Westdeutsche Provinz in den neunziger Jahren: Fertighäuser auf der einen, traditionelle Höfe auf der anderen Seite des Dorfes. Ein Sportplatz, eine Gastwirtschaft, ein Bäcker, eine Buswendeschleife. Und: ein Versicherungsbüro. Die Ich-Erzählerin in Kathrin Bachs Prosadebüt wird in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Ihre Eltern führen fort, was die Großväter nach dem Krieg in die aufstrebenden Dörfer brachten: den Verkauf von Versicherungen. Mit dem Geschäft zieht bescheidener Wohlstand ein - aber auch eine über allem schwebende Angst. Denn die nächste Katastrophe ist immer nur einen Anruf entfernt.
In Kathrin Bachs "Lebensversicherung" fügen sich Erinnerungen, Bilder und Listen zu einer tragikomischen Familiengeschichte zusammen. Sie erzählt von der so deutschen Sehnsucht nach Sicherheit - und der Erfahrung, dass man sich von Risiken und Gefahren nicht freikaufen kann. Von einem Milieu, in dem Zeit Geld ist und Freiheit sich auf zwei Wochen Urlaub im Jahr beschränkt. Und von einer Protagonistin, die sich ihren Ängsten stellt, um sich schreibend ihrer Lebendigkeit zu
versichern.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Hornita
aus Augsburg
4/5
10.09.2025
eBook (ePUB 3)
Ungewöhnlicher Schreibstil,…
Ungewöhnlicher Schreibstil, aber interessant; Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, da das Buch aus vielen kurzen Kapiteln besteht, teilweise aus Listen, Übersichten, Erklärungen, Definitionen verschiedener Versicherungsarten, Mini Dialogen, etc. Ich konnte mich sehr schnell damit anfreunden, denn dadurch wurde es übersichtlich und sehr klar strukturiert. Nach und nach wird eine Familiengeschichte erzählt, teilweise originell und auch mal skurril bis abstrus. Private Ereignisse werden zu Versicherungsfällen und die verschiedensten Versicherungsarten werden dabei erklärt. Auch wird das Leben des Umfelds durch deren Versicherungsfälle transparent, das war gut abgeleitet. Inhaltlich fand ich die Geschichte ganz interessant, mir hat auch gut gefallen, dass keine Dinge offen geblieben sind. Netto bleibt allerdings nicht viel Text, da es viele Seitenumbrüche gibt. So habe ich für das ganze Buch keine zwei Stunden gebraucht. Alles in allem fand ich die Lektüre interessant und den Schreibstil auch gelungen, aber es ist doch eher eine leichte Lektüre und für mich nicht preisverdächtig.
Hornita
aus Augsburg
4/5
10.09.2025
eBook (ePUB 3)
Ungewöhnlicher Schreibstil, aber interessant
Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, da das Buch aus vielen kurzen Kapiteln besteht, teilweise aus Listen, Übersichten, Erklärungen, Definitionen verschiedener Versicherungsarten, Mini Dialogen, etc. Ich konnte mich sehr schnell damit anfreunden, denn dadurch wurde es übersichtlich und sehr klar strukturiert. Nach und nach wird eine Familiengeschichte erzählt, teilweise originell und auch mal skurril bis abstrus. Private Ereignisse werden zu Versicherungsfällen und die verschiedensten Versicherungsarten werden dabei erklärt. Auch wird das Leben des Umfelds durch deren Versicherungsfälle transparent, das war gut abgeleitet. Inhaltlich fand ich die Geschichte ganz interessant, mir hat auch gut gefallen, dass keine Dinge offen geblieben sind. Netto bleibt allerdings nicht viel Text, da es viele Seitenumbrüche gibt. So habe ich für das ganze Buch keine zwei Stunden gebraucht. Alles in allem fand ich die Lektüre interessant und den Schreibstil auch gelungen, aber es ist doch eher eine leichte Lektüre und für mich nicht preisverdächtig.
Bories vom Berg
aus München
1/5
20.01.2026
eBook (ePUB 3)
Stilistischer Fehlgriff par…
Stilistischer Fehlgriff par excellence Der erste Roman von Kathrin Bach mit dem Titel «Lebensversicherung» wurde für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert, ein schöner Erfolg für dieses Prosadebüt einer Lyrikerin. Schon der Titel weist darauf hin, dass es hier um Angst geht, die Angst vor dem Tod und insbesondere um dessen Folgen, denn die lassen sich bekanntlich ja zumindest finanziell abfedern, mit einer entsprechenden Versicherungspolice nämlich. Ein typisch deutsches Thema, das sogar im englischen Sprachraum mit dem Begriff «German Angst» seinen ironischen Niederschlag gefunden hat. Es handelt sich um die Coming-of-Age-Geschichte einer Schriftstellerin (sic), die im Milieu einer seit zwei Generationen in der Assekuranz tätigen Familie aufwächst. Die Besonderheit dabei ist die stilistische Umsetzung des chronologisch Erzählten in Form von kurzen Skizzen, Erläuterungen, Listen, Aufstellungen, Bildern und Erzählschnipseln, - ein Plot ist nicht mal ansatzweise erkennbar. Die Kritik in den Feuilletons und Leser-Kommentaren an diesem narrativen Flickenteppich war zwiespältig, es wurde sogar die Frage aufgeworfen, ob es sich hierbei denn überhaupt um einen Roman handele! In einem Dorf in der westdeutschen Provinz wird in den neunziger Jahren die Ich-Erzählerin und Protagonistin in eine große Familie hineingeboren, ihr eigener Vater, ein Onkel und die beiden Großväter sind freiberuflich als Versicherungs-Vertreter tätig, die Agenturen wurden nach dem Krieg von den Großvätern aufgebaut. Das Büro des Vaters befindet sich in einem Neubau am Rande des Dorfes, auch die Mutter arbeitet da kräftig mit, die Geschäfte gehen jedenfalls gut, Wirtschaftswunder eben! Man lebt bescheiden, schuftet nach dem Motto ‹Zeit ist Geld›, schon zwei Wochen Urlaub im Jahr sind purer Luxus in jenen Zeiten. Die Tochter bekommt schon von Jugend an bei den Gesprächen am Esstisch alle Aspekte dieser Branche hautnah serviert, hört von den Schadensfällen und Krankheiten, und auch der Tod ist ständiger Gast bei Tische. So bekommt sie schon als Kind jedes Mal einen Schreck, wenn das Telefon klingelt, es könnte ja wieder ein Unfall oder eine Katastrophe sein, die da gemeldet wird, - der Schrecken gehört zur Normalität in ihrem Elternhause! Mit dem Älterwerden sucht sich die Ich-Erzählerin schreibend aus diesem Trauma zu befreien. Sie betreibt auf diese Weise eine literarische Erinnerungskultur, mit der sie gegen ihre eigenen Angststörungen ankämpft, immer auf der Suche nach einem Ausweg aus einem permanenten Teufelskreis, in dem das Schlimmste zur Normalität herabgewürdigt wird. Die spezielle Erzählperspektive dieser narrativen Collage vereint als Gesellschaftsstudie die kollektive Sehnsucht nach Sicherheit in allen ihren Prägungen und widmet sich dabei psychoanalytisch besonders den vielfältigen Traumata, die nach Befreiung streben. Der Erzählton ändert sich, als die Ich-Erzählerin mit dem Mut zum Ausbruch nach Berlin geht, um zu studieren. Aus der Entfernung gelingt es ihr denn auch, allmählich ihre Panik zu überwinden. Sie widmet sich am Ende ausführlich dem Tod der Großeltern als ganz natürlichen Ereignissen, die ohne jeden Anflug von Panik als naturgegeben akzeptiert werden. Als Analyse eines Sicherheitswahns, der davon träumt, sich von allen Widrigkeiten des Lebens freikaufen zu können, ist dieser Roman mit der Assekuranz zweifellos in ein stimmiges Setting eingebettet. Hervorzuheben ist auch, dass die Autorin es konsequent vermieden hat, in Pathos abzugleiten. Weniger gelungen ist aber die narrative Umsetzung dieses Stoffes. Insbesondere bei den vielen Erzählschnipseln über die beiden Großeltern-Paare im Umgang mit der Enkelin gerät die Spöttelei oft ins Slapstickartige. Größtes Manko aber ist, dass hier eigentlich nichts wirklich Erzählenswertes zu finden ist, und von Spannung kann schon gar keine Rede sein. Letztendlich erweist sich zudem das eigenwillige, notizbuchartige Textkonstrukt voller Schrulligkeiten und Absurditäten als stilistischer Fehlgriff par excellence, der alles kaputtmacht!
Jadi
aus Montabaur
5/5
29.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Humorvoll, poetisch und mitreißend!
. Hast du Lust auf eine Lebensgeschichte mal anders erzählt?
Dann solltest du „Lebensversicherung“ unbedingt lesen!
Eine Familiengeschichte in Form eines Fragebogens.
Originell und humorvoll bearbeitet Bach das ewige Bestreben nach Sicherheit und die Auswirkungen von permanenter Angst.
. Aber worum geht es genau…
Westdeutsche Provinz in den neunziger Jahren!
Ein typisch deutsches Dorf in das unsere Ich- Erzählerin in eine Versicherungsvertreterfamilie in zweiter Generation hineingeboren wird.
So ist das Leben der Erzählerin von Wohlstand, aber auch ständiger Angst vor der nächsten Unglück geprägt.
. In „Lebensversicherung“ begleiten wir die Ich- Erzählerin durch die Geschichte, wobei diese nicht in einem klassischen Text geschrieben ist, sondern in einer Art Fragebogen passend zu den verschiedenen Versicherungen, die man abschließen sollte um vermeintliche Sicherheit im Leben zu haben. Ebenso erzählt „Lebensversicherung“ von der ständigen Angst, die über Generationen weitergegeben wird. Vor allem, wenn man wie unsere Protagonistin in der zweiten Generation einer Familie aufwächst in der wirklich jeder Versicherungen verkauft.
So erhalten wir als Leser einen Einblick, wie es ist mit ständiger Angst vor dem großen Notfall zu leben und wie es ist, wenn er dann wirklich eintritt.
Humorvoll, poetisch und mitreißend nimmt uns Bach mit in eine kleine idyllische Dorfgemeinschaft und schafft trotz allem ein Buch, das für die Lust am Leben spricht. So erscheint es mir zumindest. Lasst euch nicht von den Ängsten euren Liebsten leiten…. lasst euch nicht nur von euren Ängsten leiten….
Genießt das Leben! Das Drama kommt so oder so… man kann sich nicht vor allem schützen! Leben bedeutet,das immer ein kleines Restrisiko mitschwingt!
Dieses Buch hat zwar nicht den Buchpreis gewonnen…
nichtsdestotrotz ist es grandios und sehr lesenswert!
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
08.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Keine Sicherheit
Ein tolles Buch über eine junge Frau, die in der westdeutschen Provinz als Versicherungsmaklerin arbeitet. Besonders gefallen hat mir die Aufteilung der Kapitel nach einzelnen Versicherungsarten, die erst beschrieben und dann anhand einer konkreten Geschichte erzählt werden. Eine gute Lektüre mit Tiefgang. Sehr empfehlenswert.
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4/5
16.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Versicherung für alles
Die Eltern verkaufen Versicherungen, quasi das ganze Dorf ist bei ihnen versichert. Die Tochter wächst im Wissen über alles Schlimme auf, was ihren Mitmenschen passiert und entwickelt eine furchtbare Angst. In ihrer Welt ist Zeit Geld, und mit Geld kann man sich Freiheit erkaufen - in Form eines zweiwöchigen Urlaubs. "Lebensversicherung" ist ein unkonventioneller Roman, vor jedem Kapitel wird eine bestimmte Art der Versicherung definiert und die sehr kurzen Kapitel sind teilweise mehr Listicle als erzählender Fließtext. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Form hatte ich wahnsinnig viel Spaß am Lesen der Erzählung, obwohl der Roman ein sehr ernstes Thema behandelt.
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