Vor Jahrhunderten entwickelten die Roboter auf dem kleinen Mond Panga ein Bewusstsein ihrer selbst - worauf sie umstandslos in der Wildnis verschwanden und zu einem Mythos wurden, zu einer urbanen Legende. Den Menschen hingegen ist es seither gelungen, die Klimakrise zu überwinden und zu einem gedeihlichen Dasein im Einklang mit ihrer Umwelt zu finden.
Dex zieht als Teemönch mit Fahrrad nebst Wohnanhänger durch die Lande und lädt in den Siedlungen zu besinnlichen, therapeutischen Gesprächen ein. Doch die Welt gerät aus den Fugen, als urplötzlich ein Roboter aus dem Wald tritt und die Frage stellt: »Was brauchen die Menschen?«
Der erste Teil eines Doppelromans, der sich bewusst der heute vorherrschenden Untergangsstimmung entgegenstellt und, mit leichter Hand erzählt, ein positives Zukunftsszenario entwirft.
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Becky Chambers bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen
PMelittaM aus Köln am 06.12.2024
Bewertungsnummer: 2358195
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vor Jahrhunderten wurden die Roboter sich selbst bewusst. Mit den Menschen kamen sie überein, sich die Welt zu teilen und zogen sich in die Wildnis zurück. Ohne Maschinen verzichteten die Menschen auf weitere Industrialisierung und lebten mehr mit der Natur in Einklang.
Geschwister Dex fühlt die Berufung, ein Teemönch zu werden, also zu reisen und Menschen mit Problemen jeglicher Art ein paar ruhige und entspannte Stunden zu gönnen, in dem ser ihnen zuhört und passenden Tee serviert. Nachdem ser in dieser Berufung erfolgreich ist, spürt ser das Bedürfnis auf mehr, und macht sich auf den Weg, eine ehemalige Einsiedelei zu finden. Unterwegs trifft ser auf den Roboter Helmling, eigentlich Grüngefleckter Helmling, denn Roboter benennen sich nach dem, was sie als erstes wahrnehmen. Helmling wurde ausgesandt, nach den Menschen zu sehen, und ist somit der erste, der wieder auf einen solchen trifft. Die beiden reisen fortan zusammen und erhalten nach und nach tiefe Einblicke in das jeweilige andere Wesen.
In Becky Chambers Wayfarer-Romanen bin ich das erste Mal auf queere Pronomen gestoßen, sehr passend, denn auf anderen Planeten gibt es andere Fortpflanzungsmöglichkeiten. Auch dieser Roman spielt nicht auf unserer Erde, auch wenn die Welt sehr erdähnlich ist, sondern auf einem Mond namens Panga.
Auch sonst sind die Romane der Autorin immer sehr aufgeschlossen für anderes, und tragen eine Botschaft in sich, die mir sehr zusagt, nämlich andere so zu nehmen, wie sie sind. Und so kommen sich auch der Helmling und Dex immer näher, verstehen nach und nach den anderen besser, akzeptieren Unterschiede, wobei es Helmling meist etwas besser gelingt.
Becky Chambers ist nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Widmung zu diesem Roman lautet „Für alle, die eine Auszeit gebrauchen könnten“ (Seite 5), und ja, das passt, und zwar nicht nur, weil Dex solche Auszeiten schafft. Ich mochte diesen Roman wieder sehr und freue mich, Dex und Helmling im zweiten Band der Dilogie wiederzutreffen. Absolute Leseempfehlung!
Ein grandioser, positiver Zukunftsentwurf...
Bewertung am 27.07.2024
Bewertungsnummer: 2254121
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein grandioser, positiver Zukunftsentwurf mit herrlichen Charakteren, den schönsten Beschreibungen, welche es in der aktuellen Sci-Fi-Welt zu finden gibt und eine Geschichte, die zum (guten) Nachdenken anregt - sowohl über eine:n selbst, als auch über das Große Ganze!
Meinung aus der Buchhandlung
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Immer mehr junge Menschen leiden unter "Klima-Angst". Sie sind zunehmend verzweifelt und hoffnungslos, angesichts der sich ungebremst verschärfenden Klimakrise.
Auch in der Literatur ist das Thema Klima und Umweltkrise längst angekommen - man spricht sogar schon von "Cli-Fi", also Climate Fiction, ähnlich der "Sci-Fi".
Doch leider sind die meisten Cli-Fi Bücher dystopisch. Klar ist das angesichts der Entwicklungen und der Prognosen bei Themen wie Biodiversitätskrise oder Klimakrise alles andere als unwahrscheinlich. Und ich finde Dystopien sind auch wichtig um wachzurütteln. Aber jemand, der unter Klimaangst leidet, weiß ja bereits bestens Bescheid, wie schlimm unsere Zukunft wird, wenn wir nicht endlich handeln. Ich bin daher der Meinung es braucht mehr Utopien, damit wir wieder Lust auf die Zukunft bekommen.
Nach dieser etwas längeren Vorrede kommen wir nun endlich zum Buch.
Dex ist ein sogenannter Tee-Mönch. Ser zieht mit einer Art Tiny-Haus-Lastenrad durch die Welt sihres Planeten und hört sich bei einer Tasse Tee die Ängste und Sorgen der Menschen an. Doch irgendetwas fehlt sihm in sihrem Leben.
(Bitte entschuldigen Sie eventuellen Murks bei der Schreibweise der Neopronomen. Tatsächlich habe ich Dex meistens unbewusst männlich gelesen, was vielleicht ein Hinweis darauf ist, wie sehr ich noch vom binären Geschlechtermodell geprägt bin. Generell bin ich aber mit der Zeit immer seltener über die Neopronomen gestolpert. )
Daher entschließt ser sich in "Die Wildnis" zu einer verlassenen Einsiedelei aufzubrechen. Ja richtig gehört - nachdem auch auf Dex` Planeten die Umweltprobleme überhand nahmen, haben sich die Menschen entschlossen, einen großen Teil des Planeten der Natur zu überlassen. In der Wildnis trifft Dex dann auf den Roboter Helmling. Nachdem die Roboter Bewusstsein erlangten, beschlossen sie, den Menschen den Rücken zu kehren und in der Wildnis zu leben. Doch Helmlings Mission ist es, im Namen der Roboter herauszufinden, wie es den Menschen ohne sie geht.
Allein schon wegen der wirklich tiefgründigen und anregenden Gespräche der beiden lohnt es sich absolut dieses Buch zu lesen. Ganz nebenbei bekommen wir aber auch immer etwas über die Gesellschaft des Planeten mit und dürfen von einer hoffnungsvollen Zukunft auch für den unsrigen träumen. Tatsächlich befinden wir uns hier in einer Art ruralen High-Tech Zivilisation. Viele Menschen leben in kleinen Gemeinden vom Handwerk und vom Ackerbau, d.h. aber nicht, dass die Gesellschaft ohne Technik lebt. Z.B. gibt es in vielen Gemeinden 3D-Druck Hubs zur Herstellung von Ersatzteilen und die Kommunikation läuft über sogenannte "Taschencomputer", also im Prinzip Smartphones. Ohne, dass es jemals wirklich konkret angesprochen wird, hatte ich auch das Gefühl, dass die Gesellschaft deutlich egalitärer ist, was vielleicht damit zu tun hat, dass Geld im herkömmlichen Sinn nicht existiert.
Ich finde das wäre durchaus eine realistische und erstrebenswerte Vision auch für uns Erdlinge, denn wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann werden auch für die "erneuerbaren" Energien enorme Mengen an Rohstoffen gebraucht und unser heutiges Konsumlevel wird niemals wirklich "grün" sein können.
Wenn Sie mal eine Auszeit vom alltäglichen Wahnsinn brauchen, dann lesen Sie Becky Chambers!
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Becky Chambers gehört schon seit längerem zu meinen liebsten Autor*innen in der Science Fiction, weil sie in ihren Büchern etwas wagt, was man mittlerweile erschreckend selten zu lesen bekommt – die Aussicht auf eine bessere Zukunft für die Menschheit: Auf Panga wurde das Zeitalter des ungehemmten industriellen Wachstums überwunden und die Triebfedern dieser vergangenen Zeit, die Roboter, leben als Eremiten in den Wäldern. Als es nach langer Zeit wieder zu einem Kontakt zwischen Mensch und Maschine kommt, hat sich vieles verädert: Chambers präsentiert uns die gemeinsame Reise des Robotors Helmling und des Teemönchs Dex als Roadtrip durch eine veränderte Welt mit wundervoll ausgearbeitetem Solar Punk-Setting und herausragenden Dialogen. Dieses kleine Büchlein und den direkten Nachfolgeband kann ich all jenen empfehlen, die bereit sind, sich auf etwa wirklich Neues einzulassen.
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