Tirol, 1954: Der zehnjährige Hans wird ohne das Wissen der Eltern von der Schule abgeholt und aufgrund "sittlicher Verwahrlosung" in eine Erziehungsanstalt gebracht. Gewalttätige Altnazis haben hier das Sagen, Hans wird schikaniert und verliert zunehmend die Hoffnung. Seine Eltern können ihn trotz ihrer Bemühungen vorerst nicht zurückholen. Nur der Gärtner der Anstalt ermutigt Hans, zuversichtlich zu bleiben ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
19.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kann man die Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt bewahren?
Das Cover des Buches spiegelt für mich viele Emotionen wieder. Hoffnung, Verzweiflung und Einsamkeit. Der Titel ist gut gewählt und der Klappentext hat mich neugierig auf das Buch gemacht.
Hans ist 10 Jahre alt, als er von der Schule plötzlich abgeholt wird und ohne das Wissen der Eltern, in eine Erziehungsanstalt gebracht wird. Es ist das Jahr 1954, die Geschichte spielt in Tirol. Die Altnazis führen die Anstalt, diese ist geprägt von Gewalt und Schikanen. Hans wird immer verzweifelter und verliert die Hoffnung, doch der Gärtner der Anstalt versucht ihm Mut und Hoffnung zu spenden.
Besonders der Anfang des Buches hat mich tief berührt. Die Autorin hat es geschafft die Empfindungen in Wörter zu packen. Die Szenen wurden detailliert beschrieben und ich konnte mit Hans mitfühlen. Es waren schwierige Stellen in dem Buch. Die Handlung war fesselnd und der Schreibstil hat mir gut gefallen. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter.
Bewertung
aus Schönebeck
5/5
13.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was man nicht sieht, ist doch da
Diese Geschichte führt mitten hinein in ein dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte: Tirol im Jahr 1954. Der zehnjährige Hans wird ohne das Wissen seiner Eltern aus dem Unterricht geholt und in eine Erziehungsanstalt gebracht – offiziell wegen „sittlicher Verwahrlosung“, tatsächlich aber als Opfer eines Systems, das Gewalt, Demütigung und Machtmissbrauch hinter frommen Fassaden verbirgt.
Schon die kurze Inhaltsangabe deutet an, dass der Roman kein leichtes, aber ein notwendiges Buch ist. Die Brutalität der Institution, in der ehemalige Nationalsozialisten weiter über Kinder herrschen, legt schonungslos offen, wie langsam der moralische Wiederaufbau nach dem Krieg wirklich war. Hans wird zum Sinnbild einer Generation, die für die Fehler der Erwachsenen büßen musste.
Besonders berührend ist der Hoffnungsschimmer, den der Gärtner der Anstalt verkörpert – eine Figur, die an das Gute im Menschen glauben lässt, selbst im Angesicht tiefster Dunkelheit. Zwischen den Zeilen schwingt eine stille, aber kraftvolle Botschaft: dass Menschlichkeit und Mitgefühl auch dort überleben können, wo sie am meisten bedroht sind.
Der Roman verspricht nicht nur eine bewegende individuelle Geschichte, sondern auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung.
Fazit:
Ein ergreifendes, historisch bedeutsames Buch über Schuld, Ohnmacht und Hoffnung. Es erinnert daran, dass die Nachkriegszeit nicht nur vom Wiederaufbau, sondern auch von verdrängtem Leid geprägt war. Wer Geschichten sucht, die unter die Haut gehen und zugleich mahnen, wird hier fündig.
Bewertung
5/5
13.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wo ist Hans
Dies ist die Geschichte eines 10 jährigen Jungen Namens Hans. Hans Familie gehört zur Minderheitsgruppe der Ladiner, diese Menschen sind während der Nazizeit aus Südtirol nach Österreich geflohen sind. Eines Tages wird Hans von Gendarmen aus der Schule geholt und mit einer fadenscheinigen Begründung in ein Heim für schwererziehbare Kinder gebracht. Warum werden die Eltern erst spät davon in Kenntnis gesetzt? Warum holen die Eltern ihn nicht ab? Diese versuchen ihr möglichstes rennen aber immer wieder gegen die dicken Mauern der Bürokratie.
Hans erlebt Brutalität, Härte, Strenge und verzweifelt immer mehr. Es gibt einen Lichtschein in seinem Leben, der Gärtner unterstützt Hans nicht an den Umständen zu verzweifeln. Diess Buch ist sehr autentisch geschrieben und an manchen Stellen bringt uns die Geschichte zum Weinen. ICh habe das Buch manchmal aus der Hand gelegt um nicht zu weinen, doch ich wollte die Geschichte unbedingt weiterlesen. Das Buch zeigt auf, das auch nach Ende des weltkrieges noch sehr viel Unrecht geschehen ist!
meerblick
5/5
09.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einsame Kinderseelen
Margit Weiß setzt sich in ihrem Roman ‘Was man nicht sieht, ist doch da‘ mit den erschütternden Ereignissen in einem Kindererziehungsheim von 1954 in Tirol auseinander. Der Zweite Weltkrieg ist seit fast einem Jahrzehnt beendet. In den Köpfen der Lehrer und Erzieher ist das Gedankengut der Nazis noch fest verankert und beherrscht durch unmenschliche Handlungen den Alltag der kleinen weggesperrten Jungen.
Der zehnjährige Hans ist einer der Opfer rassistischer Denunzierungen der Ladiner, einer Südtiroler Volksgruppe, die im Tirol mit Ausgrenzungen und Rechtlosigkeit zu kämpfen hatten. Aus dem Unterricht am Tag der Hochzeit seiner älteren Schwester wurde er unter einem fadenscheinigen Grund verschleppt. Die Familie erfährt nur zufällig davon und versucht natürlich, ihren Sohn nach Hause zurück zu holen. Doch das gestaltet sich zu einem aussichtslosen Unterfangen. Hans muss aushalten und seine kleine, zarte Kinderseele wird über Jahre auf eine harte Probe gestellt durch körperliche Gewalt und psychische Erniedrigungen. Er selbst versucht sich seinem Schicksal zu entziehen, indem er sich als Person nur noch von außen betrachtet.
Die Autorin schreibt in einem sehr nüchternen Schreibstil, der aus meiner Sicht passend zur Gesamtsituation der Geschichte gewählt ist. Die Perspektivwechsels zu verschiedenen Protagonisten ergeben ein umfassendes sehr differenziertes Gesamtbild und verdeutlichen die Grausamkeit der Kindesmisshandlungen, die Ängste der Familie und nicht zuletzt auch die Gedankenstruktur der misshandelten Kindesseelen.
Um nicht zu vergessen setzt die Autorin all jenen ein Denkmal, die durch diese harte Prüfung gehen mussten und einen schweren Weg zurück ein selbst bestimmtes Leben beschreiten mussten.
tinstamp
aus Hürm
5/5
09.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Schicksal der Ladiner
Dieser Roman um den erst zehnjährigen Hans, der 1954 ohne dem Wissen seiner Eltern von Gendarmen von der Schule geholt und in ein Erziehungsheim gesteckt wird, ist von der ersten Seite an erschütternd. Ich habe bei Lovelybooks in die Leseprobe gelesen und war sofort von dieser unglaublichen Geschichte gefesselt. Was Margit Weiss hier auf nur 160 Seiten erzählt, ist erschreckend und unglaublich.
Am Tag der Hochzeit seiner älteren Schwester wird Hans Dakosta einfach abgeholt und gemeinsam mit zwei Gendarmen in den Zug gesetzt. Er ist auf den Weg in ein Erziehungsheim für schwer erziehbare Kinder, weiß allerdings nicht warum. Die Eltern haben keine Ahnung und werden erst später davon in Kenntnis gesetzt. Sie sind Ladiner, eine Minderheit in Südtirol, die während des Zweiten Weltkrieges ins deutschsprachige Tirol nach Österreich geflohen sind. Doch 1954 scheint noch immer das Gedankengut des Nationalsozialismus in vielen Köpfen zu stecken. Bald wird klar, dass vor allem Kinder aus ärmlichen, zugezogenen Familien in Heime gesteckt werden, wo sie Misshandlungen und Gewalt erfahren. Irgendein Grund wird schon gefunden und wenn er noch so unglaubwürdig ist.
Auch Hans ist den kaltherzigen Erziehern ausgeliefert und verliert mit der Zeit die Hoffnung, dass ihn seine Familie abholen kommt. Diese kämpft gegen die Bürokratie, die den Zugezogenen noch immer droht. Ihre Hilflosigkeit gegen die Grausamkeit des Systems tut weh! Auch Hans findet in seiner Situation nur beim Gärtner des Heimes etwas Freundlichkeit und Fürsprache.
Was Margit Weiss auf den nur 160 Seiten eindrucksvoll erzählt, ist grausam und hat - trotz der eigentlich viel zu wenigen Seiten - eine emotionale Tiefe, die oft Geschichten mit 500 Seiten nicht erreichen.
Obwohl der Schreibstil eher nüchtern ist, passt er genau zur Handlung. Die Kapitel sind kurz und prägnant. Erzählt wird aus verschiedenen Sichtweisen. Interessant ist auch, dass die Erwachsenen keinen Namen haben. Als Kapitelüberschrift steht "Der Gärtner", "Der Vater", "Der Erzieher" oder "Die Schwester". Nur Hans, die Kinder im Heim und seine Schwester Kathi werden mit Namen angeführt. Trotzdem kann man zu allen Figuren eine Verbindung aufbauen und ich empfand die Emotionen und Ängste dadurch noch viel stärker. Ebenso erkennt man die immer noch unverarbeiteten Geschehnisse des Krieges im Handeln einzelner Figuren.
Die Lektüre ist alles andere als leicht, aber großartig erzählt. Nur das Ende empfand ich dann wirklich zu kurz abgehandelt und ich fühlte mich ein bisschen allein gelassen. Deshalb ziehe ich auch den halben Stern ab.
Fazit:
Ein aufwühlender Roman, der auf nur 160 Seiten wahnsinnig viel Inhalt und Emotionen versprüht. Die Lektüre ist schwer zu ertragen, aber sehr wichtig und empfehlenswert!
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