Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.
"Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt - und gerade deshalb lesen muss." Mareike Fallwickl
"Nach der ersten Seite war ich erschüttert, nach dem ersten Kapitel gefesselt. Ein Roman von unwahrscheinlicher Gravitation, ein seltenes Juwel." Edgar Rai
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Jadi
aus Montabaur
5/5
19.04.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Bewegend, fesselnd und schonungslos!
. Suchst du nach einem Roman, der dich schon mit der ersten Zeile in seinen Bann zieht und dich noch lange nach der letzten nicht mehr freigibt?
Dann solltest du
„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ unbedingt lesen oder hören.
Eine Geschichte, die nicht nur durch ihre Erzählkunst besticht, sondern durch ihre Tiefe lange nachhallt.
. Aber was erwartet dich genau…
Lale wächst in den 80er Jahren bei ihrem Vater in einer Männerkommune auf.
Grenzen oder Regeln gibt es nicht. Ihre Mutter kann sich aufgrund ihrer Drogensucht nicht kümmern.
Lale sehnt sich nach Geborgenheit und Zuverlässigkeit, doch genau das Gegenteil ist der Fall.
. In „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ begleiten wir Lale als Ich-Erzählerin und tauchen tief ein in die Schichten ihres Lebens. Vor allem sind es die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die den Erzählraum prägen und doch öffnen sich immer wieder Fenster in ihr Erwachsenenleben, in denen sichtbar wird, wie unauslöschlich die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt. Schon bald begreifen wir, wie sehr ihre frühen Jahre von Traumata durchzogen sind. Besonders die Kapitel aus kindlicher Perspektive gehen unter die Haut, leise und doch mit umso größerer Wucht.
. In meinem Fall wurde diese Wirkung noch verstärkt! Als Hörbuch entfaltet der Text eine zusätzliche Intensität, nicht zuletzt durch die eindringliche Interpretation von Aileen Wrozyna, die Lale mit einer Stimme versieht, die zugleich verletzlich und standhaft klingt. Ihre Erzählweise erzeugt eine beinahe intime Nähe, als säße man selbst mit Lale am Tisch, eine Tasse Kaffee zwischen den Händen, und lauschte ihren Erinnerungen.
. Lale ist ein vernachlässigtes Kind, das früh lernt, auf sich allein gestellt zu sein, und dennoch unbeirrt nach Licht sucht. Was uns als Leserinnen und Lesern erschreckend klar erscheint, bleibt ihr selbst lange verborgen…die Abgründe ihrer eigenen Kindheit. Und doch wird sie zur stillen Heldin ihres Lebens, die nicht aufgibt, die Strategien des Überlebens entwickelt und sich auf einer rastlosen Suche nach sich selbst immer wieder in fremden Identitäten verliert.
. Die erzählte Wirklichkeit wirkt beklemmend realistisch und ist es wohl auch für viel zu viele Kinder. Wo Fürsorge fehlt, öffnen sich Räume, in denen alles ins Wanken gerät. Diese Dynamik beschreibt Tollkien eindringlich, emotional und ohne Beschönigung. Sie legt schonungslos offen, was geschieht, wenn ein von patriarchalen Strukturen geprägtes System versagt, wenn weggesehen wird bei Sucht, Missbrauch und Vernachlässigung.
. Lales Vergangenheit durchzieht ihre Gegenwart wie ein unsichtbares Gewebe und wird unweigerlich auch ihre Zukunft formen. Tollkien zwingt uns, hinzusehen, auszuhalten, nicht wegzublicken. Es ist eine unangenehme, aber notwendige Erfahrung.
. Gerade darin liegt die Stärke dieses Romans! Er ist ein schonungsloses Zeugnis einer zerstörten Kindheit und Jugend, ein Leben im Ausnahmezustand, das zugleich verstörend, beklemmend und von einer stillen, poetischen Kraft durchzogen ist.
. Eine eindringliche Lese- und mehr noch – Hörempfehlung.
Wortschätzchen
aus Kreis HD
5/5
01.04.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Freiheit kann auch ein Gefängnis sein
Lales Start ins Leben ist schon unglücklich, denn da ihre Mutter drogenabhängig ist, hat sie direkt nach der Geburt einen Entzug. Sie landet im Heim, bei Pflegeeltern, in einer WG, Drogen sind immer ein Teil ihres Umfelds. Sie weiß, dass andere Kinder ein völlig anderes Leben führen und versucht, einfach nur zu überleben. Dabei geht sie durch jede Menge schlimme Zeiten und Phasen.
Es gibt hier massig Themen, die triggern. Ist es tatsächlich autobiografisch? Ich weiß es nicht. Das spielt für mich aber auch keine wirkliche Rolle. Die Erzählkunst ist gigantisch, die Direktheit beängstigend, die Ehrlichkeit erschreckend. Und genau das bewirkt, dass man mit Lale durch die Jahre geht und an ihrer Seite sein möchte, ihr helfen möchte, ihr alles Gute wünscht, Glück, Liebe, ein echtes Zuhause.
Der Erzählstil ist etwas gewöhnungsbedürftig durch die durchgehende Gegenwartsform. Alles passiert jetzt. Lale, die in den 1980ern aufwächst, blickt nur sporadisch zurück, gar nicht nach vorne, lebt im Augenblick, erzählt fast emotionslos. Und das, obwohl so viele Gefühle in ihr stecken. Es ist jedoch ein gutes Bild dafür, wie wenige von ihren Gefühlen erwidert werden, wie viele ihrer Gefühle aber immer wieder verletzt werden. So unbequem das Stilmittel ist, so gut funktioniert es auch.
Die Story ist schwer, oft belastend, aber erstaunlicher Weise unfassbar bereichernd. Wohl fühlt man sich nicht beim Hören, obwohl Aileen Wrozyna eine echt tolle Sprechstimme hat und sie auch gekonnt einsetzt. Trotzdem hab ich keine Minute bereut. Sterne abziehen wäre unfair, denn gerade diese schweren Geschichten haben viel zu sagen und passen ins wahre Leben. Ob nun autobiographisch angehaucht oder nicht, ich gebe fünf Sterne.
Bewertung
5/5
27.06.2026
eBook (ePUB 3)
Tolles Buch
Ich war sehr fasziniert von der Geschichte und der spannenden Schreibweise. Kann das Buch auf jeden Fall empfehlen :) Wir haben es auch im Literaturkreis besprochen und es kam mehrheitlich gut an & gab viel Gesprächsbedarf.
Lesemadi
5/5
23.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unbedingt lesen!!
Mit beiden Händen den Himmel stützen ist für mich bisher das beste Buch, das ich 2026 gelesen habe und das, obwohl es noch gar nicht erschienen ist. Der Schreibstil ist kaum zu beschreiben: gewaltig, eindringlich, roh und gleichzeitig unglaublich poetisch. Wirklich niemand schreibt so wie Lilli Tolkien. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, wie ein Mensch solche Worte finden kann. Jede Seite hat eine Wucht, die einen nicht loslässt. Die Themen sind hart und alles andere als leichte Kost. Um nichts zu Spoilern gehe ich darauf nicht weiter ein. Aber was der Protagonistin Lale widerfährt, ist erschütternd und doch wird nichts sensationsheischend erzählt, sondern literarisch stark und schonungslos ehrlich. Ein sprachlich außergewöhnlicher, mutiger Roman, der mich tief beeindruckt hat. Keine leichte Lektüre ,aber definitiv eine, die man so schnell nicht vergisst.
Eva
5/5
11.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aus Scherben die Zukunft bauen
Lale ist das Kind einer drogenabhängigen Mutter und eines unzurechnungsfähigen Vaters. Das Jugendamt übergibt sie in die Obhut eines Freundes ihres Vaters, der in einer Männer-Kommune lebt und so wie seine Mitbewohner an sich selbst spektakulär scheitert.
Lale fehlen Grenzen, Geborgenheit, Vorbilder, Sicherheit, Schutz. Die Erwachsenen definieren sich als Teil des linken Widerstands gegen das Establishment, Lale schwebt im antiautoritären Raum. Sie ist sexuellen Übergriffen ausgeliefert, weiß früh, welche Drogen wie konsumiert werden, ist unfähig, die Erfahrungen zu reflektieren oder einzuordnen.
In der Schule findet das intelligente Mädchen Halt. Sie beginnt zu schreiben, begreift den Ausdruck als Notwendigkeit.
Literarisch stark schafft die Autorin für ihre Ich-Erzählerin die Zukunft als Resonanzraum. Die erzählte Gegenwart ist nahezu unerträglich, doch der zukunftsgerichtete Blick zeigt eine starke Frau, die Traumata auflöst, sich ihren Verletzungen stellt und die Scham Stück für Stück demontiert.
Mit beiden Händen den Himmel stützen ist ein außergewöhnliches Debüt. Die Erzählstimme verweist ihr Publikum auf eine beobachtende Position, wertet nicht, schildert sachlich. Trotzdem ist der Text eine emotionale Herausforderung. Ich musste pausieren, neu ansetzen, mich neu in Position bringen. Kraftvoll und bildgewaltig beschwört die Autorin Szenen des Verwahrlosung, der Haltlosigkeit und des Missbrauchs herauf, zeichnet mutig und intensiv die gesellschaftliche Brisanz einer einzelnen Kindheit.
Warum habt ihr mich nicht beschützt, fragt Lale als Erwachsene. Es waren die 1980er, das war eben so, ist die Antwort. Vor diesem Hintergrund wird aus dem beklemmenden Bericht ein Roman über Macht, Missbrauch, Vernachlässigung und das Wegsehen der Gesellschaft. Was für ein monumentales Werk!
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5/5
04.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kindheit im Ausnahmezustand
Eine Kindheit in den 80ern in einer Berliner Männerkommune. Drogen, Zigarettenrauch und schnell wechselnde Frauenbekanntschaften sind die passiven Mitbewohnenden der kleinen Lale. Sie lernt sie, was richtig ist und was falsch ist. Dass es falsch ist, wenn die Kumpels ihres Vaters sie anfassen. Dass es richtig wäre, wenn sie ein Vesper für die Schule hätte und nicht von ihrem Vater, der entweder noch high oder wieder high auf dem Sofa liegt, ein paar Mark für ein süßes Teilchen zugesteckt bekommt. Sie lernt nie Grenzen kennen und kann dadurch auch keine eigenen setzen.
Lilli Tollkien erzählt leichtfüßig über eine sehr schwere Kindheit. Lesende werden durch die Handlung durchgetragen, obwohl so viel Trauma auf den Schultern der Protagonistin lastet. Eine Protagonistin, die nicht mit beiden Beinen im Leben stehen kann, weswegen sie versucht, mit beiden Händen den Himmel zu stützen.
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