Ein vielschichtiger Kriminalroman über ein bisher nicht erzähltes Kapitel Nachkriegsgeschichte.
Stuttgart 1945. Der Polizeibeamte Paul Kramer muss mithelfen, im berüchtigten Hotel Silber die neue Kriminalpolizei aufzubauen – genau an jenem Ort, an dem er wenige Tage vor Kriegsende noch von der Gestapo gefoltert wurde. Doch Hass und Ideologie sind mit der Kapitulation nicht verschwunden. Als die ersten Verbrechen aufgeklärt werden müssen, zeigt sich schnell, wer auf welcher Seite steht – und Pauls Ermittlungen werden für ihn selbst zur Gefahr.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
14.02.2026
Buch (Taschenbuch)
256 Seiten voller Schrecken und Erinnerungen
Paul Kramer steht vor einer neuen Herausforderung: den Aufbau der Kriminalpolizei in Stuttgart, die im berüchtigten Hotel Silber untergebracht ist. Dieses einstige Symbol des Schreckens und der Folterlager aus der Zeit des Nationalsozialismus wird zum Schauplatz seiner Ermittlungen. Doch die Erinnerungen an seine eigenen Leiden sind noch frisch, und die Gespenster der Vergangenheit greifen nach ihm.
Als er den Fall einer vermissten Frau übernimmt, die einst in diesen Mauern festgehalten wurde, wird die Situation zunehmend brenzlig. Kramers Kollegen scheinen von den Idealen der Vergangenheit nicht loszukommen und stehen ihm eher feindlich gegenüber. Wem kann er noch vertrauen, wenn die Schatten der Geschichte noch immer über Stuttgart liegen?
Der Roman bietet einen eindringlichen Blick auf die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte und beleuchtet die Schwierigkeiten, eine neue Ordnung zu schaffen, während alte Gespenster in Machtpositionen verweilen. Die Beschreibungen der Gräueltaten im Hotel Silber lassen einem das Blut in den Adern gefrieren; sie sind so realistisch, dass man beim Lesen Gänsehaut verspürt.
Die Charaktere sind facettenreich, vom Opfer bis zum Täter, und zeigen die Abgründe der menschlichen Seele in jener Zeit. Die gekonnte Mischung aus packender Erzählweise und tiefgründiger Recherche macht diesen Kriminalroman nicht nur zu einem spannenden Lesevergnügen, sondern regt auch zum Nachdenken über Schuld und Verantwortung an. Ein absolutes Muss für alle, die sich für die dunkle Vergangenheit Deutschlands interessieren!
Bewertung
5/5
04.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein Haus mit Geschichte
Jeder in Stuttgart wusste das: wer ins Hotel Silber kam, konnte froh sein, wenn er überhaupt wieder gehen durfte. Lebend gelangte man oft nur hinein. Das Hotel Silber in Stuttgart war während der NS-Zeit das Gestapo Hauptquartier. Der Roman beginnt in der Endphase der Diktatur. Noch im März 1945 wurden dort Menschen gefoltert und gequält unter ihnen Paul Kramer und die Familie Wallner. Wenige Wochen später beginnt hier der Aufbau der neuen Polizei. Die Alliierten trauen den Deutschen nicht und entlassen alle Mitarbeiter. Paul Kramer ist einer der wenigen, die dort Arbeit bekommen. Nun muss er also dort arbeiten, wo er in den letzten Kriegstagen noch gefoltert wurde. Doch es kommt noch schlimmer, denn natürlich sind nicht alle Nationalsozialisten plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Eine schwierige Zeit beginnt und keiner kann dem anderen trauen. Hass und Ideologien sind mit der Kapitulation nicht verschwunden. Als die ersten Verbrechen aufgeklärt werden müssen, zeigt sich schnell, wer auf welcher Seite steht und auch Paul Kramer gerät selbst in Lebensgefahr. Das Hotel Silber war lange Zeit Hotel, dann Polizeihauptquartier und in der NS-Zeit Gestapo Hauptquartier. Heute ist es ein Erinnerungsort mit Gedenkstätte und Ausstellung.
Isabel
aus Bietigheim-Bissingen
5/5
04.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Von der Gestapo Hauptzentrale zur Gedenkstätte ... so geht Geschichte!
Der Roman „Hotel Silber“ von dem mir bis dato unbekannten Autor Kai Bliesener konnte mich wirklich restlos überzeugen. Er behandelt ein delikates Thema: wie lief es in Deutschland, nachdem der Zweite Weltkrieg verloren war? Um einen kleinen Einblick zu bekommen, begebe ich mich lesender Weise nach Stuttgart. Hier lerne ich den jungen Polizeibeamten Paul Kramer kennen, der selbst in den letzten Kriegstagen, als sich viele schon längst ergeben hatten, noch in die Mühlen der Gestapo gelangt und in den heiligen Hallen deren Hauptquartiers „Hotel Silber“ gequält und gefoltert wird. Er hat Glück, überlebt die Tortur und findet sich schließlich Wochen später bei der neu gegründeten deutschen Polizeigruppe wieder. Während die Polizeilandschaft noch überwiegend von den Alliierten Streitkräften geprägt ist, versucht man auch mit deutschen Polizisten wieder für Recht und Ordnung zu sorgen. Schnell kristallisiert sich heraus, wer aus dem schrecklichen Krieg gelernt hat und wer am liebsten weitermachen würde wie zuvor. Während Paul an der ehrlichen Aufklärung vorliegender Verbrechen interessiert ist, gibt es genug Kollegen, denen das gar nicht schmeckt. Schnell gerät Paul selbst wieder in das Visier der Unverbesserlichen und muss um sein aber auch um das Leben seiner Freundin Hilde fürchten …
Kai Bliesener schildert das Leben im Jahr 1945 auf sehr anschauliche Weise. Er schafft es eine lebendige Atmosphäre zu kreieren, die den Leser mitreißt und mehr als einmal mit dem Kopf schütteln lässt. Hier würde ich mir wünschen, dass ich mit Paul Kramer noch viele weitere Fälle lösen darf. Wird es wohl eine Fortsetzung geben? Ich vergebe für den vorliegenden Band sehr gerne mit fünf Sternen die volle Punktzahl und spreche auch eine uneingeschränkte Empfehlung aus. Toll, dass ich auf diesem Ausflug nach Stuttgart mit von der Partie sein durfte.
Gertie G.
aus Wien
5/5
23.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Eine klare Leseempfehlung
Dass ausgerechnet im berüchtigten „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Stuttgarter Gestapo, die neue Kriminalpolizei ihre Heimstatt haben soll, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn noch wenige Tage vor dem Kriegsende haben die Schergen des NS-Regime Dutzende Menschen dort gefangen gehalten, gefoltert und ermordet.
Einer davon ist Paul Kramer, ehemaliger Polizist und Sozialist, der gerade noch mit dem Leben davon gekommen ist und daher von der US-Army prädestiniert ist, hier mitzuwirken. Natürlich sind Ideologie und Indoktrination nicht über Nacht verschwunden und die Entnazifizierungsverfahren sind mehr Schein als Sein. So trifft Paul Kramer wieder auf seine Widersacher und Peiniger, die alles daran setzen, sowohl ihn einzuschüchtern als auch ihre Verbrechen zu vertuschen.
So wird die Aufklärung des Mordes an Vera Wallner, die gemeinsam mit ihrer Familie fliehen wollte und verraten worden ist, die erste Bewährungsprobe für Paul Kramer.
Hilfe bei seiner Arbeit erhält Paul Kramer von Hilde, der Tochter eines eingefleischten Nazis, die sich von ihrer Familie lossagt, und als Schreibkraft bei der US-Army arbeitet.
Meine Meinung:
Autor Kai Bliesener lässt uns Leser in eine Zeit eintauchen, in der das Alte noch nicht wirklich weg ist und das Neue noch nicht Fuß gefasst hat. Doch wenn ich mit die aktuellen Nachrichten Nachrichten ansehe, scheint es, als hätte das ewig Gestrige nur einen Winterschlaf gehalten, um nun wieder sein böses Haupt zu erheben.
Sowie in Stuttgart das „Hotel Silber“ als Hauptquartier der Gestapo diente, war es in Wien das „Hotel Metropol“, das von 1938 bis 1945 als Haus des Schreckens bekannt war, mit dem Unterschied, dass es nach zahlreichen Beschädigungen durch alliierte Bombenangriffe im Jahr 1948 abgerissen worden ist. Die von Kai Bliesener penibel recherchierten und erschreckend realistisch beschriebenen Szenen haben sich so oder so ähnlich in allen anderen Städten des Deutschen Reiches abgespielt.
Das dunkle Cover mit dem imposanten Gebäude vermittelt schon ein beängstigendes Gefühl.
Fazit:
Diesem sauber aufgelösten, historischen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
claudi-1963
aus Schwaben
5/5
29.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Hotel Silber und seine Geschichte
"Die Leute können dir sagen, dass du den Mund halten sollst, aber das hindert dich nicht daran, deine eigene Meinung zu haben." (Anne Frank)
Stuttgart 1945: Im gefürchteten Stuttgarter Hotel Silber soll die neue Kriminalpolizei aufgebaut werden. Paul Kramer bewirbt sich dafür. Doch gleichzeitig muss er an einen Ort zurückkehren, an dem er wenige Tage vor Kriegsende von der Gestapo gefoltert wurde. Selbst nach Ende des Kriegs sind der Hass und die Ideologie des Nationalsozialismus allgegenwärtig. Es zeigt sich recht schnell, wer von seinen Kollegen noch immer auf welcher Seite steht. Besonders nachdem bei einer Razzia ein Jude per Kopfschuss getötet wurde. Paul soll nicht nur in dem Fall ermitteln, sondern außerdem den Tod von Vera Wallner aufklären. Dabei werden die Ermittlungen für ihn zur größten Gefahr.
Meine Meinung:
Nach seinem letzten Krimi aus den Fellbacher Weinbergen war ich schon sehr gespannt auf sein neustes Buch. Diesmal geht es in die Geschichte Stuttgarts ins Jahr 1945. Nachdem nun der Krieg zu Ende ist, suchen die Alliierten Bürger, mit denen man die neue Kriminalpolizei aufbauen möchte. Was natürlich nicht so einfach ist in einem Land, wo sich fast jeder zu Hi*ler und seinen Idealen bekennen musste. Für Paul, der seiner Folter und der Gestapo gerade noch mit dem Leben davonkam, ist es die Gelegenheit. Im Hotel Silber gibt es auch ein Wiedersehen mit seiner großen Liebe Hilde, dessen Vater ihn der Gestapo ausgeliefert hat. Jedoch ist es nicht einfach für die Kripo und Polizei, die zu Beginn noch ohne Waffen Streit und Unruhen schlichten müssen. Selbst als Stuttgarterin habe ich bisher nichts über das Hotel Silber gewusst, sodass ich überaus neugierig auf dieses Buch war. Das ehemalige Hotel wurde schon kurz vor dem Krieg zum Polizeipräsidium, bis es 1936 dann an die politische Polizei, die sogenannte Gestapo, überging. In den drei Verwahrzellen im Keller wurden viele Menschen inhaftiert und gefoltert, unter anderem der Politiker Kurt Schumacher sowie die Widerstandskämpferinnen Liselotte Hermann und Lina Haag. Wie viele Menschen in dieses Hotel hineingingen und nicht mehr herauskamen, ist mir nicht ersichtlich. Außerdem geht es um den Tod des jüdischen Bürgers Jakob Beerbaum, der bei einer Schwarzmarktrazzia getötet wird. Mit viel Liebe zum Detail nimmt uns der Autor in die Machenschaften der Gestapo und ihre extremen Foltermethoden mit und natürlich mit den Vorkommnissen, die anschließend bei der Kripo geschehen. Als großer Fan von realistischen Geschichtsereignissen ist dieser Krimi genau das Richtige für mich. Ich hätte nicht vermutet, dass vieles aus dem Buch nach wahren Begebenheiten entstammt. Das ist natürlich eine ganz andere Art von Krimi, wie man ihn sonst liest, hier fließt natürlich noch zusätzlich viel deutsche Geschichte mit hinein. Ermitteln unter schwersten Bedingungen kann man da nur sagen, und interessante Charaktere machen diesen Kriminalfall zu einem ganz bemerkenswerten Buch. Bei dem ich insbesondere mit Paul mitfiebere. Sehr detailliert und gefühlvoll zeigt uns der Autor, wie es Menschen erging, die mit Hitlers Regime nicht klarkamen oder einfach anders waren, wie Homosexuelle, Juden, Kommunisten, Roma oder Widerstandskämpfer. Ich jedenfalls kann den Krimi nur weiterempfehlen, besonders wenn man mehr über die Zeit vor und nach dem Krieg erfahren will. Von mir bekommt dieser Krimi 5 Sterne.
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5/5
07.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Täter und Opfer am selben Schreibtisch - Ermittlungen in den Trümmern Stuttgarts
Deutschland in Schutt und Asche, halb Stuttgart zerstört, die meisten Häuser unbewohnbar. Das Resultat von 12 Jahren 1000-jährigem Reich.
Da unsere Demokratie und unsere Freiheit heute wieder immer stärker in Frage gestellt werden und eine große Zahl der Bürger*innen in unserem Land sich von rechter Ideologie angesprochen fühlen, möchte Kai Bliesener mit seinem Buch einen kleinen Beitrag der Erinnerung an die brutale deutsche Diktatur des Nationalsozialismus leisten.
Verpackt in einen Kriminalroman schildert er die Probleme der unmittelbaren Nachkriegszeit, als viele ihre Verantwortung leugneten, sich auf Befehle beriefen und in der Täter und Opfer unmittelbar zusammenarbeiten mussten, aus Mangel an Alternativen. Rechte Organisationen, wie die von Himmler ins Leben gerufenen Werwölfe, versuchten Nazi-Beamte in ihren Positionen zu halten oder diese wieder auf entscheidende Posten zu setzen.
Neben den chaotischen Zuständen in der besetzten Stadt schildert Bliesener auch die Hoffnungsschimmer auf eine bessere Zukunft am Beispiel von Menschen, die sich für die Demokratie einsetzen, sei es als Polizeibeamte, als Gewerkschafter oder als Journalist*innen.
Spannender Plot, beeindruckendes Setting ("Der dritte Mann" lässt grüßen) und ein bisschen Liebesgeschichte runden das Buch ab und machen "Hotel Silber" zu einem durchaus lehrreichen Krimi. Auch so kann Erinnerung gehen.
Das titelgebende Hotel Silber, in der große Teile der Handlung spielen, ist heute ein Gedenkort an die Gräuel der Gestapo und einen Besuch in jedem Fall wert.
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5/5
01.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Stuttgart nach dem Ende des zweiten Weltkriegs
Im Zentrum des Romans steht das Hotel Silber in Stuttgart. Damals Gestapo- Hauptquartier, heute Gedenkort. Denn was einem nicht immer so klar ist: Die Nazis haben nicht irgendwo gewütet, Menschen gequält und umgebracht- diese Ort waren oft in der unmittelbaren Nachbarschaft, jeder wußte, was dort passiert. Der Autor verknüpft hier sehr spannend persönliche Schicksale mit den großen Fragen der damaligen Zeit. Wem kann man überhaupt noch trauen, wer war Täter, wer Opfer? Wie kann es gelingen, einen neuen Staat aufzubauen? Krimi, Liebesgeschichte und Landesgeschichte in einem- macht nachdenklich und ist spannend zu lesen! und
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4/5
28.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Spannender historischer Krimi
Stuttgart unmittelbar nach Kriegsende. Eben noch von ihr verfolgt, soll der junge Sozialdemokrat Paul am Neuaufbau der Polizei mitarbeiten. Doch die wenigsten seiner Kollegen sind wie er wirklich unschuldig an den Verbrechen der Nazis. Und auch in der Chef-Etage scheinen sich die alten Seilschaften aufrecht erhalten zu haben. Allen Widerständen zum Trotz versucht Paul den Mord an einer Jüdin aufzuklären, der kurz vor der Befreiung der Stadt in eben jenem Gebäude geschah, wo er nun täglich zur Arbeit geht. Das immer noch als "Hotel Silber" bekannte Gebäude , diente lange Jahre als württembergische Gestapo-Zentrale, um dann nach dem Krieg zum Hauptquartier der Stuttgarter Polizei zu werden. Heute beherbergt es ein Museum, welches die unrühmliche Geschichte des Gebäudes beleuchtet - ebenso wie dieses Buch sehr lohnenswert!
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