2021: Venedig ist von den Wassermassen eines letzten Acqua alta verschlungen worden. Guido Malegatti, einer der Überlebenden, fährt mit dem Boot durch die Ruinen, auf der Suche nach Frau und Tochter. Zwei Jahre zuvor: Angesichts des drohenden Meeresspiegelanstiegs bahnt sich der Konflikt innerhalb der Familie an. Guido als Wirtschaftsrat schwört auf den Tourismus und die Segnungen der Technik. Seine Frau Maria Alba schwelgt in der vergangenen Pracht einer Stadt am Rande des Zusammenbruchs. Und ihre 17-jährige Tochter Léa wird in dem Versuch, die geliebte Stadt zu retten, zur Gegnerin ihres Vaters.
Isabelle Autissier entwirft das so dramatische wie realistische Szenario vom Untergang Venedigs. Mitreißend zeichnet sie der Perspektive dreier Familienmitglieder nach, wie es zur Katastrophe kommt, und stellt uns alle vor die Frage: Wie würde ich mich verhalten?
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Desillusionierende Dystopie...
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 10.05.2024
Hier wird vorweggenommen, wovor viele warnen: Venedig geht unter! Guido, Wirtschaftsrat von Venedig, muss die Kassen der Stadt füllen, seine Tochter Léa stemmt sich vehement gegen Massentourismus.
Realistischer, atmosphärisch packender Roman.
Isabelle Autissier at her best!
Meinung aus der Buchhandlung
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Es war nur eine Frage der Zeit, dass (auch) die Literatur des 21. Jahrhunderts den Untergang Venedigs schreibt. Wie gut, dass es nun Isabelle Autissier ist, die sich mit "Acqua Alta" dieser literarischen Herausforderung stellt!
Überraschender Ausgangspunkt: Wir schreiben das Jahr 2021 – und Venedig wurde soeben von einer Sturmflut ausgelöscht. Das auch im 'echten Leben' höchstumstrittene Sturmflutsperrwerk MO.S.E hat versagt. Nur wenige überleben die Katastrophe. Darunter Guido und seine Tochter Lea, die – so erfährt man nach und nach in Rückblende – ganz unterschiedliche Vorstellungen von der 'Rettung' ihrer Stadt hatten. Keine Dystopie in ferner Zukunft also, sondern ein konkret denkbares gegenwärtiges Szenario. Ja, die Autorin hat sich offenbar akribisch mit dem Ökosystem der Venezianischen Lagune auseinandergesetzt, mit dessen nachhaltiger Zerstörung seit Beginn der Industrialisierung, mit den Versuchen von Generationen, das Überleben Venedigs dennoch zu sichern.
Die große Kunst dieses schmalen Romans aber liegt darin, diese hinlänglich bekannten harten Fakten zu einem Text zu verdichten, der bewegt, beschäftigt und erlebbar macht, was der Untergang einer Stadt eigentlich bedeutet – fernab abstrakter Simulationen. Mit Isabelle Autissier haben wir eine Autorin, die aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, eine Symbiose mit dem Meer einzugehen – schließlich ist sie die erste Frau, die allein im Rahmen einer Regatta 1991 die Welt umsegelte. Und so weiß sie den 'Organismus Venedig', seine Geschichte, Gegenwart und Bewohner empathisch zwischen sämtlichen Zeilen zu lesen und schöpft daraus eine poetische Kraft und zugleich Unmittelbarkeit in der Sprache, die überzeugt.
"Acqua Alta" ist zugleich wütender, zärtlicher, trauernder, ohnmächtiger und doch noch immer hoffender (Ab)Gesang – denn noch steht Venedig ja. Meisterhaft gelingt es der Autorin, die ganze Komplexität des aktuellen Diskurses rund um Biodiversität, Klimawandel, Wirtschaft, Tourismus… aufzufächern, ohne zu moralisieren. Vielmehr spielt sie den Ball an den Leser zurück, sodass man nicht umhinkommt, sich die drängende Frage nach dem eigenen Standpunkt und möglichen Handlungsmaximen zu stellen. Schließlich ist Venedigs Lagune nur eines unter vielen gefährdeten Ökosystemen.
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Der Roman Acqua alta (das italienische Wort für Hochwasser) beginnt mit einem Horrorszenario:
Venedig wurde von einer gigantischen Flutwelle zerstört und ist wie ein Kartehaus zusammengefallen.
Guido Malegatti, Wirtschaftssenator und Bauunternehmer Venedigs ist einer der wenigen Überlebenden der Stadt und einer der dieses Drama mitzuverantworten hat.
Auch ihm war der wirtschaftliche Erfolg der Stadt wichtiger und naiverweise hat er an MOSE geglaubt, einem gigantischen, unterirdischen, heftig umstrittenen Sperrwerk, das tatsächlich in der Lagune von Venedig gebaut wurde und in der Realität auch schon versagt hat.
Ganz nebenbei bemerkt möchte ich auch erwähnen, dass es Wissenschaftler gibt, die im Ernstfall nicht glauben, dass dieses Sperrwerk eine große Sturmflut aufhalten kann.
Doch zurück zum Buch: auch die 17-jährige Tochter Guidos hat diese Katastrophe überlebt.
Sie hatte sich schon zuvor einer Umweltorganisation angeschlossen, die gegen die Stadtregierung kämpfte, gegen den Ausverkauf Venedigs und die den Fakten ins Auge blickte und Lösungsvorschläge bot.
Mit Ihrem Vater hatte sie schon lange abgeschlossen.
Dieser reale Hintergrund des Buches, macht den Roman so lebendig und gespenstisch zugleich.
Auch der Zusammenbruch und der Untergang Venedigs und der gleichzeitige Zusammenbruch der Familie Malegatti ist meiner Meinung nach ein sehr gelungener Kunstgriff.
Ein faszinierendes Buch das mich sehr beschäftigt und berührt hat und das uns daran erinnert, dass dieses Szenario schon bald Realität werden könnte!
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