»Wer war Frieda? Sie hat verdient, dass wir uns an sie erinnern.«
Mit Anfang dreißig erfährt Geraldine Oetken, dass sie eine Urgroßtante hatte: Frieda, von der nie jemand erzählt hat . Von der niemand mehr weiß, als dass sie 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben ist. Aber wer war Frieda? Wie sah ihr Alltag aus, und wer hat sie ins Heim gesteckt? Wie endete ihr Leben? Und was hat das mit uns zu tun?
Geraldine Oetken wehrt sich gegen das Vergessen , das sich durch Familien und Generationen zieht, und macht sich daran, Frieda ihre Geschichte zurückzugeben. Sie liest Krankenakten , recherchiert zum Umgang mit psychischen Erkrankungen im Nationalsozialismus , zu dezentraler »Euthanasie« und Hungermorden . Ihre Spurensuche führt sie in Archive und auf Friedhöfe, ins Oldenburg der Nazis und das ihrer Jugend – und in die Untiefen der eigenen Familiengeschichte .
Feinfühlig und akribisch erzählt »Frieda« die Geschichte einer Suche nach Menschlichkeit in einem unmenschlichen System .
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Frechdachs
5/5
09.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer warst du Urgroßtante Frieda und wo bist du geblieben?
Geraldine Oetkens aktuelles Buch "Frieda - Die Suche nach meiner vergessenen Urgroßtante" verdient sich von mir ganz besonderen Respekt, da es ganz einfach nicht dem Mainstream folgt, vielleicht auch nicht für den Mainstream gemacht ist.
Allerdings sollte es meiner Meinung nach sehr viele interessierte Leser erreichen, da es zurück in die dunkelste Stunde Deutschlands führt. Dort geschah bekanntlich sehr vielen Menschen Unrecht, so auch der Urgroßtante Frieda, auf deren Spurensuche sich Oetkens macht und diesem Leben im ganzen Buch nachspürt.
Die Suche selbst gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen, da anfänglich nicht mehr bekannt ist, dass Frieda 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben ist. Wir begleiten quasi Geraldine hautnah bei dieser puzzleartigen Suche.
Es ist kein einfaches Buch, das sich so nebenbei lesen lässt. Es rüttelt auf, macht betroffen und spielt mit den unterschiedlichsten Emotionen beim Lesen. Man taucht dabei tief ins damalig autortiäre System des Nationalsozialismus ab, in dem Menschlichkeit nur wenig zählte.
Die Autorin setzt Stück für Stück das große Puzzle zusammen, schont dabei auch die Familienhistorie bzw. das gesellschaftliche Zusammenleben und die damit verbundene Verantwortung nicht.
Die Stimmen derer, die während des Zweiten Weltkriegs extremes Unrecht erfahren haben sind leider längst verstummt. Gerade deswegen ist es nach meinem Empfinden umso wichtiger, dass deren Stimmen und Werdegänge nicht verstummen. Uns allen zur Mahnung, damit solche unmenschlichen Verbrechen nie mehr geschehen mögen.
Schließen möchte ich mit einem Zitat.
"Es gab mal eine Frau, die hieß Frieda. Sie ist meine Urgroßtante gewesen. Die Schwester meiner Urgroßmutter, die Tante meines Großvaters, die Großtante meines Vaters. Und am Anfang, da kannte ich sie noch kaum."
Bewertung
aus Winsen
5/5
26.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart
Das Buch handelt von der Suche Geraldine Oetkens nach Spuren ihrer Urgroßtante Frieda, die in der Familie nahezu nicht vorkam, aber während des Krieges in einem Pflegeheim für Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen starb. Wir begleiten sie auf dem Weg durch unzählige Archive, Behörden, Bibliotheken. Wir tauchen tief ein in die Geschichte, in Schicksale. Zunächst forscht sie zu Friedas Tod, da sie den Verdacht hat, dass diese einem institutionellen Hungermord zum Opfer gefallen ist. Im Verlauf widmet sie sich dann auch Friedas Alltag, versucht anhand zeitgenössischer Dokumente ein Bild davon zu entwerfen, wie Friedas Leben ausgesehen haben könnte. Sie versucht, Frieda eine Stimme zu geben, ihr ihre Würde zurückzugeben, indem sie sie ins Licht holt.
G.O. stellt viele Fragen, ist unbequem, möchte unbequem sein. Möchte Denkprozesse in Gang setzen, einfache Antworten entlarven.Dabei stellt sie sich nicht über die Lesenden, verurteilt nicht, sondern lädt ein, blinde Flecken und Winkel behutsam und liebevoll zu entdecken.
Sie deckt auf, wie wir uns durch Formulierungen selbst belügen, wie wir die Geschichte und die Auseinandersetzung mit ihr vermeiden, indem wir sie entpersonalisieren. Wie wir dabei auch Menschen entpersonalisieren. Letztendlich behandelt sie nicht nur Friedas Geschichte, sondern auch ihre Familiengeschichte, unsere gesellschaftliche Geschichte, so oft verschwiegene Verstrickungen in der NS-Zeit. Es ist ein Buch, das wenig Antworten gibt, aber sehr viele Fragen stellt. Den Finger in gerne genutzte Halbsätze und Legenden legt, die in Familien erzählt werden, um sich nicht mit Wahrheiten auseinandersetzen zu müssen.
Es ist kein leichtes Buch, kein Buch, das sich mal eben nebenher liest. Aber es ist ein wichtiges Buch, weil es Bewusstsein schafft für unsere Geschichte, für unser gesellschaftliches Zusammenleben und für große und kleine Ungerechtigkeiten, die wir allzu leicht übersehen oder vor denen wir die Augen schließen, weil sie vermeintlich nichts mit uns zu tun haben. Es ist ein anstrengendes Buch, das anregt, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, und das viele Fragen stellt, die das Potential haben, Gedankenprozesse zu starten, die am Ende uns allen zugute kommen. Auf der Basis der Recherche über ihre Urgroßtante setzt sich G.O. auch intensiv mit der gegenwärtigen Geschichte auseinander, mit Politik und Gesellschaft und wie sich Grenzen des Sagbaren (wieder) verschieben.
Am Ende schreibt sie Frieda einen Brief, der mich sehr berührt hat. Über ihre Spurensuche, ihre Auseinandersetzung mit Friedas Leben und der Rolle ihrer Familie dabei. Und darüber, dass Frieda ihr doch fremd geblieben ist, dass Frieda diese Suche vielleicht nicht mal gutgeheißen hätte, nicht mit ihr hätte reden wollen, wenn sie sich hätten begegnen können. Aber sie beschreibt auch, wie diese Reise, trotz aller Unzulänglichkeiten, sie verändert hat, wie Frieda dadurch Teil ihrer Kleinfamilie wurde und ihre Wahrnehmung grundsätzlich verschoben hat.
Klare Leseempfehlung von mir, ganz besonders in dieser Zeit, in der die Gleichwertigkeit aller Menschen wieder in Frage zu stehen scheint! Zwischendurch dachte ich, dass das Ganze auch hätte kürzer sein dürfen, dass der Text, die vielen Drehungen und Wendungen zu lang, zu ausführlich sind. Aber im Laufe des Buches merkte ich irgendwann, dass die Ausführlichkeit auch eine Würdigung der Menschen bedeutet, von denen hier erzählt wird, dass sie ihnen den Raum gibt und die Wichtigkeit, die ihnen im echten Leben verwehrt wurde.
Bewertung
5/5
22.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine vergessene Geschichte, die gehört werden muss
Frieda ist ein sehr berührendes und wichtiges Buch, das mich nach dem Lesen noch lange beschäftigt hat. Geraldine Oetken macht sich auf die Suche nach ihrer Urgroßtante Frieda, von der in der Familie kaum etwas bekannt war. Aus wenigen Informationen entsteht nach und nach das Bild einer Frau, deren Geschichte viel zu lange vergessen wurde.
Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autorin persönliche Familiengeschichte mit historischer Recherche verbindet. Man merkt, wie viel Zeit und Herzblut in dieser Suche steckt. Sie nähert sich Friedas Leben mit viel Respekt und gibt einer Person, die in den Akten nur eine Nummer gewesen wäre, wieder eine Stimme.
Das Buch zeigt eindrücklich, was Menschen während der NS-Zeit angetan wurde und wie wichtig es ist, sich auch mit den dunklen Kapiteln der Geschichte auseinanderzusetzen. Manche Stellen sind schwer zu lesen, aber genau deshalb bleibt die Geschichte so im Gedächtnis.
Frieda ist mehr als nur eine Familiengeschichte. Es ist ein bewegendes Buch über Erinnerung, Menschlichkeit und darüber, dass kein Leben vergessen werden sollte.
Fabi K
aus Wilhelmshaven
5/5
22.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte über Unrecht und Unmenschlichkeit
Das Cover des Buches, ein Blick durch ein Fenster, ein Blick in die vermeintliche Freiheit lässt erahnen, was den Leser in diesem Werk erwartet.
Die Autorin nimmt einen mit, auf eine bewegende Reise in die Vergangenheit, auf der Suche nach Antworten und nach der Wahrheit. Wer war Frieda? Wie hat sie gelebt ? Wie ist sie gestorben ?
Einfühlsam, aber auch kraftvoll rollt die Autorin die Geschichte von Frieda auf, Schicht für Schicht. Sie gräbt sich förmlich in die Tiefen der eigenen Familienhistorie und deckt das große Unrecht auf, dass Menschen angetan wurde. Ich hatte beim Lesen permanent eine Gänsehaut, durch den besonderen Schreibstil schafft es die Autorin eine Nähe zu Frieda herzustellen die mich noch lange nicht loslassen wird. Gleichzeitig wird die Unmenschlichkeit , das Unrecht und das Leid das Menschen wie Frieda erleiden mussten thematisiert, was noch lange im Kopf des Lesers nachhallen wird.
Bewertung
aus Freiburg
5/5
21.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Frieda ist nicht vergessen
Geraldine Oetken erfährt zufällig, dass sie eine Urgroßtante, Frieda, hatte, die im Februar 1941 in einer "Pflegeeinrichtung" in der Nähe von Oldenburg im Alter von 59 Jahren verstarb. Wer war Frieda? Wie hat sie gelebt? Wie ist sie gestorben? Die Autorin will das alles genau wissen und unternimmt aufwendige Recherchen, um Frieda näherzukommen. Dazu gräbt sie tief in den Verwaltungsakten zur Zeit des Nationalsozialismus, die sehr akribisch geführt wurden - was das Monetäre betrifft.
Die Autorin lässt auch nicht die Geschichte ihrer Familie aus, in der über die Zeit zwischen 1933 und 1945 immer geschwiegen worden war. Das finde ich sehr mutig, denn ich glaube, dass niemand gerne hört, dass die eigenen Vorfahren Nazis waren. Mich haben ihre Nachforschungen tatsächlich angeregt, mehr über meine eigenen Großeltern in Erfahrung zu bringen, da gibt es auch ein paar Ungereimtheiten.
Die Autorin überlegt zudem, wie wir uns heutzutage eventuell schuldig machen, wo wir aus Bequemlichkeit wegschauen, obwohl es unsere Aufgabe wäre, hinzuschauen und zu handeln.
Das Buch hat mich sehr beeindruckt, obwohl wir über Frieda nicht sehr viel erfahren.
Was mir nicht so gefallen hat, ist der oft ein bisschen pathetische Ton, aber trotzdem ist es für mich ein ausgezeichnetes Buch.
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