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Die englische Scheidung

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Sehr gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

23.05.2024

Verlag

Schöffling

Seitenzahl

400

Maße (L/B/H)

21/13,5/3 cm

Gewicht

484 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Together and apart

Übersetzt von

Petra Post + weitere

Sprache

Deutsch

EAN

2710004177384

Beschreibung

Rezension

»Margaret Kennedy schafft einen skurrilen Mikrokosmos aus Menschen, die ihre Marotten pflegen und die alle etwas zu verbergen haben. Scharfsinnig und witzig!«
Peter Twiehaus / ZDF

»Die menschlichen Abgründe, die Kennedy seziert, sind von ewiger Aktualität.«
Cathrin Wißmann / STERN 

»Zum Teil wirklich witzig, aber sehr liebevoll und auch bösartig. Also vielleicht so, wenn Agatha Christie und Jane Austen sich mal die Hand gereicht hätten.«
Lydia Petzel / HR2 Kultur 

»Margaret Kennedy ist nicht nur eine Romantikerin, sie ist auch eine Anarchistin. Und vor allem weiß sie sehr genau, wie Männer und Frauen ticken.«
Anita Brookner

„[Margaret Kennedy] kann Situation sehr gut orten und die Figuren darin uns gegenwärtig erscheinen lassen.“

Manuela Reichart / rbb

„[…] süffisant und manchmal leicht boshaft, lebensnah und klug – und ganz und gar modern. Auch mit ihren stilleren Weisheiten.“

Jutta Duhm-Heitzmann / WDR

» ›Die englische Scheidung‹ ist eine köstliche, schwarzhumorige britische Gesellschaftssatire.«

Frankfurter Wochenblatt

Produktdetails

Zustand

Sehr gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

23.05.2024

Verlag

Schöffling

Seitenzahl

400

Maße (L/B/H)

21/13,5/3 cm

Gewicht

484 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Together and apart

Übersetzt von

  • Petra Post
  • Andrea Struve

Sprache

Deutsch

EAN

2710004177384

Herstelleradresse

Schoeffling + Co.
Kaiserstr. 79
60329 Frankfurt
DE

Email: info@schoeffling.de

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  • Bewertung

    aus Baden-Baden

    5/5

    10.07.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Perfektes Lesevergnügen

    Erfreulicherweise machen es sich immer mehr Verlage zur Aufgabe, unbekannte oder zu Unrecht vergessene Schätze zu heben. So auch der Schöffling- Verlag, der nach „ Das Fest“ nun einen weiteren Roman der englischen Schriftstellerin Margaret Kennedy veröffentlicht hat. Zur Freude des Lesers. Die 1896 in London geborene und 1967 verstorbene Autorin war zu ihrer Zeit äußerst erfolgreich mit zahlreichen Romanen, Theaterstücken und Drehbüchern. Alec und Betsy sind ein gut situiertes Ehepaar im England Mitte der 1930er Jahre. Sie haben drei Kinder und Alec, ein ehemaliger Beamter, nun erfolgreicher Autor von Libretti, hat es zu Ruhm und Geld gebracht. Eigentlich könnte alles bestens sein. Doch Betsy fühlt sich nach siebzehn Ehejahren gelangweilt und unzufrieden. Sie möchte die Scheidung. Alec dagegen wünscht keine Veränderung und kurz scheint es so, als könne er seine Frau nochmals umstimmen. Aber zu spät! Die Schwiegermütter, von Betsy über ihr Vorhaben informiert, eilen herbei, um die Katastrophale aufzuhalten. Deren Einmischung bewirkt allerdings das Gegenteil. Plötzlich scheinen die Fronten klar und es entwickelt sich ein Rosenkrieg, den ursprünglich keiner wollte. Margaret Kennedy beginnt ihren Roman wie eine typisch englische Komödie, mit Sommerfrische am See, mit Dienstboten und Kindermädchen usw. Vor allem die beiden Schwiegermütter mit ihren Macken und Allüren werden vortrefflich gezeichnet. Doch dann wird aus der Komödie eine Tragödie. Alec stürzt sich aus gekränkter Eitelkeit in eine Affäre mit dem Kindermädchen, das unglückseligerweise sofort schwanger wird. Betsy weiß garnicht mehr, was sie sich eigentlich von einer Trennung versprochen hat. Auch der Freundes- und Bekanntenkreis äußert seine Meinung ( „ Du kannst keine Frau in Betsys Alter verlassen. Das ist nicht gerade ermutigend für uns, die wir die Zähne zusammenbeißen und bei der Stange bleiben.“) und ergreift Partei für die eine oder andere Seite. Aber vor allem die Kinder leiden unter der neuen Situation. Langsam beginnen sie zu begreifen, dass damit das vertraute Familiengefüge zusammenbricht. „ Ihre gemeinsame behütete Kindheit war vorbei.“ An ihnen zeigt die Autorin exemplarisch, wie unterschiedlich Kinder auf eine Scheidung reagieren können. Das alles gestaltet Margaret Kennedy souverän, mit sehr viel Witz und auch mit Seitenhieben auf diese englische Gesellschaft. Dabei stellt sie keinen Protagonisten bloß, sondern begegnet allen mit sehr viel Verständnis für ihre Schwächen und Eigenheiten. Die Autorin versteht ihr Metier. Sie verwendet gekonnt verschiedene Textsorten, baut eine leise Spannung auf und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Ihre Erfahrung als Schreiberin von Theaterstücken und Drehbüchern zeigt sich in pointierten Dialogen und prägnanten Szenen. Der auktoriale Erzählstil wird heute nur noch selten verwendet, doch hier passt er bestens. Damit erlaubt uns die Autorin einen Blick in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Charaktere. Dadurch ist der Leser oft schlauer als die Akteure, was für zusätzliche Komik sorgt. Der englische Titel „ Together and apart“ ist weitaus passender als „ Die englische Scheidung“. Denn das Leben geht für alle Beteiligten auch nach der Scheidung weiter, möglicherweise nicht ganz so, wie anfangs gedacht und geplant, doch mit Bedingungen, mit denen man sich arrangieren kann. Es ist nicht nur das Paar, das sich trennt. Es gibt auch andere Konstellationen, die sich voneinander entfernen und wieder annähern, so z.B. die Freunde des Paares, die Beziehungen der Kinder untereinander, die Beziehung zwischen Eltern und Kinder, das Verhältnis Schwiegertochter und Schwiegermutter. Alle durchlaufen einen Prozess der Veränderung. Alle wachsen an den Herausforderungen, nicht sofort, aber mit der Zeit. Dass dabei die einzelnen Figuren unterschiedlich gestärkt hervorgehen, ist nur realistisch. Von einer Scheidung sind immer mehr als zwei Menschen betroffen und das fängt die Autorin sehr gut ein. Neben dieser klugen Betrachtung über Ehe, Familie und Trennung finden sich zahlreiche allgemein gültige Lebensweisheiten, wie z.B. folgende Sentenz: „ Menschen wurden nicht über Nacht netter. Oft steckte eine bittere Erfahrung dahinter. Es war mühsam und kostete viel Kraft, sich zu verändern. Trotzdem war es besser, sich auf schmerzenden Füßen auf einen Berg hinaufzuquälen, als ein Leben lang im Morast aus Apathie und Selbstmitleid festzustecken.“ Der Roman bietet kein Happy-End ( das hätte auch nicht gepasst ), aber ein Ende, das den Leser zufrieden zurücklässt. Für mich war „ Die englische Scheidung“ ein perfektes Lesevergnügen, klug und unterhaltsam. Und es ist zu wünschen, dass der Schöffling- Verlag noch weitere Romane der Autorin folgen lässt.

  • SimoneF

    5/5

    30.05.2024

    eBook (ePUB)

    wenn alle mehr übereinander als miteinander reden....

    Alec und Betsy gehören in den 1930er Jahren der gehobenen englischen Mittelschicht an. Sie sind seit 17 Jahren verheiratet und der Ehealltag fordert seinen Tribut. Alec hat eine Affäre, Betsy ist unglücklich, hadert mit ihrem Leben und möchte sich scheiden lassen. Alles sieht nach einer einvernehmlichen Trennung aus, bis Mutter und Schwiegermutter sich einmischen, um die Ehe zu retten. Nun entwickelt sich eine Dynamik, die sich nicht mehr aufhalten lässt und ungeahnte Folgen hat… Mit „Die englische Scheidung“ erscheint der Roman „Together and apart“ von Margaret Kennedy aus dem Jahr 1936 in deutscher Übersetzung. Er zeichnet ein interessantes und detailliertes Bild der gehobenen englischen Gesellschaft der damaligen Zeit. Die einzelnen Charaktere, allen voran Alec und Betsy, werden lebendig und ambivalent beschrieben, mit all ihren Eigenheiten, Stärken und Fehlern. Margaret Kennedys Gespür für Menschen und die Komplexität von Beziehungen hat mir besonders gut gefallen. Sie verzichtet auf klare Schuldzuweisungen an Alec oder Betsy, vielmehr spielen viele verschiedene Parameter eine Rolle, dass Beziehungen scheitern oder sich in eine bestimmte Richtung entwickeln. Mit spitzer Feder zeigt sie auf, welche Entwicklung die Einmischungen von außen in Gang setzen. Verwandte, Freunde, Bekannte und Angestellte tragen dazu bei, dass eine Lawine ins Rollen kommt, die Alec, Betsy und ihre Kinder förmlich mitreißt. Jeder kennt nur einen Teil der Wahrheit, schmückt den Rest aus, oft begleitet von einem wohligen Schauer der Sensationslust, und indem vor allem übereinander und nicht miteinander geredet wird, wird die Lage immer verfahrener. Auch wenn sich in beinahe einhundert Jahren gesellschaftlich und im Rollenverständnis der Geschlechter glücklicherweise einiges geändert hat, ist es doch sehr faszinierend, wie vieles bis heute erstaunlich aktuell ist. Betsy und Alec befinden sich beide in einer Midlife-Crisis, haben sich auseinandergelebt, und insbesondere Betsy verzweifelt an der Diskrepanz zwischen ihren Lebensträumen als junge Frau und dem Status Quo. Auch Alecs Suche nach seiner Rolle als Mann und Vater und die Unfähigkeit der beiden Ehepartner, miteinander zu kommunizieren, sich selbst kritisch zu reflektieren und einen Konsens zu erreichen, ist heute oftmals nicht anders. Und die Kinder sitzen zwischen den Stühlen oder werden zum Spielball im Kampf um die eigenen Interessen. Ich habe den Roman binnen kürzester Zeit verschlungen und war schon fast traurig, als er zu Ende war. Zu gerne hätte ich nochmal 200 Seiten weitergelesen, um zu erfahren, wie es mit allen weitergeht.

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    4/5

    18.07.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zwischen Komödie und Drama...

    »Alec und ich gehen getrennte Wege. Wir lassen uns scheiden.« Nicht dass zwischen den Müttern von Betsy und Alec Canning je ein gutes Wort gefallen wäre, doch als Betsys Brief eintrifft, sind sie sich sofort einig: Die Scheidung muss um jeden Preis verhindert werden! Weder Betsys Geständnis, in der Ehe unglücklich zu sein, noch Alecs Seitensprünge ändern daran auch nur das Geringste. Ist das letzte Wort möglicherweise noch nicht gesprochen? Alec hofft, seine Frau umzustimmen, wenn er an sich arbeitet, und vielleicht bedenkt Betsy ja die Folgen einer Trennung für ihre drei Kinder. Doch die Mütter und all die anderen, die auf einmal unbedingt mitreden wollen – Hausangestellte, Nachbarn, Freunde –, machen das letzte bisschen Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen den Eheleuten zunichte. Betsy und Alec sind den Rosenkrieg bald leid, aber da ist so mancher Fehler schon nicht mehr rückgängig zu machen… (Verlagsbeschreibung) In England in den 1930er Jahren des vorherigen Jahrhunderts spielt dieser Roman (erschienen erstmals 1936), und er betrachtet die Geschehnisse innerhalb der Familie Canning. Die Eltern Betsy und Alec haben sich auseinandergelebt, und doch ist Alec überrascht von dem Vorschlag seiner Ehefrau, sich scheiden zu lassen. Diese Absicht tut Betsy auch in einem Brief an ihre Mutter kund, und von da an nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Betsys Mutter, die die Trennung unbedingt verhindern will, nimmt Kontakt zu Alecs Mutter auf, die, von Natur aus dominant und überaus überzeugt von ihrer eigenen Person, gleich zu den Cannings fährt, um in ihrer wenig subtilen Art dafür zu sorgen, dass es nicht zu einer Scheidung kommt. Doch dieses Vorhaben läuft dann letztlich unter dem Motto “verschlimmbessern”, und obschon Betsy zwischenzeitlich ein wenig ins Grübeln kam, ob eine Trennung wirklich der richtige Schritt ist, lässt sich die Scheidung nun gar nicht mehr verhindern. Was in aller Ruhe vonstatten gehen sollte, endet in einem Rosenkrieg, und alles verändert sich. Leidtragende sind dabei auch die drei Kinder, Kenneth, Eliza und Nesthäkchen Daphne. Durch die entstehenden Gerüchte und das allgegenwärtige Gerede von Bekannten und Verwandten über die Eltern sehen sich die Jugendlichen Kenneth und Eliza zudem gezwungen, sich für ein Elternteil zu entscheiden. Dadurch gerät auch das Verhältnis unter den Geschwistern in eine gehörige Schieflage. Während Eliza sich bemüht, in ihrem Umfeld für Ordnung und Struktur zu sorgen und die Zügel in der Hand zu behalten, wendet sich Kenneth von der Familie ab und gerät in schlechte Gesellschaft, aus der er sich nicht mehr zu befreien vermag.  Der Aufbau des Romans gleicht der Methode des szenischen Schreibens (Margaret Kennedy schrieb u.a. auch für das Theater). In den einzelnen Szenen wird jeweils ein bestimmter Ausschnitt der Ereignisse beleuchtet, wobei jede Szene wechselnd aus der Perspektive eines der beteiligten Charaktere geschildert wird und damit jede:r seinen Auftritt hat. In der ersten Hälfte des Romans liegen die Szenen inhaltlich und zeitlich dichter aneinander, was eher wie aus einem Guss wirkt. In der zweiten Hälfte dagegen gibt es größere Zeitsprünge, und auch räumlich sind die Figuren, die zu Beginn alle in einem Haus wohnen, nun getrennt - und alles entwickelt sich auseinander. Im Grunde entspricht das ja auch der Entwicklung im realen Leben, nur dass das “Geschmeidige” im Lesefluss hier etwas fehlt und Brüche entstehen. Der Autorin gelingt es, sowohl die Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit einzufangen (und damit ein glaubhaftes Gesellschaftsportrait der gehobenen Mittelschicht Englands zu liefern) als auch die Gefühlslage der betroffenen Personen zu verdeutlichen und dabei alle Altersguppen gleich treffend zu charakterisieren . Das wirkte auf mich alles sehr authentisch. Meiner Meinung nach zeigt der Roman einmal mehr, dass es sich lohnt, vergangene und womöglich oftmals schon in Vergessenheit geratene Autor:innen wieder ans Tageslicht zu zerren und ihre Bücher neu aufzulegen. Der Sprachstil wirkt keineswegs altmodisch, und auch wenn eine Scheidung damals sicher noch durch die gesellschaftliche Wirkung verstärkt ein einschneidendes Erlebnis war, so stellt dies auch heute noch oftmals eine Krise im Leben der Beteiligten dar. Vieles ist im Kontext der damaligen Zeit zu sehen, die Gefühle und Gedanken der handelnden Personen jedoch weisen auch allgemeingültige Aspekte auf. Die offenkundige Gesellschaftskritik, die Ironie sowie der immer wieder aufblitzende Humor haben mir gut gefallen, ebenso wie die eingestreuten lebensklugen Sätze, die stets treffend und keineswegs aufgesetzt wirken.  Ein ungewöhnlich aufgebauter, stilistisch ansprechender Roman, ohne überbordenede Spannung, aber durch die Allgemeingültigkeit vieler Aspekte auch heute noch aktuell. Ein Stück gehobener tragikomischer Unterhaltungsliteratur, durchaus empfehlenswert.   © Parden

  • Renas Wortwelt

    4/5

    03.07.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die gute Gesellschaft unter dem Brennglas – unterhaltsam und typisch englisch

    Einen Klassiker zu rezensieren, ist zweischneidig. Würde man ihn doch in der Zeit, als er erschien, ganz anders gelesen, anders rezipiert haben als heute. Heute blickt man mit der aktuellen Brille auf den Roman, beeinflusst von dem heute üblichen Stil, dem Duktus und den Handlungstypen, die man gewöhnt ist, die man täglich liest. Daher kann die Besprechung eines Romans, der im Original zuerst im Jahr 1936 erschien, nur mit Vorsicht und Bedacht formuliert werden. So ist schon allein die damals gebräuchliche auktoriale Erzählperspektive heute eher ungewöhnlich. Im vorliegenden Roman der 1896 geborenen Autorin, die mit mehr als 15 Romanen erfolgreich war, passt dieser Erzählstil aber perfekt, erlaubt er doch einen Blick in die Gedankenwelt aller Protagonisten. In diesem Spiegel der sogenannten guten englischen Gesellschaft geht es um das Ehepaar Alec und Betsy Canning. Sie haben drei Kinder, sind einigermaßen gut situiert, doch in ihre Ehe ist Langeweile eingekehrt. Betsy fühlt sich unverstanden, ausgenutzt, während Alec, ein eher träger Mensch, am liebsten seine Ruhe hat. Alec schreibt Librettos zur Musik seines Freundes Johnnie, Betsy hingegen reibt sich auf zwischen der Kindererziehung, der Pflege des Haushalts, der Anleitung der Dienstboten sowie der weiteren Familie. Da sind vor allem die Mütter der Beiden. Insbesondere Alecs Mutter Emily Canning mischt sich gerne und auf sehr subtile Weise in das Leben ihres Sohnes und seiner Familie ein. Als sie nun von Betsys Mutter erfährt, dass Alec und Betsy beschlossen haben, sich scheiden zu lassen, und zwar in absolut freundschaftlicher Weise, will sie das unbedingt verhindern. Und nicht nur sie, auch andere mischen sich ein, Freunde, Personal, Verwandte und sogar die Familie Bloch. Die deutschen Juden sind nach England geflohen und Alec hatte ihnen Unterschlupf gewährt in einem Haus auf seinem Grundstück, sehr zum Verdruss seiner Frau. Alle haben eine Meinung, alle halten mal zu dem einen Ehepartner, mal zum anderen, wechseln auch schon mal die Seiten. Dass Alec eine Affäre mit einem der Dienstmädchen beginnt, sorgt zusätzlich für Aufruhr, auch darüber wird in der Gesellschaft natürlich heftig diskutiert. Dazu kommen dann noch die Kinder Eliza, Kenneth und die Jüngste, Daphne, die selbstverständlich am meisten betroffen sind und jeweils Stellung beziehen. All das wird erzählt auf eine sehr fesselnde Weise. Mit spitzer Feder, hintergründigem Humor und liebevollem Verständnis seziert die Autorin die Beziehungen innerhalb einer Familie, die Verflechtungen und die Reaktionen in der englischen Gesellschaft. Mal mittels einer langen Unterhaltung der beiden Mütter des Paares, mal in Form einer heftigen Diskussion unter den Kindern und mal als ein ganzes Kapitel in Form von diversen Briefen, die zwischen den Freunden und Verwandten der Familie Canning hin und her gehen – und dabei einiges offenbaren und erzählen. Die bereits erwähnte auktoriale Erzählperspektive bringt es dabei mit sich, dass man beispielsweise mal „im Kopf“ der Tochter Eliza ist und im nächsten Absatz verfolgt man die Gedanken Kenneths. Das wechselt häufig, vor allem während eines Dialogs, manchmal gar innerhalb eines Satzes. Das sorgt für Dynamik und obwohl man es heute nicht mehr sehr gewöhnt ist, passt es hier hervorragend und bringt Spannung und Tempo in den Roman. Auf der anderen Seite wirken die etwas langatmigen Beschreibungen heute eher langweilig, zäh. Sie bremsen die Handlung manchmal etwas aus. Dennoch ist der Roman, nicht nur für Liebhaber englischer Sittengemälde, ein empfehlenswertes Buch, auf dessen Stil man sich aber einlassen wollen muss. Margaret Kennedy - Die englische Scheidung aus dem Englischen von Petra Post und Andrea von Struve Schöffling & Co., Mai 2024 Gebundene Ausgabe, 395 Seiten, 24,00 €

  • Jürg K.

    4/5

    22.05.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Drama und Liebesgeschichte in einem

    Alec und ich gehen getrennte Wege. Wir lassen uns scheiden. Das steht in dem Brief an die Mütter der beiden. Sie sind sich einig, dass diese Scheidung verhindert werden muss. Betsy ist in der Ehe unglücklich und Alecs Seitensprünge ändern auch nichts daran. Alec hofft seine Frau umstimmen zu können. Doch die Mütter und all die anderen, die auf einmal unbedingt mitreden wollen, Hausangestellte, Nachbarn, Freunde, machen die Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen den Eheleuten zunichte. Dies ist ein Roman der sich mit der Komplexität von Ehe, Scheidung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen befasst. Betsy und Alec sind den Rosenkrieg bald leid, aber da ist so mancher Fehler schon nicht mehr rückgängig zu machen. Den Leser erwartet ein hochkomischer Scheidungsroman und ein Porträt der feinen englischen Gesellschaft. Der scharfsinnige und prägnante Schreibstil erweckt eine Reihe von Charakteren zum Leben, von denen jeder seine eigenen Macken und Geheimnisse hat. Die Geschichte ist ein Mischung aus Komödie und Drama. Ein empfehlenswertes Buch.

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    Ann-Sophie Schneider

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    4/5

    16.08.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Together and apart

    Eine Scheidung im England der 30er Jahre. Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Doch längst nicht alle Familienmitglieder sind damit einverstanden. Margaret Kennedy erzählt in "Die englische Scheidung" erstaunlich modern von den Auswirkungen einer Scheidung in gewissen Kreisen der höheren, englischen Gesellschaft. Gerüchte in Bezug auf die Gründe, die zu dieser drastischen Trennung führten, werden ebenso thematisiert, wie die Frage, wer für wen Partei ergreift. Die Geschichte beginnt zunächst im Ferienhaus der Familie in Wales, im Sommer, der alles veränderte und umfasst schließlich auch die nachfolgenden Jahre, in denen alle mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zurechtkommen müssen. Alle Figuren wirken vielschichtig, sodass man ihr Handeln nachvollziehen kann, auch wenn sie manchmal ihre negativen Seiten zeigen. Unterhaltsame und doch spannende Lektüre für Fans von Jane Gardam.

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