Glasklar, feministisch, »triefend vor mütterlicher Grausamkeit.« Yoko Ogawa
Die internationale Entdeckung aus Japan, nominiert für den Akutagawa-Preis
Eine kleine Wohnung im Rotlichtviertel Tokios. Eine Schriftstellerin will ein letztes Gedicht schreiben. Weil ihr das im Krankenhaus nicht gelingt, ist sie zu ihrer Tochter gezogen, die als Hostess in einem Nachtclub ein ganz anderes Leben führt als sie selbst. Suzumi Suzuki, eine der prägnantesten Stimmen der japanischen Gegenwartsliteratur, erzählt die Geschichte einer schwierigen Beziehung, der zwischen einer Mutter und einer Tochter, zwischen zwei Frauen mit ganz unterschiedlichen Verständnissen von weiblicher Selbstermächtigung, Liebe und Gewalt. Unter der glasklaren Oberfläche dieses Romans sind die Abgründe allgegenwärtig und führen unweigerlich zu der Frage: Was sind wir bereit zu geben für die Menschen, die wir lieben? Und was tun wir für uns selbst?
Ein spannender Roman über eine komplizierte Mutter-Tochter Beziehung, geschrieben aus der Sicht der Tochter. Das Buch spielt in Japan, die Tochter verdingt sich als Hostess im Rotlichtmilieu, als ihre schwerkranke Mutter zu ihr zieht, weil die Schriftstellerin dort in der Wohnung der Tochter ihr letztes Gedicht schreiben möchte. Das Buch hat mich gepackt, man erfährt viel über die schwierige Beziehung der beiden, über die Misshandlungen, die die Mutter der Tochter zufügte und das Leben der Mutter, die ihre Tochter als alleinerziehende Schriftstellerin durchbringen musste. Sehr gut geschrieben, vor allem aber nicht nur für Fans japanischer Literatur.
helena
aus Potsdam
5/5
31.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührende und Fragen aufwerfende Mutter-Tochter-Beziehung in Japans Hostess-Welt
Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die sich in Tokyo in Clubs als Hostess verdingt. Sie hat nur wenige und lockere Freundinnen, von denen eine weggezogen ist und eine andere sich unlängst das Leben genommen hat. Gleichzeitig ist ihre Mutter, eine eher unbekanntere Dichterin, schwer an Krebs erkrankt. Sie liegt im Sterben und möchte noch ein letztes Gedicht zu Papier bringen. Die junge Frau kümmert sich um ihre Mutter, erst bei sich zu Hause, dann im Krankenhaus. Zugleich lässt sie uns teilhaben an ihren Gedanken, die sich vor allem um ihre Beziehung zu ihrer Mutter und ihr Alltagsgeschehen drehen.
Die Mutter hatte ihre eigenen Herausforderungen, als Alleinerziehende. Die Tochter spürte nie die Liebe ihrer Mutter, fühlte sich ungeliebt und gehasst. Es gab eine traumatisierende Situation zwischen ihnen, die nie wirklich aufgearbeitet wurde. Letztlich tut die Tochter genau das, was ihre Mutter für sich selbst nie wollte- sich und ihren Körper verkaufen.
Das Buch liest sich fesselnd und berührend. Das Setting und die Personen sind interessant gezeichnet. Man erfährt alles aus der Ich Perspektive der Tochter. Doch war ich der jungen Frau selten richtig nah, da sie sowohl zu sich als auch zum Leben Distanz wahrt. Die Themen werden umkreist, so dass ich sie erstmal nicht so recht zum Fassen bekam. Warum war die Beziehung zu ihrer Mutter so wie sie war? Warum handelte die Mutter so, wie sie handelte ? Warum sprachen sie so wenig miteinander? Warum waren sie so beziehungslos? Warum förderte sie ihre Tochter nicht, warum setzte sie kaum Grenzen? Wo sind die Trennlinien zu den eigenen Kindern? Inwiefern gehören sie den Eltern? Wieviel Wert bzw. welchen Preis hat ein Körper? Welche Rolle spielt die Schöhnheit von Frauen?
Am Ende war ich voller Emotionen und aufgerüttelt, auch aufgrund meiner vielen Fragen und las daher den kurzen Roman ein zweites Mal, diesmal aufmerksamer und zielgerichteter. Dadurch konnte ich tiefer einsteigen und Antworten erhalten. Da mir bislang die Szene der Hostess und Host Clubs in Japan fremd waren, wurde ich zudem angeregt, hierüber zu recherchieren, um das Setting besser zu verstehen.
Fazit: Ein kurzer, schön erzählter, durchaus auch herausfordernder Roman, den man aufmerksam lesen sollte, der aufrüttelt, berührt, beeindruckt und nachhallt. Das Buch würde sich zudem gut für einen Buchclub, zum Lesen mit Austausch, eignen, da es Fragen, Interpretations- sowie Diskussionsmöglichkeiten aufwirft.
helena
5/5
31.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührende und Fragen…
Berührende und Fragen aufwerfende Mutter-Tochter-Beziehung in Japans Hostess-Welt Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die sich in Tokyo in Clubs als Hostess verdingt. Sie hat nur wenige und lockere Freundinnen, von denen eine weggezogen ist und eine andere sich unlängst das Leben genommen hat. Gleichzeitig ist ihre Mutter, eine eher unbekanntere Dichterin, schwer an Krebs erkrankt. Sie liegt im Sterben und möchte noch ein letztes Gedicht zu Papier bringen. Die junge Frau kümmert sich um ihre Mutter, erst bei sich zu Hause, dann im Krankenhaus. Zugleich lässt sie uns teilhaben an ihren Gedanken, die sich vor allem um ihre Beziehung zu ihrer Mutter und ihr Alltagsgeschehen drehen. Die Mutter hatte ihre eigenen Herausforderungen, als Alleinerziehende. Die Tochter spürte nie die Liebe ihrer Mutter, fühlte sich ungeliebt und gehasst. Es gab eine traumatisierende Situation zwischen ihnen, die nie wirklich aufgearbeitet wurde. Letztlich tut die Tochter genau das, was ihre Mutter für sich selbst nie wollte- sich und ihren Körper verkaufen. Das Buch liest sich fesselnd und berührend. Das Setting und die Personen sind interessant gezeichnet. Man erfährt alles aus der Ich Perspektive der Tochter. Doch war ich der jungen Frau selten richtig nah, da sie sowohl zu sich als auch zum Leben Distanz wahrt. Die Themen werden umkreist, so dass ich sie erstmal nicht so recht zum Fassen bekam. Warum war die Beziehung zu ihrer Mutter so wie sie war? Warum handelte die Mutter so, wie sie handelte ? Warum sprachen sie so wenig miteinander? Warum waren sie so beziehungslos? Warum förderte sie ihre Tochter nicht, warum setzte sie kaum Grenzen? Wo sind die Trennlinien zu den eigenen Kindern? Inwiefern gehören sie den Eltern? Wieviel Wert bzw. welchen Preis hat ein Körper? Welche Rolle spielt die Schöhnheit von Frauen? Am Ende war ich voller Emotionen und aufgerüttelt, auch aufgrund meiner vielen Fragen und las daher den kurzen Roman ein zweites Mal, diesmal aufmerksamer und zielgerichteter. Dadurch konnte ich tiefer einsteigen und Antworten erhalten. Da mir bislang die Szene der Hostess und Host Clubs in Japan fremd waren, wurde ich zudem angeregt, hierüber zu recherchieren, um das Setting besser zu verstehen. Fazit: Ein kurzer, schön erzählter, durchaus auch herausfordernder Roman, den man aufmerksam lesen sollte, der aufrüttelt, berührt, beeindruckt und nachhallt. Das Buch würde sich zudem gut für einen Buchclub, zum Lesen mit Austausch, eignen, da es Fragen, Interpretations- sowie Diskussionsmöglichkeiten aufwirft.
jellyhead
5/5
29.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutter-Tochter-Beziehung
„Die Gabe“ von Suzumi Suzuki hat mich schon mit seinem schlichten, aber ausdrucksstarken Cover angesprochen. Es zeigt eine junge Frau, die vermutlich die Protagonistin der Geschichte darstellen soll.
Suzumi Suzuki, eine japanische Autorin, erzählt auf knapp über 100 Seiten eine eindringliche Geschichte, die von Katja Busson ins Deutsche übersetzt wurde. Ich habe das Buch in kürzester Zeit gelesen, nicht nur wegen seiner Kürze, sondern vor allem, weil mich die Erzählung tief bewegt und mitgerissen hat.
Die Protagonistin führt ein Leben als Hostess in einem japanischen Rotlichtviertel. Ihre ohnehin schwierige Lebenssituation gerät weiter aus dem Gleichgewicht, als ihre schwerkranke Mutter sie bittet, bei ihr einzuziehen, um ihre letzten Gedichte zu schreiben. Doch die Krankheit schreitet schnell voran, und schon bald muss die Mutter in ein Krankenhaus verlegt werden.
Während wir die Protagonistin begleiten, wird deutlich, wie kompliziert und schmerzhaft ihre Beziehung zu ihrer Mutter ist. Alte Wunden brechen auf, unausgesprochene Vorwürfe und Verletzungen stehen zwischen ihnen.
Gleichzeitig ist die Geschichte eine Reise durch den Alltag der Protagonistin, geprägt von den Besuchen im Krankenhaus, ihrer Arbeit und einem Verlust, der über allem schwebt.
Die Erzählung ist leise, aber intensiv. Suzumi Suzuki schafft es, das schwierige Mutter-Tochter-Verhältnis und die emotionalen Spannungen einfühlsam darzustellen, ohne dabei alles auszusprechen. Es bleibt Raum für die eigenen Gedanken.
Für mich ist „Die Gabe“ eine traurige, aber wunderschön geschriebene Geschichte, die trotz ihrer Kürze lange nachhallt.
Literatursprechstunde
aus Göttingen
4/5
03.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Abgründe einer Mutter-Tochter-Beziehung im Tokioter Rotlichtmilieu!
Die japanische Soziologin und Kolumnistin Suzumi Suzuki hat mit „Die Gabe“ eine Geschichte rund um das tokioter Rotlichtmilieu und eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung verfasst. Die Mutter ist sterbenskrank und hat die selbstauferlegte Mission, ihr Gedicht „In Freiheit“ zu Ende zu schreiben. Wird sie es schaffen, oder ist der Tod schneller?!
Die namenlose Protagonistin begleitet den Sterbeprozess ihrer Mutter. Dabei fühlt sich von selbiger schon ihr ganzes Leben lang vereinnahmt: „Meine Mutter hat nie geheiratet. Auch nachdem ich die Hülle ihres Körpers verlassen hatte, bis ich selbst etwas zu essen greifen konnte wenigstens, hatte ich mit Haut und Haaren ihr gehört.“
Sie hadert mit ihrer Selbstbestimmung, fühlt sich von ihrer Vergangenheit verfolgt.
Um der Situation zu entfliehen und sich zu betäuben greift sie vermehrt zu Alkohol und anderen Suchtmitteln: „Die eine Hälfte des Tages verbringe ich in dunkler, die andere in schwindender Erinnerung. Hin und wieder treten unwahre Erinnerungen, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen in den Vordergrund, aber das, von dem ich wünschte, es wäre Wahn, ist leider immer wahr, damit habe ich mich schon abgefunden.“
Eine gute Freundin hat sie in der Vergangenheit schon öfters kontaktiert und über ihren Suizid philosophiert, bzw. ihn angedroht - auch heute ist das wieder der Fall, doch warum sollte sie es gerade heute in die Tat umsetzen, wenn es vorher doch eher nur ein Heisch nach Aufmerksamkeit war?!
„Sie hatte so oft von Selbstmord gesprochen, dass wir das im Freundeskreis nur noch als Synonym für >>ich habe schlechte Laune <<, >>mir ist was trauriges passiert<< oder >>ich will dich sehen<< verbucht hatten.“
Und genau an diesem Tag meint sie es ernst und bringt sich um. Was löst das nun in unserer Protagonistin aus?! Selbstvorwürfe und -zweifel, Wut, Ohnmacht gegenüber der Situation - es lässt sich nicht ungeschehen machen, die Zeit verläuft nur nach vorne.
Ihre Mutter ist derweil aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes ins Krankenhaus übergesiedelt. Sie denkt nun über ihr Verhältnis mit ihr zu Zeiten ihrer Kindheit nach. Sie war selbst eine S*xarbeiterin, aber versuchte dies stets zu verheimlichen vor ihrer Tochter. Als Alleinerziehende struggelte sie mit den Finanzen, schaffte es aber immer über die Runden zu kommen mit erspartem Trinkgeld, dass sie durch Gesang hinzuverdiente, gab Kurse und veröffentlichte einige Gedichtbände.
Ihre Mutter war keine, die oft schimpfte, doch eines Tages kam sie nach Hause, wurde von ihrer Mutter am Arm festgehalten und sie drückte ihre Zigarette an ihr aus, ihr T-Shirt fing dabei Feuer, was die Mutter mit ihrer Tasse Kaffee löschte. Was macht so eine Tat mit einer Tochter?! Brandwunden und eine wulstige Narbe bleiben ihr als Erinnerung, die sie später mit Tattoos zu überdecken versuchte, doch noch heute denkt sie oft an diesen Tag zurück:
„Da war ich zwanzig, hatte aber immer noch Angst, an der besonders wulstigen Stelle am Oberarm berührt zu werden. In meiner Erinnerung macht meine Mutter in dem Moment, in dem sie ihre Zigarette an mir ausdrückt, ein irgendwie verzweifeltes, weltvergessenes, getriebenes Gesicht. Es war keine Wut, das spürte ich. Sie war nicht wütend, sondern irgendwie ohnmächtig. An diesen Gesichtsausdruck meiner Mutter dachte ich manchmal, wenn ich in der Bar saß und auf Kundschaft wartete.“
Auch mit Klassismus werden wir in „Die Gabe“ konfrontiert. Die Protagonistin fühlt sich nicht zugehörig zur Gesellschaft, hadert mit ihrer Rolle als S*xarbeiterin:
„Es gibt wertvolle und weniger wertvolle Menschen auf der Welt, und wir gehörten zu jenen, die man gemeinhin wohl als weniger wertvoll bezeichnet, jede einzelne von uns.“
Klar und präzise, fast schon sachlich erzählt Suzumi Suzuki eine Geschichte über Prostitution in Japan, weibliche Selbstbestimmung, Suizid, häusliche Gewalt, Klassismus, finanzielle Abhängigkeit und die Abgründe einer Muttter-Tochter-Beziehung.
Wichtige Themen, die man nochmal in einem anderen Licht sieht, wenn man weiß, dass die Autorin früher selbst im Rotlichtmilieu als S*xarbeiterin tätig war.
Ich hätte mir eine zweite Perspektive gewünscht und zwar die, der Mutter und damit auch eine Umfangserhöhung des Buches.
„Die Gabe“ ist definitiv keine Wohlfühlgeschichte, aber sie behandelt Themen, die Aufmerksamkeit verdient haben.
Mich hat die Geschichte mit einem diffusen Gefühl zurückgelassen, dennoch bin ich dankbar ein weiteres Werk der japanischen Literatur zu meinen Leseerfahrungen zählen zu können. Denn die asiatische und besonders die japanische Literatur hat einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherherz!
Triggerwarnung: Bitte überlegt Euch, ob Ihr gerade die psychischen Kapazitäten für diese Art Geschichte habt! (Themen wie zuvor angesprochen Suizid, S*xarbeit, Drogen, Sucht, häusliche Gewalt)
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.