»Ein Buch, das bleibt!« Denis Scheck in ›ARD druckfrisch‹
Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.
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Gepäck der Herkunft – Eine ehrliche Begegnung
pearl-on-the-rox (Mitglied der Book Circle Community) am 13.08.2025
Bewertungsnummer: 2565973
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein autobiografischer Familienroman mit starkem historischen und sozialen Kontext – ein kleines, aber beeindruckendes literarisches Kunstwerk: eindrücklich, schonungslos und sprachlich meisterhaft komponiert. Helfer erzählt in feiner, lakonischer Sprache von ihrer Familie – von Ausgrenzung, Schönheit, Not und dem komplexen „Familiengepäck“, das jeder mit sich trägt. Die Erinnerungen, in schroffen Zeitsprüngen erzählt, bleiben nahbar und glaubhaft – so ehrlich, dass es wehtut. Sie rührt einen Nerv, denn wir bekommen einen tief bewegenden Einblick in eine Zeit, in der Menschen ums nackte Überleben kämpften – eine Realität, die uns heute kaum vorstellbar ist. Und doch lässt uns Helfer sie fühlen, nachspüren.
Kuckuckskind Mit dem Titel…
Bories vom Berg aus München am 01.05.2025
Bewertungsnummer: 2937078
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Kuckuckskind Mit dem Titel «Baggage» spielt Monika Helfer in ihrem autofiktionalen Roman auf die deutsche Bedeutung des französischen Wortes als Last an, im übertragenen Sinne sind abwertend aber auch zwielichtige Gestalten gemeint. Beides trifft hier zu, einerseits ist die Belastung gemeint, die ein nie gelüftetes, allen peinliches Geheimnis über Generationen hinweg innerhalb der Familie bedeutet, anderseits steht Baggage auch für die Außenseiterrolle, die eine allen lästige, prekäre Familie spielt. Die Autorin erzählt in dem schmalen Band ihre Familiengeschichte, beginnend mit ihrer Großmutter beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis hin zu ihren eigenen, späten Versuchen als bereits erwachsene Frau, herauszufinden, was denn nun wirklich damals geschehen ist in einem kleinen Dorf am Vorarlberg. War ihre Mutter ein Kuckuckskind? Am äußersten Rand dieses Dorfes leben Josef und Maria Moosbrugger mit ihren Kindern in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Maria ist die schönste Frau weit und breit, alle Männer beneiden Josef deshalb sehr, die Frauen aber sind neidisch und eifersüchtig zugleich. Josef ist Bauer, und als er zum Krieg eingezogen wird, bittet er seinen besten Freund, den Bürgermeister des Orts, mit dem er heimlich dubiose Geschäfte macht, auf Maria achtzugeben. Seither unterstützt der die Familie so gut er kann mit Lebensmitteln, Maria und die Kinder leiden ständig an Hunger, der kleine Hof wirft einfach zu wenig ab, und zudem fehlen jetzt auch die lukrativen ‹Geschäfte› von Josef. Aber auch der Bürgermeister ist nur ein Mann, er kann den Reizen von Maria kaum widerstehen und versucht es bei ihr, wird aber immer wieder abgewiesen. Auf einen Volksfest lernt Maria Georg kenne, einen Deutschen aus Hannover, der für wenige Tage im Dorf ist, um etwas zu erledigen. Am nächsten Tag taucht er unerwartet bei ihr auf, er hat sich erkundigt, wo sie wohnt. Georg ist ein Traummann in Marias Augen, er findet schnell Kontakt zu ihren vier Kindern und besucht die Familie auch die nächsten zwei Tage. Bei seinem letzten Besuch vor der Abreise wird er von einem Dorfbewohner beim Verlassen des einsam gelegenen Hauses gesehen. Als er für immer fort ist, trinkt Maria verzweifelt eine ganze Flasche Schnaps leer und stirbt fast daran. Überraschend schnell kommt Josef schon bald zu einem ersten Heimaturlaub zurück, auch beim Militär macht er offensichtlich seine ‹Geschäfte›, er bringt nämlich Geld mit. Allerdings kann er nur vier Tage bleiben, das Zusammensein mit seiner attraktiven Frau genießt er in vollen Zügen. Aber es ist gerade diese Attraktivität, die Maria dann zum Verhängnis wird. Sie wird bald darauf schwanger, und es werden sofort wilde Berechnungen angestellt, ob denn Josef überhaupt der Vater sein kann. Als Margarete, die von allen nur Grete genannte Mutter der Erzählerin, schließlich als fünftes Kind auf die Welt kommt, hört auch Josef von diesen Gerüchten. Trotz der Beteuerungen des Bürgermeisters, dass Maria sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, nagen bei Josef fortan die Zweifel. Er spricht nie ein Wort mit Grete und schaut sie auch nicht an, so als gäbe es sie nicht. Der Roman zeichnet das archaische Bild einer engstirnigen Dorfgemeinschaft vor mehr als hundert Jahren, in der die Missgunst stärker ist als die Vernunft und die Eifersucht stärker als das Vertrauen. Auch die Sehnsucht nach Liebe hat darin ihren Platz, und so, wie Maria ihre Zufalls-Bekanntschaft sieht, ist Eheglück das eine und die einmalige, die große Liebe das andere Geschenk im Leben. Die Sehnsucht ist seither ihr ständiger Begleiter. Erzählt wird diese berührende Geschichte in knapper, dem dörflichen Idiom stimmig angepasster Sprache mit vielerlei Zeitsprüngen. Bei diesem komplexen Familien-Porträt bleiben einige Leerstellen, nicht geklärte Fragen zu dem emotionalen Ballast, der einem hier aber nicht aufgedrängt wird, sondern vollständig der eigenen Phantasie überlassen bleibt. Diese feinsinnig, zuweilen lakonisch erzählte Geschichte setzt ihre eigenen, ganz besonderen Akzente im Genre der Dorfromane!
Meinung aus der Buchhandlung
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Die außergewöhnlich hübsche Bäuerin Maria, über die viele Gerüchte verbreitet werden, muss sich, nachdem ihr Mann in den Krieg einberufen wird, mit ihren Kindern auf einem einsamen Berghof alleine durchschlagen.
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Eindrücklich schildert Monika Helfer die Geschichte ihrer Familie, der „Bagage“, die am Rand eines Bergdorfs in Vorarlberg gelebt hat. Das junge Ehepaar, das hier seine Kinder großzieht, ist irgendwie anders: Maria, die junge Frau, viel zu schön für diese dörfliche Welt, begehrt und verhasst, und Josef, immer in sauberer Kleidung, der nie trinkt, auch nicht viel redet – diese beiden gehören nicht zum Rest der Gemeinschaft, werden nur abseits geduldet. Josef macht mit dem Bürgermeister seine nicht näher erklärten „Geschäftchen“, und man weiß, dass man sich lieber nicht mit ihm anlegt. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs, und Josef wird eingezogen. Den Bürgermeister, den einzigen, dem er vertraut, beauftragt er damit, auf seine Familie und vor allem auf seine Frau aufzupassen. Für Maria und die Kinder beginnt eine schwere Zeit, in der sie auf die Unterstützung des Bürgermeisters angewiesen sind. Als sich ein wildes Gerede um Maria und einen fremden Besucher entspinnt, ist Maria etlichen Feindseligkeiten, vor allem des Pfarrers, und auch Zudringlichkeiten ausgesetzt, denn Josef, der im Krieg ist, muss man jetzt nicht fürchten.Diese Familiengeschichte liest sich unglaublich spannend, die Charaktere sind so lebendig geschildert, dass die Welt dieser Familie und dieses Dorfs in einer vergangenen Zeit geradezu greifbar wird.
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