Kinder stellen schon früh Fragen zum Nationalsozialismus. Wie können wir ihnen das Grauen jener Zeit vermitteln? Stellvertretend stellen sich hier zehn Kinder vor, die das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg ganz unterschiedlich erlebt haben. Flankiert werden diese Geschichten von Illustrationen, Fotos und Sachtexten, die die historischen Hintergründe auf behutsame Art und Weise erklären. Dieses Buch zeigt ganz konkret, wie Kinder damals mit Verfolgung und Ausgrenzung, mit Krieg und Flucht, aber auch mit Propaganda innerhalb der Familie umgingen. Heutige Kinder lernen daraus viel über Zivilcourage, Mut und Verzweiflung, Angst und Hoffnung.
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Ein sehr guter geschichtlicher Beitrag zur Kinderliteratur
Bewertung aus Jülich am 26.01.2023
Bewertungsnummer: 1867148
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Frank Schwieger ist Geschichtslehrer und Autor und versucht Kindern das Leben und den Kampf ums Überleben im Nationalsozialismus durch Schilderungen von Heranwachsenden persönlicher nahe zu bringen.
Zehn Kinder - jüdisch und nicht-jüdisch - erzählen tagebuchartig von prägenden, gefährlichen und lebensverändernden Episoden aus ihrem Leben.
Es erzählen Kinder, die einen Ausflug mit der Hitlerjugend machen, Nachbarskinder und Klassenkameraden, die beobachten und erleben wie jüdische Familien und Freunde ausgegrenzt, bedroht und verfolgt werden. Und Kinder, deren Leben plötzlich auf dem Spiel steht und deren Eltern sich zur Flucht in die Niederlande, Frankreich oder Schweden entscheiden. Kinder, die Ghettos und Konzentrationslager erleben und deren Grauen schildern.
Von den ersten Nachrichten von Hitlers Machtergreifung bis hin zu dessen Tod werden viele Schicksale greifbarer. Sie zeigen vor allen Dingen, wie lange 'normale' Familien diese Schreckensherrschaft nicht begreifen konnten.
Nach jeder Geschichte werden die Geschehnisse historisch und mit einigen Fotos eingeordnet.
Friederike Ablang lässt die Lesenden durch ein gezeichnetes Passbild und einem Bild der bedeutensten Szenen, bewusst werden, dass dies alles von wahren Kinder erlebt werden musste.
Dies ist ein Buch für Kinder ab 9, welches Gesprächsangebote erfordert und mit Einfühlungsvermögen und kindgerecht erzählt ist.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein Buch über die Zeit des Nationalsozialismus für Kinder ab 9 Jahren? Ist das nicht zu früh? Antwort: Nein. Sicher, es ist kein leichtes Thema, und viele Eltern schrecken davor zurück, mit ihren Kindern darüber zu sprechen. In der Schule kommt dieses Kapitel der deutschen Geschichte auch erst viel später dran. Wie soll man also reagieren, wenn Kinder fragen? Wie kann man ihnen das Thema kindgerecht näher bringen? Der Autor und Lehrer Frank Schwieger hat mit seinem Buch “Kinder unterm Hakenkreuz” einen guten Weg gefunden. Zehn fiktive Kinder aus der Zeit des Nationalsozialismus erzählen Geschichten aus ihrem Leben. Die Kinder mögen fiktiv sein, ihre Geschichten sind es nicht. So oder so ähnlich haben es damals viele Kinder erlebt. Doch von diesen echten Zeitzeugen gibt es nicht mehr viele, die den Kindern von heute von den Geschehnissen von damals erzählen können. Das übernehmen hier daher nun die Kinder aus den Geschichten. Und diese haben viel zu erzählen: Da ist Erna, 11 Jahre alt, die es nicht ok findet, dass am 1. April 1933 die jüdischen Geschäfte boykottiert werden sollen. Mutig schnappt sie sich ihr Sparschwein und beschließt, sich gerade an diesem Tag in Frau Blums Schuhgeschäft ein paar neue Schuhe zu kaufen. Da ist Willi, ebenfalls 11 Jahre alt, der stolz ist, nun zu den Pimpfen (Teil der Hitlerjugend) zu gehören. Vor allem gefällt ihm sein neues Fahrtenmesser, das er zur bestandenen Aufnahmeprüfung erhalten hat. Wie jedoch seine Kameraden und Mitschüler den Juden Michael behandeln, das gefällt ihm nicht. Dann ist da Anneliese, 13 Jahre alt, deren Familie den Bendheims hilft, den jüdischen Nachbarn, in der Nacht, als all die jüdischen Wohnungen und Geschäfte zerstört werden und die Synagoge brennt. Da sind Jakob, 10 Jahre alt und seine kleine Schwester Judith, die in den Niederlanden leben. Als Juden dürfen sie nicht mehr in die normale Schule gehen, dürfen keine Fahrräder besitzen, keine Geschäfte und Cafés mehr betreten. Als die Situation immer schlimmer wird, werden sie von ihren Eltern aufs Land geschickt, wo sie von einer Bauernfamilie versteckt werden. Da ist Lea, 12 Jahre alt, die mit ihrer Familie von Österreich nach Frankreich gezogen ist. Doch auch dort ist die Familie nicht sicher, die Eltern werden verhaftet, weil sie Juden sind. Haushälterin Sophie bringt Lea und ihre kleinen Brüder in den Süden. Dort gibt es ein kleines Dorf, wo ein netter Pastor lebt, der viele jüdische Kinder versteckt. Da ist Marek, 16 Jahre alt, der eben noch in Deutschland aufs Gymnasium ging und sich wenig später im Warschauer Ghetto wiederfindet, wo er nach Meinung der Nazis hingehört. Dann ist da Helmut (also in der Geschichte heißt er Helmut, im Steckbrief am Kapitelanfang steht “Willi”, sicher ein Druckfehler), 14 Jahre alt, der in Hamburg lebt. Hamburg wird von den Engländern bombardiert, auch das Haus, in dem Helmut mit seiner Familie wohnt, wird zerstört. Dann ist da noch Palle, 12 Jahre alt, aus Dänemark. Das Land ist von den Deutschen besetzt. Die (jüdische) Familie beschließt, nach Schweden zu fliehen. Und dann ist da Sigrid, 10 Jahre alt, die in einem Dorf in Ostpreußen lebt. Nach dem Krieg fliehen sie und viele andere vor der anrückenden Roten Armee. Und zum Schluss ist da noch Jana, 11 Jahre alt, die in Auschwitz war - und überlebte. Zwischen den einzelnen Geschichten gibt es Seiten mit Sachinformationen und Bildern, die noch einmal auf die Thematik der einzelnen Geschichten eingehen. Kurz und einfach wird hier Wissen vermittelt. Gerade diese sich ergänzende Mischung aus Sachinformationen und Geschichten, die aus der Perspektive von Kindern erzählt werden, macht dieses Buch so gelungen. Obwohl es sich ausdrücklich an Kinder richtet (bzw. an Kinder und ihre Eltern, denn so ganz allein lassen sollte man jüngere Kinder mit diesem Buch nicht, sondern schon auch in der Familie gemeinsam darüber reden und es vielleicht auch einfach zusammen lesen), möchte ich “Kinder unterm Hakenkreuz” auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen ans Herz legen, da es sich leicht liest und trotzdem viel zu bieten hat. Für alle, denen die gängigen Bücher zu diesem Thema einfach zu “heftig” sind, ist dieses eine gute Alternative bzw. ein guter Einstieg in die Thematik, bevor man sich dann weiteren Büchern widmet.
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