Martin, sechsundsiebzig, wird von einer ärztlichen Diagnose erschreckt: Ihm bleiben nur noch wenige Monate. Sein Leben und seine Liebe gehören seiner jungen Frau und seinem sechsjährigen Sohn. Was kann er noch für sie tun? Was kann er ihnen geben, was ihnen hinterlassen? Martin möchte alles richtig machen. Doch auch für das späte Leben gilt: Es steckt voller Überraschungen und Herausforderungen, denen er sich stellen muss.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Barbara T.
aus Hagen
5/5
05.04.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Über das Abschiednehmen
„David, David.“ Er strich ihm über Kopf und Rücken, legte den Arm um ihn, zog ihn an sich. „Ich bin noch lange nicht tot. Und wenn ich sterbe und in den Himmel gehe, kommst du mit bis an die Tür, wir verabschieden uns, wie wir uns am Kindergarten verabschieden, und ich gehe rein…“ (78)
Martin Brehm ist sechsundsiebzig als er von seinem Arzt die Krebsdiagnose gestellt bekommt. Nun weiß er, dass ihm nur noch wenige Monate zu leben bleiben. Auf diese schreckliche Nachricht reagiert er ziemlich nüchtern und scheinbar gefasst. Eine Chemotherapie lehnt er ab.
Spätabend am Kamin, mit einer Flasche Wein, erzählt er seiner viel jüngeren Frau Ulla von der Diagnose. Sie ist zuerst erschüttert, dann überlegt sie, was sie noch gemeinsam unternehmen können. Wichtig wäre für sie, dass er dem sechsjährigen Sohn David, eine Botschaft hinterlässt.
Tödliche Krankheit, eigentlich ein Todesurteil mit dem Martin sich arrangieren muss – das Thema des Romans ist ernst. Der Autor erzählt darüber sachlich, nüchtern, und dementsprechend ruhig und gelassen liest Ulrich Noethen es vor.
Es fiel mir zuerst schwer, sowohl Martins Reaktion auf die Krebsdiagnose, wie auch seine weitere Vorgehensweise zu verstehen. Kurios fand ich Martins Brief an seinen Sohn, in dem er über philosophische Themen schreibt. Er hat ihn eigentlich für sich selbst geschrieben, und das merkt er schließlich auch.
Doch wie sollte man die knappe Restzeit seines Lebens nutzen? Was kann man überhaupt noch tun, wenn die schleichende Krankheit an den Kräften zerrt? Wie kann man seine Liebsten darauf vorbereiten und vor den Folgen schützen?
Es sind gravierende Fragen, auf die jeder von uns unterschiedlich antworten würde. Umso mehr war ich auf Martins Entscheidungen, auf seine Handlungen gespannt. Nicht immer konnte mich sein Verhalten überzeugen, aber es hat mich bewegt und nachdenklich gestimmt.
Die empathische Art und Weise, mit der Ulrich Noethen, der Sprecher des Buches, es vorträgt, hat dazu beigetragen, dass ich beim Zuhören in die Geschichte versunken bin.
Das Buch und Hörbuch sind wärmstens zu empfehlen.
Magnolia
5/5
04.01.2024
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Vom Lebensende – traurig und doch wunderschön erzählt
Bernhard Schlink hat mich wiederum voll überzeugt. Seine Texte, seine Bücher sind allesamt lesens- (bzw. wie hier in meinem Fall) hörenswert. „Das späte Leben“ erzählt von Martin, von seiner sehr viel jüngeren Ehefrau Ulla und von seinem sechsjährigen Sohn David. Und von der Krebs-Diagnose, die den nunmehr 76jährigen Martin an das Lebensende nicht nur erinnert, die ihn auch zwingt, sich seinem bevorstehenden Tod zu stellen. Wie damit umgehen?
Martin lässt sein Leben Revue passieren, er redet mit Ulla und auch wenn David noch zu jung ist, um die ganze Tragweite des bevorstehenden Todes seines Vaters zu verstehen, so findet Martin doch einen sensiblen Umgang mit dieser Thematik. Er will alles richtig machen, auch will er, dass sich David an ihn erinnert, vielleicht eines Tages den Brief findet, der im Schreibtisch auf ihn wartet. Und auch, wenn Ulla ihm den Rat gibt, ein Video zu drehen, so fühlt sich dieser Weg für Martin nicht richtig an. Aber nicht alles, was er meint, seinem Sohn zu hinterlassen, findet Ullas Zustimmung. Und Ulla – sie wird weiterleben, sie ist eine junge Frau…
Jedes Leben endet mit dem Tod – wir wissen es alle und doch verdrängen wir es. Es ist zu schwer, zu endgültig, als dass es zu viel Raum einnehmen sollte. Irgendwann jedoch kann man dem Thema nicht mehr ausweichen und es ist gut, wenn man sich dem stellen kann, wenn noch Zeit bleibt, Dinge, die einem wichtig sind, zu regeln.
Bernhard Schlink geht in seinem neuesten Werk „Das späte Leben“ mit dem bevorstehenden Tod seines Protagonisten sehr sensibel um. Trotz der Schwere rund um das Lebensende ist es ein tröstliches Buch, einfühlsam und sehr intensiv erzählt. Und hier kommt Ulrich Noethen, der perfekte Vorleser, ins Spiel. Für das Hörbuch hätte man keinen besseren Interpreten finden können. Er hat den genau richtigen Ton getroffen, fein nuanciert gibt er Martins Gedanken wieder. Der würdevolle Abschied von seinen Lieben scheint ihm zu gelingen. Ein großartiges (Hör)Buch, das traurig stimmt und doch so voller Leben ist.
Bewertung
aus Quickborn
5/5
29.12.2023
Hörbuch-Download (MP3)
Fünf Stunden, die unter die Haut gehen
Bernhard Schlink sucht sich nie leichte, oberflächliche Themen für seine Bücher. Ob der Vorleser oder Olga, ob die frühen Selb-Romane, alles geht in die Tiefe, unter die Oberfläche der Protagonisten und unter die Oberfläche der Leser.
Dieser Roman geht beinahe noch tiefer, es macht betroffen, mit Martin, dem wichtigsten Protagonisten dieses Buches, einen sehr endlichen Weg zu gehen.
Martin, Mitte 70, später Vater des sechsjährigen David, Ehemann von Ulla, die wohl 30 Jahre jünger ist als er, erhält die tödliche Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Keine Aussicht auf Heilung oder Lebensverlängerung, ob er die Einschulung des Sohnes erleben wird, steht in den Sternen. Der Schock sitzt tief, bei allen dreien, auch der Junge beginnt zu begreifen, dass er nur noch einen Vater auf Zeit hat. Ulla möchte alles richtig machen, Martin auch, wie hinterlässt man etwas für sein Kind, ohne zu verletzen, zu kränken, sich selbst zu überhöhen.
Noch bringt Martin David in den Kindergarten, holt ihn ab, spielt mit ihm, noch empfindet er Begehren für seine Frau, hat Freude an gemeinsamen letzten Unternehmungen. Aber die Zeiger der Lebensuhr drehen sich schnell, schneller als gedacht. Und es ist nicht alles, wie es scheint, in ihrer Ehe.
Martin hat bis zum Schluss Prüfungen zu überstehen, die fast zu viel sind für ihn, aber immer bleibt er am Ende doch ruhig und verantwortungsvoll. Mit dieser Ehefrau Ulla, die manchmal sehr hart scheint, ist das nicht so einfach. Für David ist er schlimm-müde-krank. Sehr traurig. Die Betrachtung von Sterben und Tod mag für viele Leser oder Hörer sehr unangenehm, vielleicht zu eindringlich wirken, Ulrich Nöthen macht es dem Hörer etwas leichter mit seiner einfühlsamen Sprechweise. Dafür war ich am Ende am meisten dankbar.
Fazit: Tapferes Lebensende eines Todkranken, der nicht jammert, aber der es sehr bedauert, sein Kind nicht aufwachsen sehen zu können. Empfehlenswert.
begine
aus Lemwerder
5/5
13.12.2023
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Brillant
Der Autor Bernhard Schlink schreibt brillante Gegenwartsliteratur
Seine Prosa ist klar und präzise.
Sein neuer Roman „Das späte Leben“
zeigt wieder seinen klaren Blick für das Leben und sterben.
Mit schwungvoller Schreibstil wird der
76jährige Icherzähler Martin dargestellt. Der hat gerade erfahren, das er nicht mehr lange zu Leben hat.
Beeindruckend ist wie er seinen Tod seinem 6jährigen Sohn David beibringt.
Er möchte, das David kein Trauma erleidet und möchte ihm noch viel mitgeben.
Die Begleitung des Sterbens war gekonnt dargestellt. Ich weiß a
Erfahrung was das mit der Familie macht.
Der Autor besticht durch seine psychologische Tiefe, dadurch kommen uns die Personen nahe.
Ich habe schon einige Romane von Bernhard Schlink verschlungen und ich war immer wieder beeidruckt.
Er ist ein wirklich großartiger Erzähler.
Sehr lesenswert.
Bewertung
aus Wien
4/5
14.07.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Abschied nehmen
4,5 Sterne
Bernhard Schlink erzählt hier aus der Ich-Perspektive von einem todkranken Mann, der gerade erst die Diagnose Krebs im Endstadium erhalten hat und nun völlig planlos dasteht, wie er die letzten Wochen oder vielleicht Monate seines "späten Lebens" gestalten soll.
Etwas Besonderes machen? Aber was?
Zeit mit Frau und Kind verbringen? Ja, das klingt gut, das will er machen. Aber gleichzeitig auch so weit wie möglich den Alltag weiterlaufen lassen. Besonders für seinen Sohn, der erst 6 Jahre alt ist, und den er nicht verschrecken will. Was kann er ihm noch mit auf den Weg geben an guten Ratschlägen, was kann er ihm vielleicht noch beibringen, welche bleibenden Erinnerungen kann er mit ihm zusammen noch erschaffen?
"Das späte Leben" ist ein sehr berührender und emotionaler Roman, sicher nichts "nettes" für Zwischendurch. Wer leicht von den Themen um Krebs, Tod und Vater-Kind-Beziehungen getriggert wird, sollte sich überlegen, ob das Buch wirklich was für ihn/sie ist.
Ich fand die Story ohne den Twist um Martins Ehefrau schon ausreichend. Es war aber auch ok so, wie es sich Schlink schlussendlich erdacht hat.
Ich hab jetzt erst im Zuge der Rezension nochmal im Klappentext gelesen, wie alt Martin eigentlich ist. 76. Er wirkte auf mich eher wie Mitte 60. Wahrscheinlich wurde ich da auch von der Stimme von Ulrich Noethen beeinflusst, und auch der Tatsache dass sein Sohn erst 6 Jahre alt ist.
Alles in allem ein sehr gutes, und eben auch sehr emotionales Buch.
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5/5
11.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben ohne mich
Ein Buch über Abschied – vom Leben, von den Menschen, die man liebt und von der gemeinsamen Zukunft.
Trotz der Unvermeidlichkeit des nahenden Endes gelingt es Bernhard Schlink, den Ton leicht zu halten und seine Leser nicht loszulassen.
Es hinterlässt einen leisen, traurig-schönen Klang im Herzen.
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5/5
30.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch über das Sterben, welches...
Ein Buch über das Sterben, welches es durch Schlinks fantastisch unschnörkeligen Schreibstil schafft, nicht deprimierend zu wirken, nicht "runterzuziehen". Ein Buch voller Liebe; nachdenklich und irgendwie sogar tröstlich. Mir hat es gut gefallen!
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5/5
28.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ergreifende Studie über das Sterben
Martin stirbt. Er hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und laut ärztlicher Diagnose noch etwa zwölf Wochen zu leben. Mit nachdenklichem Ton berichtet Schlink, was Martin tut, um Erinnerungen mit und für seinen Sohn David zu schaffen, wie Ehefrau Ulla zwischen Selbstsucht, Unsicherheit und Stärke beinahe zerbricht und wie Martin selbst immer müder und schwächer wird. Realistisch ist das, kühl und doch auch bewegend. Man hofft auf Besserung und weiss doch um das Unausweichliche. Der Tod macht das Leben wertvoll, das wird immer wieder deutlich in diesem besonderen, innigen Buch.
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5/5
13.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn das Leben zu Ende geht
Was tun oder nicht tun, wenn man erfährt, dass einem nur wenige Monate Lebenszeit bleiben?
So ergeht es dem 76-jährigen Martin, dessen Leben und Liebe seiner jungen Frau und seinem Sohn gehört.
Martin erlebt und erfährt, das auch das späte Leben voller Überraschungen und Herrausforderungen steckt.
Bernhard Schlink erzählt auf seine feine Weise.
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5/5
13.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Leben, der Liebe und dem Tod
Die Themen dieses neuen Romans des Erfolgsschriftstellers Bernhard Schlink sind uralt und jedesmal doch wieder neu. Es geht um Liebe und Eifersucht, um Krankheit und den nahenden Tod, um die Sehnsucht nach dem Gestern und dem verzweifelten Versuch, das Glück des Augenblicks festzuhalten.
Der 76-jährige Martin genießt mit seiner jungen Frau und dem kleinen Sohn sein „spätes Leben“. Da erhält er die niederschmetternde Diagnose, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat und ihm nur noch wenige Monate verbleiben werden. Statt in Panik und Trauer zu versinken versucht er, sein Leben zu sortieren und Vorkehrungen zu treffen, damit das Leben seiner Lieben auch ohne ihn Struktur behält.
Doch dann trifft ihn ein zweiter Schicksalsschlag. Er begreift die doppelte Herausforderung als Chance, bewusster und intensiver zu leben, aufmerksamer als bisher die Individualität seiner kleinen Familie wahrzunehmen. Den Versuch, über sein eigenes absehbares Ende hinaus den Lebensweg der anderen zu prägen, erkennt er als falsch. Zu dritt erleben sie noch Augenblicke intensiven Glücks.
Schlink ist ein routinierter Erzähler. Ihm gelingt es, das bedrückende Thema leicht, ja regelrecht
beschwingt darzustellen. Die Leserin, der Leser wird nicht in ein dunkles Loch gezogen. Die Liebe überstrahlt bis zuletzt alles andere.
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