl, dass etwas Großes beginnt. Ihr Zuhause richten sie sich in einem Häuschen neben dem Frauenbildungsheim ein, das Klara für die Nationalsozialisten leitet. Das jüdische Mädchen Tolla, das Klara über Jahre bei sich versteckt hat, soll mit einem Kindertransport ins sichere Ausland kommen. Nun scheint ein Stück Normalität möglich, wenigstens für kurze Zeit. Denn dass dies der letzte Sommer vor dem Krieg sein wird, ist überall zu spüren. Wenig später wird Gustav eingezogen und Klara, inzwischen schwanger, muss ihren Weg durch das Dritte Reich, zwischen Schuld und Verantwortung, allein finden. Als der Krieg schließlich in die Stadt am Harz zurückkommt, stellt sich für Klara die Frage, ob ihr das Leben wirklich keine andere Wahl gelassen hat. ›Zwischen den Sommern‹ ist nach ›Die karierten Mädchen‹ der zweite Band der ›Heimkehr-Trilogie‹, die vom Ende der Zwanziger bis in die Sechzigerjahre reicht. Sie ist inspiriert von den Erinnerungen von Alexa Hennig von Langes Großmutter, die diese im hohen Alter auf mehr als einhundertdreißig Tonbandkassetten aufgenommen hat.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
buecher_liebefeld
aus Ostwestfalen
5/5
02.07.2024
Buch (Taschenbuch)
Guter zweiter Teil
„Zwischen den Sommern“ von Alexa Henning von Lange ist bereits der zweite Band der Heimkehr-Trilogie und steht Band 1 in nichts nach.
Mittels alten Tonbandkassetten unternimmt Isabell, die in die Nähe von ihrer Großmutter Klara gezogen ist, eine Zeitreise in die Zeit, als Klara eine junge Frau gewesen ist. Der Roman spielt in der Zeit von 1920 bis ca. 1960.
Der Großteil spielt in der Nazizeit und ist von einer düsteren Stimmung geprägt, die die Hauptprotagonisten zunächst nicht wahrnehmen, sind sie doch wie viele zu jener Zeit von den Zeichen der Zeit überzeugt.
Klara und Gustav haben geheiratet und sie legen ihren gemeinsamen Lebensmittelpunkt neben ein Frauenbildungsheim. Ungewöhnlich für die Zeit, kann Klara die Leitungsposition als Frau übernehmen. Für Tolla, das jüdische Mädchen, welches Klara lange Zeit bei sich versteckt hat, hat Klara einen sicheren Ort im Ausland gefunden. Als Gustav schließlich in den Krieg eingezogen wird, muss Klara ihre volle weibliche Kraft entfalten und ihr Leben zunächst allein meistern.
Klara ist für mich eine starke Persönlichkeit, die ihren Weg gehen muss. Gustav bleibt in Band 2 der Trilogie eher blass und nicht in Erinnerung. Vor allem die Emotionen und Gedanken von Klara werden thematisiert. Die Lektüre von Band 1 ist für das Verständnis des zweiten Bandes auf jeden Fall hilfreich.
Alexa Henning von Lange zeigt mit ihrem Roman auf, wie wichtig Kommunikation über historische Ereignisse zwischen den Generationen ist und Zeiten dafür genutzt werden sollten, bevor es zu spät ist.
Alles in allem ist „Zwischen den Sommern“ eine gelungene Fortsetzung der Heimkehr-Trilogie.
Kyra112
aus Sachsen-Anhalt
5/5
28.05.2024
eBook (ePUB)
Wer ist Klara - Die Wahrheit auf Kassetten
Klara und ihr Mann sind in Sandersleben angekommen und beziehen ihr neues Heim gleich in der Nähe des Frauenbildungsheims. Während sie eine Familie gründen, hadert Klara immer noch mit ihrer Entscheidung, Tolla weggeschickt zu haben. Während der Krieg immer weiter voranschreitet, fragt sich Klara, ob sie dieses Leben wirklich so leben möchte.
Nachdem Isabell mit ihrer kleinen Familie nach Oldenburg gezogen ist, kommen ihre Oma Klara und sie sich immer näher. Langsam finden die beiden eine Verbindung zueinander, die jäh unterbrochen wird. Isabell und ihre Mutter werden daraufhin mit der Vergangenheit Klaras konfrontiert und jede für sich, stellt sich so ihre Fragen.
„Zwischen den Sommern“ von Alexa Hennig von Lange ist der zweite Band der Trilogie um die Erzählung des Lebens der Klara Erfurt. Diese ist eine fiktive Romanfigur, die aber auf zum großen Teil auf den wahren Erlebnissen der Großmutter der Autorin beruhen.
Für mich hat die Autorin mit Klara eine beeindruckende Persönlichkeit geschaffen. Klara ist eine Frau zwischen Pflichtbewusstsein, Pragmatismus, aber auch Bodenständigkeit. Ihr ist zu jederzeit bewusst, in welchem System sie sich bewegt und wie sie sich verhalten muss. Dennoch bleibt sie sich treu, lässt sich nicht verbiegen und hinterfragt Dinge. Im Alter wirkt sie sehr zurückgezogen und verschlossen. Ich denke, dass sich gerade zum Ende dieses Teils Erklärungen finden lassen, wieso das so ist. Dennoch zieht sich diese verschlossene Haltung wie eine Art Spannungskurve durch die bisherigen Romanteile, sodass immer die Frage bleibt „Was hat Klara zu diesem Menschen gemacht?“. War sie am Anfang auch ihrer Familie gegenüber für den Leser sehr distanziert, kommt nach und nach eine andere Person ans Tageslicht. Während also Klara als Charakter sehr strebsam und abgebrüht wirkt, schafft es Alexa Hennig von Lange auch eine sensible Persönlichkeit darzustellen. Das ist ihr m.E. in beeindruckender Form gelungen, gerade in der Darstellung der Beziehung zu Isabell und Inge, die sich, jede auf ihre Weise, mit Klaras Leben auseinandersetzen.
Ich gebe zu, der Roman ist für mich auch etwas besonderes, da er in meiner Heimat spielt, sodass ich ihn von einer etwas anderen Seite betrachte und damit ein Verbundenheitsgefühl existiert.
Alles in allem hat Alexa Hennig von Lange mit diesem zweiten Teil hervorragend an den ersten Band angeknüpft und nimmt den Leser von der ersten Seite an mit. Ein beeindruckender biografischer Roman, der die ungesühnten Seiten des Lebens in der Zeit des 2. Weltkriegs aufzeigt. Von daher gibt es meinerseits eine absolute Leseempfehlung für all jene, die historische Romane mit biografischem Charakter mögen!
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
05.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Krieg frisst Leben
Klara stürzt zu Hause in ihrem Garten, ihre Enkelin Isabell findet die über neunzig Jahre alte Frau leblos vor. Im Haus findet sie einen Karton mit 140 Tonbandkassetten, auf denen Klara ihre Lebenserinnerungen aufgesprochen hat; besonders die Zeit im nationalsozialistischen Deutschland, als Isabells Oma ein Frauenbildungsheim geleitet hat, verstört die junge Frau, da Klara von Ereignissen und Menschen spricht, von denen sie noch nie gehört hat. Immer wieder ist die Rede von dem Mädchen Tolla, allerdings ist diese weder Isabell noch ihrer Mutter bekannt. Welche Geheimnisse wohl noch ans Licht kommen werden?
Das vorliegende Buch ist der zweite Teil der Heimkehr-Trilogie von Alexa Hennig von Lange, der erste Teil mit dem Titel ‚Die karierten Mädchen‘ konnte mich letztes Jahr restlos begeistern. Meine Rezension könnte unbeabsichtigt Dinge enthalten, die Leserinnen und Lesern Einzelheiten zum ersten Band verraten. Dies lässt sich leider nicht vermeiden, um diesem Teil der Trilogie gerecht zu werden, dennoch will ich darauf hinweisen, damit jeder selbst entscheiden kann, wieviel er oder sie erfahren möchte.
Der Einstieg ins Buch fiel mir nicht ganz so leicht, ich erinnerte mich nicht mehr an alle Einzelheiten und trotz des Umstandes, dass ich mir eine Zusammenfassung und auch das letzte Kapitel des erstes Teiles erneut durchgelesen habe, musste ich erst ein Gefühl für die Geschichte bekommen, was länger gedauert hat. Besonders gefallen hat mir dabei, dass die Autorin zusätzlich verschiedene Begebenheiten wiederholt und damit allmählich mein Gedächtnis aufgefrischt hat. Klara selbst ist, dies ist bereits dem Klappentext zu entnehmen, sodass ich dies freimütig erwähnen kann, gestorben und ihre Enkelin Isabell nimmt die Kassetten an sich. Das Abhören dieser Kassetten wird zu einer emotionalen Achterbahnfahrt für die junge Frau, die ihre Großmutter als eine eher kühle und angsteinflössende Person wahrgenommen hat.
‚Es war erschreckend, wie wenig Worte es brauchte, um die Auslöschung eines ganzen jungen Lebens mitzuteilen. Dennoch hatten diese wenigen Worte die Kraft, den geballten Schmerz zu transportieren, der nicht zu begreifen war. Es gab kein Gegenteil zu diesem Schmerz, keine Linderung, keinen Trost.‘ (Seite 247)
Es wurde, wie bereits im Vorgängerband, abwechselnd die Gegenwart und die Vergangenheit thematisiert, zusätzlich erfolgten in der zurückliegenden Zeit Sprünge in den Monaten und Jahren, die Situation spitzte sich zu, die Umstände änderten sich und die Lage wurde dramatisch, in vielen Dingen fast schon aussichtslos. Daneben tauchte wiederholt die Frage auf, ob Klara eine Mitläuferin war, und ob zudem ihr Schweigen und Erdulden bedeutet, dass sie sich mitschuldig gemacht hat an den damaligen Verbrechen. Für mich ist dies eine Frage, die nicht so einfach beantwortet werden kann, denn nach einer so langen Zeit großspurig zu behaupten, man hätte dies oder das anders gemacht, grenzt an Überheblichkeit. Erst wer selbst eine bestimmte Situation erlebt hat, kann sich ein Urteil erlauben und auch dann ist jedes Schicksal einzeln zu bewerten. Hinsichtlich Klara kann sich jeder Leser und jede Leserin ein eigenes Urteil bilden. Die Autorin jedenfalls lässt in dieser Frage einen großen Spielraum zu, was mir persönlich gefallen hat.
Der so sehr befürchtete Krieg wird in diesem Band thematisiert, viele geschichtliche Fakten hat die Autorin eingeflochten und so eine Atmosphäre geschaffen, die mich mal mehr, mal weniger erschüttert hat. An vielen Stellen floss mein Herz über, oft war ich entsetzt, manchmal angewidert, überwiegend aber einfach emotional bewegt, und das aus vielerlei Gründen. Immer wieder tauchte die Frage auf, was mit Tolla passiert, wo das kleine Mädchen gelandet ist, das Klara weggeben musste, um deren Leben zu retten. Ob und wie die Frage beantwortet wurde, wird von mir natürlich nicht verraten. Nur so viel kann ich schreiben: es bleibt spannend!
Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass die Fortsetzung mich so dermaßen packen würde, aber als ich einmal drin und der sprichwörtliche Knoten geplatzt war, vergaß ich alles um mich herum. Das letzte Drittel war unglaublich emotional und auch das Nachwort fand ich erneut sehr bewegend. Ich kann den Abschlussband nun kaum noch erwarten und bin gespannt darauf, wie es im Leben von Klara weiterging. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.
Bewertung
5/5
14.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schwere Zeiten
Schon Band 1 des Romanes hat mich total in seinen Bann gezogen. So war ich voller Vorfreude, als ich das Buch in den Händen hielt und es hat mich ebenfalls überzeugt. Die Geschichte, der Schreibstil- einfach alles so, wie ich es mag. Man merkt die Anspannung zwischen den Zeilen, das Zerrissen sein, nicht zu sich stehen zu können und vor allem zu dürfen! Was für eine schreckliche Zeit. Definitiv ein Jahreshighlight für mich.
Books of Tigerlily
5/5
24.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Alexa Hennig von Lange schreibt über Gegenwart und Vergangenheit
Alexa Hennig von Lange gehört zu meinen liebsten deutschsprachigen Autorinnen, zuletzt konnte mich der Auftakt der Heimkehr-Trilogie, Die karierten Mädchen, nachhaltig begeistern. Nun erscheint mit Zwischen den Sommern endlich die Fortsetzung.
Wie bereits in Die karierten Mädchen bilden kurze Episoden aus der Gegenwart den Aufhänger zu den jeweiligen Rückblenden auf Klaras Leben. Im Fokus dieses Buches steht der Beginn des Zweiten Weltkrieges und Klaras Zeit im Frauenbildungsheim. Dieses abwechselnde Spiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit und das Gegenüberstellen der jungen Klara mit ihrer greisen Version und ihrer Enkelin Isabell und deren Baby bilden den Rahmen der Erzählung. Hierdurch wird verdeutlicht, wie die damalige und heutige Gesellschaft zum einen auseinanderdivergiert, dass sich aber Isabell und Klara mit ihren jeweils kleinen Kindern in derselben Ausgangsposition befinden.
Durch den eindrücklichen Stil hat mich die Geschichte direkt in den ersten Kapiteln in den Bann gezogen und mich emotional auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Klaras letzte Szenen als alte Frau und ihr Tod haben mich sehr berührt und mich an meine eigene Oma denken lassen. Auch die Trauer ihrer Familie hat mich sehr ergriffen. Dass Isabell nun die Tonbandkassetten entdeckt und sich die Geschichte ihrer Großmutter aus deren Perspektive anhören kann, war für mich toll umgesetzt - hier hat die Autorin ja einiges aus dem Leben ihrer eigenen Großmutter verarbeitet.
In den Rückblenden in die Zeit ab 1939 zeigt sich Klara als resolute, oft etwas spröde Frau mit viel Verantwortung, die sich den Herausforderungen des aufziehenden Krieges sowohl in ihrer Rolle als Leiterin des Frauenbildungsheimes als auch als Ehefrau stellen muss. Die Realität dieses Krieges und seiner Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung wird hier eindrücklich und in ruhigem Ton geschildert, ohne an Spannung und Tiefgang einzubüßen. Man begleitet Klara gerne durch diese Jahre und fragt sich oft, wie man wohl selbst mit diesen herausfordernden Situationen umgegangen wäre.
Auch Isabell stellt sich beim Hören von Klaras Leben einige Fragen, die wohl viele Nachkriegsgenerationen beschäftigt haben - wie hätte man selbst gehandelt? Wie stellt sich die Rolle der eigenen Familie zur Zeit des Nationalsozialismus dar? Thematisiert wird auch die Sprachlosigkeit und das Verdrängen dieser Generation nach Kriegsende. Auch in meiner eigenen Familiengeschichte fehlt mir ein Stück, über das einfach nicht geredet wurde. Dass Alexa Hennig von Lange ihren eigenen familiären Hintergrund als Inspiration für diesen Roman gewählt hat um dieser Mauer des Schweigens die Tonbänder von Klara entgegenzuhalten, hat mich nachhaltig beeindruckt.
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5/5
14.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gelungene Fortsetzung
Nach dem Tod ihrer Großmutter Klara findet Isabelle ein Box voller besprochener Kassetten. Darauf hat die blinde Klara ihr Leben verewigt. Isabelle taucht also hinein in das Leben einer Frauenbildungsheimleiterin am Vorabend des 2. Weltkrieges.
Mit viel Herz und sehr ergreifend spinnt Alexa Hennig von Lange weiter an der Lebensgeschichte ihrer eigenen Großmutter.
Und immer schwingt die leise Frage mit: Wie hätte ich mich verhalten? Wir Nachgeborenen müssen aus der Geschichte lernen und auch unangenehmen Fragen nicht ausweichen.
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