Ein kurzer Besuch in einem Davoser Sanatorium wird für den jungen Ingenieur Hans Castorp zu einem siebenjährigen Aufenthalt, der Kurort wird zur Bühne für die europäische Befindlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg. Fern von der erdrückenden Realität drehen sich die Gespräche unter den Patienten um Politik, Philosophie, Liebe, Krankheit und Tod. Im Juli 1913 begonnen, während des Krieges durch essayistische Arbeiten unterbrochen, konnte der Roman 1924 abgeschlossen und veröffentlicht werden.
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4.4/5.0
Bewertung
5/5
28.11.2024
Hörbuch-Download
Magischer Zauberberg!
Ein grandioser Text, ein grandioser Vorleser - kongenial!
Wer seinerzeit die Lesung bei NDR 3 bzw. Kultur verpasst hat, kann aufatmen ...
Perfekt für die langen dunklen Abende der Adventszeit.
Bewertung
3/5
18.03.2025
Hörbuch-Download
Selbst als Hörbuch zähe Kost
Normalerweise kann ich als Hörbuch fast alles hören, z.B. endlose Fortsetzungsromane von Murakami und sogar die Bibel. Aber beim „Zauberberg“ hab ich mich öfter gefragt „Warum soll ich mir das noch weiter anhören?“.
Geschildert wird das Leben in einem Sanatorium für wohlhabende Patienten, mit 5 mal am Tag Fieber messen und Liegekuren, die anscheinend das Herzstück der Behandlung bilden. Vielleicht ist das als eine Art Medizin-Satire gedacht, für mich ist das schwer zu beurteilen, weil ich nicht weiß was vor über hundert Jahren für Behandlungen üblich waren. Aus heutiger Sicht wirkt es auf jeden Fall komisch, wie auch die Tatsache, dass verstorbene Patienten im Winter über eine Bobbahn ins Tal befördert werden.
Das war es dann aber auch schon, was den Humor des Buches angeht und den Unterhaltungswert.
Spannend wird das Buch erst zum Schluss, mit einem Duell zweier Patienten und dem Beginn des ersten Weltkriegs. Als ob Thomas Mann sagen wollte „schaut her, wenn ich wollte könnte ich auch ein spannendes Buch schreiben, aber ich will nicht.“.
Das Buch ist wohl nur was für Leser, die die ganzen Anspielungen verstehen, die in dem Roman wohl enthalten sind und sich dann darüber freuen. Für mich ist es eher ein Qualitätskriterium für ein Buch, wenn es in anderen Werken Anspielungen drauf gibt, nicht wenn es selber hauptsächlich aus Anspielungen besteht.
Noch was positives zum Schluss: Gert Westphal liest das Buch engagiert bis zum letzten Satz, das ist bei Hörbücher nicht selbstverständlich und sollte erwähnt werden.
Bewertung
5/5
20.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Doppelter Zauber
Doppelter Zauber
Wenn es einen Text Thomas Manns gibt, mit dem er sich den Beinamen „Zauberer“ verdient hat, dann ist dies zuvorderst seine Novelle „Der Tod in Venedig“. Der Zauber wirkt hier doppelt: auf den Helden und auf den Leser.
Die Verwandlung Gustav von Aschenbachs vom pflichtbesessenen, an Ruhm, Ehre und Willensstärke orientierten Großkünstler, steif, unnahbar, auf Etikette bedacht, allem Sinnlichen abhold, zum pflichtvergessenen, willenlos-triebgesteuerten Lüstling, der sich schminken und die Haare färben lässt, und der seine Tage damit verbringt, dem Objekt seiner Begierde durch Venedig nachzusteigen - diese Wandlung ist Ergebnis einer Verzauberung. Verzaubert wird er von Tadzio, einem Knaben, der „vollkommen schön“ ist, „von so einmalig persönlichem Reiz“, dass er überzeugt ist, „weder in Natur noch bildender Kunst etwas ähnlich Geglücktes angetroffen zu haben“. (S. 42)
Und es ist ganz große Kunst, wie der Zauber geschildert wird, der von diesem Knaben auf den älteren Herrn ausgeht, wie ein anfänglich scheinbar „interesseloses Wohlgefallen“, eine „fachmännisch kühle(n) Billigung“ (S. 48) des reinen Schönen schrittweise umschlagen in Verzücken, Verliebtheit, Besessenheit; wie eine anfänglich harmlos-heitere Stimmung zunehmend ins Bedrohlich-Düstere umschlägt.
Wie das im Einzelnen dramaturgisch und sprachlich subtil gemacht ist, wie es Thomas Mann gelingt, auch den Leser in einen erzählerischen Zauberbann zu schlagen, dazu sind extrem hilfreich die erläuternden Anmerkungen und das kluge Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Hanns Frericks.
Aber das ausführliche Nachwort hilft nicht nur beim Erkennen, Verstehen und Genießen der Novelle als Kunstwerk, ihrem Bau und reichen Motivgeflecht, ihrer Rhetorik, Symbolik und Semantik. Es gibt auch ergiebig Antwort auf die Frage, was den Autor zu dieser Novelle bewogen hat, wie erfahrungsgesättigt der Text ist und wie es ihm gelingt, immerhin zur Endzeit des deutschen Kaiserreichs, einen Text, der von homoerotischer Liebe, ja, von Pädophilie handelt, zu publizieren, ohne einen literarischen Skandal zu provozieren.
Vor allem aber öffnet das Nachwort die Augen des Lesers für all jene Facetten der Novelle jenseits der Geschichte einer unglücklichen, verbotenen Liebe. Denn es geht auch hier um die Dialektik von Künstler und Bürger, um den Umschlag vom Sokratischen zum Dionysischen, um eine Theorie des unbedingten Schönen, um Theorie und Praxis der Ästhetik und der Moral. Es geht, wie stets in großer Literatur, um Eros und Thanatos. Und schließlich spielt im Hintergrund selbst das Politisch-Ökonomische eine Rolle, wenn die administrative Verschleierung der sich ausbreitenden Seuche aus kommerziellen Gründen im wahrsten Wortsinn über Leichen geht.
Diese Ausgabe der Novelle „Der Tod in Venedig“ ist nicht zuletzt besonders zu empfehlen, weil sie handwerklich schön gemacht ist: mit Leineneinband, Titelvignette, Bildern und einer erhellenden Zeittafel.
Beat (also schnon Ü55)
aus Meilen
5/5
25.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wow!
Ich verstehe nicht, wieso Thomas Mann den Nobelpreis nicht für dieses Buch bekommen hat, sondern für Buddenbrooks. Denn dieses Buch ist ein Meisterwerk. Ich habe es auf meiner Neuseeland-Reise gelesen, in einsamen Berghütten fünfzehn Seiten gelesen und danach zwei Stunden meinen Gedanken nachgehangen. Und das mit einem Buch, das vor hundert Jahren erschienen ist!
Astrid
aus Augsburg
5/5
09.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Genial
Große Literatur in sehr ansprechendem Einband. Eine gute Ergänzung für die private Bibliothek. Man muss sich etwas Zeit nehmen, aber das musste Hans Castorp schließlich auch. Ein fairer Preis für das, was man mit dieser Ausgabe bekommt.
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