Der detaillierte Fluchtbericht seiner Großmutter ist Ausgangspunkt für Jochen Buchsteiners Buch über Ostpreußen. Persönlich aber unsentimental verfolgt er den Weg der Gutsbesitzerfamilie in den Westen und spürt dabei dem Verlust nach, der nicht nur den Betroffenen entstanden ist. Es entsteht ein Portrait der fast vergessenen deutschen Provinz, die in ihrer Tragik, aber auch in ihrer historischen und kulturellen Einzigartigkeit sichtbar wird - als verdrängter Teil unserer nationalen Identität. Zwei Generationen nach Marion Gräfin Dönhoff liefert Jochen Buchsteiner eine Familienerzählung, die einen frischen Blick auf die deutsche Vergangenheit wagt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
10.06.2025
eBook (ePUB 3)
Familiengeschichte
Die Notizen der Großmutter sind der besondere Rahmen eines Buches, das viel umfangreicher von Ostpreußen berichtet als die Familiengeschichte
Es steht beispielhaft ist für das Los von 14 Millionen Menschen aus den früheren deutschen Ostgebieten zum Ende des Zweiten Weltkriegs
Oma Else schreibt dazu einen Erfahrungsbericht, den der Autor dann wiedergibt.
Auf diese Weise lernt der Leser viel über die Geschichte Ostpreußens, über Land und Leute
Eine faszinierende Darstellung, welche die Leser zurück zu der Flucht aus Ostpreußen bringt
Weil das durch Flucht, Vertreibung und Neubeginn entstandene Chaos nicht nur auf denjenigen lastet, die es direkt erlebt haben, sondern auch in den kommenden Geschlechtern immer noch tief verwurzelt ist.
Das Bucjh hat sich gut gelesen
Bewertung
5/5
27.05.2025
eBook (ePUB 3)
Sowas von informativ, interessant und wichtig!
Nüchtern, unparteiisch und sachlich, dafür sehr informativ und teilweise in einem Wechsel aus Erinnerungen und Recherche.
Vieles schockiert und wundert einen, und es zeigt mal ganz andere Perspektiven als es in der Schule gelehrt wird.
Es berichtet von Flucht, Zwangsarbeit, Zwangenteignung. Wie war es vorher, währenddessen und heute?
Da mein Opa selbst aus Königsberg stammte, hatte ich sowieso ein Interesse an dem Buch, aber auch so ist es super interessant. Ich werde dieses Buch definitiv mehrmals lesen.
Bewertung
aus Quickborn
5/5
15.05.2025
eBook (ePUB 3)
Nicht nur 80 Jahre zurück
Jochen Buchsteiner, mir bekannt als Journalist, der viele interessante Themen bei der FAZ aufgreift, ist zurück in die Vergangenheit gereist mit seinen Gedanken. Die Aufzeichnungen seiner Großmutter bilden den privaten Rahmen für ein Buch, das weitaus umfangreicher über Ostpreußen berichtet als über die Familiengeschichte.
So erfährt der Leser vieles über Ostpreußens Geschichte, Land und Leute, Dichter und Denker. Wer das Glück hat, überhaupt keine Vorfahren, die aus ihrer Heimat flüchten mussten oder vertrieben wurden, zu haben, der kann sich wohl glücklich schätzen. Denn die Traumata von Flucht, Vertreibung und Neuanfang belasten nicht nur diejenigen, die es direkt erlebt haben, die Traumata sind in den nachkommenden Generationen immer noch tief verwurzelt. Meine Vorfahren mussten Meseritz, das jetzt in Polen liegt verlassen, ich weiß, wovon Buchsteiner schreibt. In der DDR durften sie nur als Umsiedler bezeichnet werden. Eine sehr prosaische Umschreibung der Tatsachen. Dass Buchsteiners Großmutter Else eine so pragmatische und tapfere Frau war, hat nicht nur ihr und ihren Kindern, sondern auch vielen anderen das Leben gerettet. Wie schwer später der Neuanfang auch fiel, sie hatte überlebt und konnte noch im hohen Alter ihre Erinnerungen genau wiedergeben. Ein Glücksfall, nicht nur für den Autor, auch für die Leser dieses Buches.
Buchsteiner hat sich mit der Materie sehr intensiv auseinandergesetzt, das merkt man mit jedem Kapitel mehr. Seine negativen Eindrücke vom „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ kann ich nur bestätigen, ich empfand die Ausstellung als beschämend – gefördert von der Bundesregierung! –, beschämend ist vor allem die vorherrschende Distanz und Emotionslosigkeit im Bezug auf die Verluste und Opfer der deutschen Zivilbevölkerung.
Sehr interessant sind die Erlebnisse des Autors in Polen, es ist vor Ort dann doch anders, als man es aus Büchern liest. Und die Kontakte zu jungen Polen, die zeitweise auch zu Missverständnissen führen und viele Vorbehalte zeigen sind etwas , dass ich aus der Familienforschung meines Mannes im Heimatkreis Schlochau kenne: Die Vorbehalte gegen Deutsche sind weitergegeben und „vererbt“, es geht schnell, dass die polnische Seite sich zurückzieht und sehr reserviert ist gegenüber den neugierigen Deutschen. Offenbar ist da auch immer noch die Angst, man könnte ihnen Vorhaltungen machen, weil sie jetzt im ehemaligen deutschen Gebiet leben. Sehr dünnes Eis, das merkte auch der Autor.
Ganz am Ende in der Danksagung schreibt Buchsteiner, dass er bereits seit 1999 die Gedanken über dieses Buch mit sich trägt. Mich wundert das nicht, über die eigene Familie zu schreiben, bedeutet auch immer die Gefahr, sehr private Empfindungen, auch die eigenen, zu verletzen. Auch das kenne ich aus eigener Erfahrung. Das breite Repertoire an Quellen musste vom Autor für seine historischen Texte auch erst einmal studiert werden, Recherchen ziehen Recherchen nach sich, da dauert die Fertigstellung eines druckreifen Manuskriptes eben Jahre. Ich kann zum Ergebnis nur gratulieren. Dass mir trotz allen Lobs der Schreibstil nicht immer gut gefallen hat, ist eher subjektiv.
Obwohl ich keine Vorfahren in Ostpreußen hatte, hat mich dieses Buch doch sehr gefesselt. Und ich habe meine Geschichtskenntnisse gut aufgefrischt. Insbesondere die Entwicklung der Stadt Königsberg, heute russisch Kaliningrad, der der totale Garaus gemacht wurde, wird umfassend betrachtet. Die Bezüge zur aktuellen Situation beiderseits der Grenze lassen nichts Gutes ahnen, man kann nur hoffen, dass die Nato russischen Attacken gewachsen ist.
Insgesamt sage ich als Fazit: Leseempfehlung! Das Thema passt zum Tag der Befreiung, den wir gerade zum 80. Mal begangen haben. Ich freue mich, dass auch heute noch darüber so beherzt geschrieben wird und wünsche dem Buch viele Leser. Fünf von fünf Sternen sind ehrlich verdient.
Bewertung
5/5
04.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Außergewöhnlich bewegend - interessant und informativ
Das Buch hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Zwar kennt man viele Schicksalsschilderungen der Flucht, aber in diesem Buch ist es ganz anders. Da die Fluchterlebnisse sehr interessant und für mich neu und spannend in den historischen Kontext eingebunden werden, wird viel mehr daraus, als „nur“ eine Flüchtlingsgeschichte. Ich bin nachhaltig beeindruckt und dankbar für die umfassenden Schilderungen der Hintergründe. Es wird eines der ganz wenigen Bücher sein, das ich noch einmal lesen werde. Zudem deckt es sich teilweise tagesscharf mit den Schilderungen meiner Tante und damit meiner Vorfahren.
Absolut empfehlenswert- auch für „Nicht-Ostpreußen-Nachkommen“!
Bewertung
5/5
13.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolles und bewegendes Buch
Ich kann dieses Buch Jedem empfehlen. Diese dramatischen Erlebnisse sollten mehr denn je in den Fokus kommen. Vielleicht empfindet man die Dinge, die im Moment mir einer anderen Sichtweise
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5/5
02.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein verdrängtes Stück deutscher Geschichte.
Ostpreußen, wenn wir heute damit überhaupt etwas verbinden, dann rückständige Landjunker und preußische (Un-)Tugenden, aber für 2,2 Millionen vertriebene Menschen war es Heimat. Jochen Buchsteiner beschreibt sehr anschaulich das Leben seiner großen Familie vor und während des Krieges. Die Familie besaß mehrere Güter, die von verschiedenen Familienmitgliedern bewirtschaftet wurden. Und er beschreibt die Flucht der Familie und der Landarbeiter, für die die Großmutter sich verantwortlich fühlte. Die Großmutter war eine sehr starke Persönlichkeit, die den Treck bis in den Westen zusammenhalten konnte. Selbst die entsetzliche Flucht über das zugefrorene Haff übersteht der Zug fast unbeschadet.
Wie so oft sind es Einzelschicksale, über die man sich schwierigen Themen am besten nähern kann. Ein wichtiges Buch, gut geschrieben, anschaulich und frei von Revanchismus!
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4/5
14.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gut, dass es dieses Buch gibt
'Wir Ostpreußen' - als ich den Titel des Buches las, habe ich mich direkt angesprochen gefühlt. Auch meine Großmutter (Jahrgang 1908) musste ihre Heimat Ostpreußen mit zwei kleinen Kindern, ihren Eltern, Schwiegereltern, Geschwistern... verlassen. Auch sie haben sich ein neues Leben im 'Westen' aufgebaut. Aber 'Ostpreußen' war oft noch ein Thema in unserer Familie. Sei es durch die Sprache, Fotos aber vor allem durch Erzählungen meiner Großmutter, denen ich immer gebannt gelauscht habe und dadurch unweigerlich eine Verbindung zu dem Land meiner Vorfahren aufgebaut habe. Aber meine Großmutter ist schon lang tot und kann nicht mehr berichten.
Deshalb ist dieses Buch von Jochen Buchsteiner so wichtig - nicht nur aus nostalgischen Gründen. Denn neben dem ergreifenden Fluchtbericht seiner Großmutter, beschreibt und ordnet er die geschichtliche und politische Bedeutung des ehemals östlichsten Teils des Deutschen Reiches, auch in den aktuellen Kontext, ein.
Sachlich, unparteiisch und natürlich auch immer die Gräueltaten der Nazis im Blick, beschäftigt sich Buchsteiner auch mit der Frage warum das Thema 'Flucht und Vertreibung der Deutschen' nicht den Stellenwert hat, der ihm seiner - und auch meiner - Meinung nach zusteht. Die Tragödie des Heimatverlusts von Millionen Deutscher in den Ostgebieten, die vielen Todesopfer, die es im Zuge der Vertreibung gab - all das stand und steht immer im Schatten der Naziverbrechen und der damit verbundenen Scham.
Wie gut, dass es dieses Buch gibt, dass nüchtern und umfassend den Mythos, die herrlichen Landschaften, die kulturellen Errungenschaften, die Glanzzeiten, aber auch die dunklen Abgründe und den endgültigen Niedergang Ostpreußens beschreibt und erklärt und dies damit nicht in Vergessenheit geraten lässt!
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