Wien, 1966. Die alte Stadt erwacht und auch der Gelegenheitsarbeiter Robert Simon wird vom Aufbruch erfasst. Er pachtet eine Gastwirtschaft und eröffnet sein eigenes Café. Das Angebot ist klein, das Viertel ist arm, doch die Menschen kommen, und sie bringen ihre Geschichten mit - von der Sehnsucht, vom Verlust, vom unverhofften Glück. Und während die Stadt sich vor ihren Augen erneuert, verwandelt sich auch Simons eigenes Leben.
'Was für ein wunderbarer Autor, der uns so tief bewegen kann.' Elke Heidenreich
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Raumzeitreisender
aus Ahaus
3/5
09.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Der Alltag einfacher Menschen
Der Roman spielt 1966 in Wien. Der junge Marktarbeiter Robert Simon will sich beruflich verändern und eröffnet in der Nähe des Karmelitermarktes ein Café. Die Räumlichkeiten hat er von Hauseigentümer Kostja Vavrovsky gepachtet. Simon wohnt bei der Kriegerwitwe Martha Pohl. Sein bester Freund ist der Fleischermeister von gegenüber. Damit ist der Rahmen der Geschichte abgesteckt. Die Erzählungen erfolgen überwiegend chronologisch und decken einen Zeitraum von ca. 10 Jahren ab.
Zu den Besuchern des Cafés gehören Menschen aus dem Viertel, die ihre Lebensgeschichten mitbringen. Es sind die Sehnsüchte, Ängste, Enttäuschungen und Hoffnungen der Menschen, die Seethaler auf seine unnachahmliche minimalistische Art und Weise erzählt. Die Leser tauchen ein in die Welt der einfachen Leute, deren Erfahrungswelt Seethaler prägnant beschreibt. Der Autor verzichtet dabei auf eine politische Ausrichtung. Im Fokus stehen die Menschen mit ihren unmittelbaren Problemen.
Der Roman ist lesenswert, hat mich aber nicht so berührt wie die Lebensgeschichte von Andreas Egger in "Ein ganzes Leben". Vielleicht liegt es daran, dass in "Das Café ohne Namen" kapitelweise – manchmal auch übergreifend - Einzelepisoden erzählt werden, in die man nicht tiefer eintauchen kann, wenngleich der Autor es versteht, mit wenigen Worten Bilder im Kopf entstehen zu lassen, die die Atmosphäre wiedergeben. Auch fehlt den Handlungen ein politischer Rahmen für die Zeit 20 Jahre nach Kriegsende.
Bories vom Berg
aus München
1/5
24.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Klischeehafte Milieu-Schilderungen
In seinem autobiografisch inspirierten Roman «Das Café ohne Namen» schildert der österreichische Schriftsteller Robert Seethaler, wie zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die Stadt Wien, aus den Trümmern erhoben, in eine neue Zeit hineinwächst. Als Setting nutzt er das titelgebende Café, in dem ein buntes Völkchen von Figuren aus der untersten Gesellschaftsschicht sich die Klinke in die Hand gibt. Wie schon der Titel zeigt, bildet das namenlose Café hier also nur die als solche bedeutungslose Bühne, auf der allein die zahlreichen Figuren, mit ihren Ängsten und Nöten kämpfend, den Erzählstoff dieses Romans bilden. Wobei diese Menschen allesamt, durchaus typisch für diesen Autor, mit ihrem Schicksal hadern und gegen ihre Einsamkeit ankämpfen.
Der Roman beginnt orts- und zeitgleich mit der Geburt des Autors in Wien im Spätsommer 1966. Der junge Gelegenheitsarbeiter Robert Simon, der auf dem Karmelitermarkt in Wien sein Brot verdient, beschließt, eine schon länger leer stehende Gastwirtschaft zu pachten und dort ein Café zu eröffnen. Wobei es eigentlich nicht ein typisches Café ist, das er betreiben will, sondern, vom gastronomischen Angebot her gesehen, eine Mischform mit einer Kneipe, in der die Anwohner und die in dem Viertel arbeitenden Menschen verkehren. Bei ihm also das Kaffeekränzchen älterer Damen ebenso wie der Trupp von Bauarbeitern, die hier ihre Mittagspause machen. Und tatsächlich geht Simons Kalkül auf, sein «Café» entwickelt sich schnell zu einem Szene-Treff im herunter gekommenen zweiten Wiener Bezirk. Manche seiner Gäste suchen lediglich nach Gesellschaft, andere nach Anerkennung und einige sogar nach Liebe. Und alle bringen ihre Geschichten mit, von denen dieser Roman erzählt und von denen nicht zuletzt auch Simon profitiert, er «wächst» menschlich sogar an ihnen.
Kurz entschlossen schließt Simon mit dem Hausbesitzer einen Pachtvertrag und beginnt gleich auch mit der dringend erforderlichen Renovierung der verwahrlosten Räume. Er wohnt bei der Kriegerwitwe Martha Pohl und freundet sich sehr schnell auch mit dem Fleischermeister Johannes Berg auf der anderen Straßenseite an, sein direktes Gegenüber, der dem unerfahrenen Kneipier auch einige gute Ratschläge gibt. Als eine junge Hilfsnäherin Mila aus der Textilfabrik, die gerade ihre Arbeit verloren hat, weil die Konkurrenz aus China zu stark geworden ist, vor der Fleischerei einen Ohnmachtsanfall erleidet, geht der Fleischer mit ihr ins Café gegenüber und empfiehlt sie dem Simon als Bedienung, die er ja sowieso bald brauche, denn dessen Geschäfte gehen gut. Dort verkehrt inzwischen auch René Wurm, einer der wilden Heumarkt-Ringer, der von dem Trubel um die Catcher-Kämpfe gut lebt, aber immer von Amerika träumt. Als es im nächsten Winter bitterkalt wird, ergänzt Simon sein Getränke-Angebot um Punsch, der denn auch sofort begeistert angenommen wird. Es gibt Eifersuchts-Szenen in seinem Café, René und die Bedienung Mila finden als Liebespaar zueinander und bekommen ein Kind, das aber bei der Geburt stirbt. Es ist ein bunter Reigen an Geschehnissen, die der Autor in seinem Roman beschreibt und in dem so ziemlich alle Vorkommnisse thematisiert werden, die sich in derartigen Kreisen ereignen können. Am Ende stürzt am 1. August 1976 nachts kurz vor 5:00 Uhr auch noch die Reichsbrücke ein, woraufhin Simon spontan sein Café schließt.
Von wenigen Rückblenden abgesehen wird die Handlung in 39 Kapiteln chronologisch und intern fokalisiert erzählt. Dabei beweist sich der Autor als Meister darin, kleine und kleinste Ereignisse zu literarischen hoch zu stilisieren. Unbefriedigend bleibt vor allem, dass gerade hier, im größten Judenviertel Wiens, der Holocaust völlig unerwähnt bleibt. Meist ist es ereignisloser Klatsch und Tratsch, der hier erzählt wird, ein oberflächliches Gerede ohne Belang, als ereignislose Banalitäten zum Weiterdenken partout ungeeignet. Welche Intentionen der Autor mit seinen klischeehaften Milieu-Schilderungen letztendlich verfolgt, bleibt sein Geheimnis!
Bewertung
1/5
01.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein dahinplätschernder Roman
Ich habe mich sehr schwer getan diesen Roman zuende zu lesen. Das was andere an dem Roman loben, empfand ich fast schon als zäh. Eine Geschichte, die nur so dahin plätschert, ohne Höhepunkte ohne Spannungskurve. ich verschenke gerne Bürcher, aber dieses Buch gehört definitiv nicht dazu.
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
17.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
In den Ecken von Wien
Ein unheimlich sanfter, ruhiger Roman über einen Mann, der in einem armen Viertel von Wien ein Kaffeehaus betreibt. Die Geschichten seiner Kunden und seine eigenen Erfahrungen sind Gegenstand des Buches. Eine sehr schöne Sprache und ein unaufdringlicher Erzählfluss runden das Werk ab. Sehr empfehlenswert.
B.V.
aus Berlin
5/5
27.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend
Robert Seethalers Roman: Das Café ohne Namen ist eine berührende Geschichte über Hoffnung und Aufbruch, über Liebe und Sehnsucht und über das Alltägliche im Leben. Simon eröffnet ein Café in Wien ohne groß darüber nachzudenken. Er gibt den Menschen in der schweren Nachkriegszeit ein Zuhause, einen Ort der Begegnung. Er gibt den gescheiterten Existenzen eine Zuflucht. Er ist ein bescheidener Mensch und doch so voller Tatendrang. Man liest sich bis spät Abends in die Atmosphäre des verräucherten Cafés ein und schaut mit einem leicht kritischen Blick auf die Gäste, ist dabei bei intimen oder belanglosen Gesprächen. Man sitzt im Prinzip mit am Tisch und hört den Besuchern zu, beobachtet die Menschen und ganz sachte ist man verstrickt mit jedem einzelnen Schicksal. Man wünscht dem Simon Glück und hofft bis zum Schluss, dass auch er die Liebe findet.
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5/5
29.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein Buch voller leiser Momente
Ein Buch voller leiser Momente, das mir sehr gut gefallen hat. Ein typischer Seethaler, in biografischer Erzählperspektive erzählt er von Robert Simon, einem jungen Mann, der mitten in Wien der 60er Jahre ein Café eröffnet. Bald schon füllt sich das Café mit Leben und wir lernen die Besucher kennen, verlorene Seelen der Nachkriegszeit, die das Café zu einem Fleck Heimat machen. Seethaler schreibt mitfühlend und eindringlich vom Scheitern und Weitermachen, von Angst und Mut in turbulenten Zeiten.
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5/5
12.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Begegnungen im Café
Ein herrlich unaufgeregtes Buch, das viele leise zwischenmenschliche Töne erzeugt.
Seethaler erzählt in seiner schnörkellosen, fast nüchternen Sprache von Anfängen, Begegnungen und Abschieden.
Es passiert wenig und doch so viel in den zwischenmenschlichen Geschichten, die das Café als zentralen Ankerpunkt haben.
Der Mensch braucht Menschen. Das ist eine so wunderbare Botschaft in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit.
Auch in unserem Osiander-Café ist dies manchmal zu spüren.
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5/5
30.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Robert Simon erfüllt sich einen...
Robert Simon erfüllt sich einen Traum. Mit Fleiß und Hingabe eröffnet er ein Café, für das er keinen Namen hat. Es wird zu einem Zufluchtsort für strauchelnde Seelen. Feinsinnig und leise erzählt, berühren die Geschichten der Gäste und des Besitzers einem das Herz.
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5/5
26.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wieder ein tolles Buch von einem meiner Lieblingsautoren
Wien 1966: Ein junger Mann erfüllt sich einen Traum: Er wird hinter dem Tresen seines eigenen Cafés stehen!
Die Zeiten sind nicht die besten und die Lage des Cafés am Rande des Marktes auch nicht, aber er wird dann doch einige Stammkunden und Freunde gewinnen.
Seethaler versteht es wunderbar die Geschichte einfacher Leute zu erzählen! Teilweise sind es gescheiterte Existenzen teilweise einfach nur schicksalsgebeutelte Besucher einer Kneipe, aber immer mit viel Liebe und Respekt charakterisiert.
Wieder ein tolles Buch von einem meiner Lieblingsautoren.
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5/5
26.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kurzweilig und voller interessanter Geschichten
Robert Simon eröffnet ein Café in Wien. Es ist das Jahr 1966 uns alles befindet sich in Aufbruchstimmung. Sein Café entwickelt sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt der einfachen Leute. Hier treffen Träume und Realität zwischen Ausschank und Tischen aufeinander.
Mir hat´s super gefallen, kurzweilig und voller interessanter Geschichten.
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