Zwei Frauen, die Jahrhunderte trennen – der Wunsch nach Selbstbestimmung, der sie verbindet
Im Hamburger Marschland lebt ums Jahr 1580 Abelke Bleken. Sie führt allein einen Hof, trotzt Jahreszeiten und Gezeiten. Und sie versucht, sich gegen ihre Nachbarn zu behaupten, in einer Zeit, die für unabhängige Frauen lebensgefährlich ist. Fast fünfhundert Jahre später zieht Britta Stoever mit ihrem Mann und ihren Kindern in die Marschlandschaft. Ihre Arbeit als Geografin hat sie für die Familie aufgegeben, das neue Zuhause ist ihr noch fremd. Sie unternimmt lange Spaziergänge durch die karge Landschaft, beobachtet die Natur und lernt, in Bracks und Deichlinien die Spuren der Vergangenheit zu lesen. Dabei stößt Britta auf das Leben der Abelke, auf Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten, die beängstigend aktuell sind. Fasziniert taucht sie tiefer und tiefer ein – und merkt, wie viel sie im Leben der anderen Frau über sich selbst erfährt.
»Marschlande« von Jarka Kubsova erzählt von zwei Frauen, die einander in ihren Kämpfen um Selbstbestimmung und Sichtbarkeit über die Jahrhunderte hinweg die Hand reichen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
aus Bad Freienwalde
5/5
22.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Sehr gut!
Was für ein toller Roman für ein Wochenende. Wie schon meine
Vorredner hat mich das Buch von
Anfang bis Ende gepackt, insbesondere
jedoch Abelkes Geschichte. Leider wird es ja in unserer heutigen Zeit zunehmend
sichtbarer, das sich seit damals nicht wirklich viel geändert hat. Kluge starke Frauen haben es heute ähnlich schwer und werden abgewertet. Ich als Hebamme sowohl in Klinik als auch Hausgeburtshilfe kann ein lautes Lied davon singen und auch vom Untergang der Solidarität, nicht nur unter Frauen sondern auch in den Gemeinschaften der Dörfer/Städte....leider eine gute Spiegelung der Gesellschaft heute.
Leseempfehlung!!
whatabout_nadine
aus Handewitt
5/5
17.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein stilles, gewaltiges Buch über Frauen, Freiheit und das, was Geschichte mit Menschen macht
Mit "Marschlande" erzählt Jarka Kubsova eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte spannt und sich dabei trotzdem seltsam nah anfühlt. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das mit seinen zwei Kindern aus Hamburg hinaus aufs Land, in die Marschlande zieht. Aber während beide zunächst dieselbe Entscheidung treffen, entwickeln sie sich innerlich immer weiter auseinander.
Sie wollte eigentlich etwas unperfektes und gemütliches, er hingegen klassisch und modern. Das ist einer der Gründe, warum sie sich von der Umgebung zwar angezogen fühlt aber in dem Haus nicht zu Hause ist.
Gleichzeitig führt der Roman zurück ins Jahr 1570, mitten hinein in die Vier- und Marschlande, in eine Zeit von Sturmfluten, harter Arbeit, Aberglauben und Hexenverfolgung. Zwei Frauenleben. Zwei Zeiten. Und doch ziehen sich dieselben Fragen durch alles hindurch: Wem gehört ein Leben? Wie frei darf eine Frau sein? Und was passiert, wenn sie sich weigert, klein zu werden?
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gehabt. Es gibt Bücher, die brauchen Zeit. Und dann gibt es diese wenigen, bei denen man nach ein paar Seiten schon merkt, dass man gerade etwas Besonderes liest. Nicht laut, nicht künstlich dramatisch, sondern so still intensiv, dass man irgendwann gar nicht mehr merkt, wie tief man schon in der Geschichte drin steckt.
Vor allem der Erzählstil hat mich komplett eingefangen. Diese Sprache… ruhig, klar, manchmal fast rau und dann plötzlich wieder so voller Gefühl, dass einzelne Sätze präsent bleiben. Nicht überladen poetisch, sondern auf eine Weise schön, die sich echt anfühlt. Erdverbunden irgendwie. Als würde man Wind, Regen und diese schwere Marschluft zwischen den Seiten spüren.
Und dann diese beiden Ebenen der Geschichte.
Da ist die Gegenwart, in der man beobachtet, wie sich die Frau in der Ehe immer mehr selbst verliert und gleichzeitig langsam wieder zu sich zurückfindet. Wie sie beginnt zu merken, dass sie mehr sein möchte als nur Ehefrau und Mutter. Dass irgendwo unter all den Erwartungen noch etwas Eigenes in ihr steckt. Wünsche. Sehnsüchte. Ein eigener Wille. Und das wurde so berührend erzählt, weil es nicht plötzlich oder pathetisch passiert. Sondern langsam. Unsicher. Fast tastend.
Währenddessen erzählt die zweite Zeitebene von den Marschlanden um 1570. Von der Allerheiligenflut. Und genau diese Passagen werde ich nie vergessen.
Dieses Leben damals wirkte so hart, so erbarmungslos. Die Natur als ständige Bedrohung. Wasser, das alles mitreißt. Menschen, die irgendwie überleben müssen, obwohl sie eigentlich längst keine Kraft mehr haben dürften. Und mittendrin Frauen, die funktionieren sollen, still sein sollen, sich anpassen sollen.
Besonders die Geschichte der unverheirateten Frau, die alleine einen Hof führt, hat mich unglaublich bewegt. Dieser Neid. Diese Missgunst. Dieses ständige Misstrauen gegenüber Frauen, die eigenständig sind oder nicht in die vorgesehenen Rollen passen. Man spürt beim Lesen regelrecht, wie schnell Frauen damals zur Gefahr erklärt wurden, nur weil sie unbequem waren. Weil sie alleine lebten. Weil sie Wissen hatten. Weil sie es besser konnten!
Und genau dadurch treffen einen die Themen Hexenverfolgung und gesellschaftliche Gewalt in diesem Buch so hart. Nicht als abstrakte historische Ereignisse, sondern als etwas zutiefst Menschliches. Etwas, das aus Angst, Kontrolle und Macht entsteht.
Was mich aber vielleicht am meisten berührt hat: wie sehr sich die beiden Geschichten gegenseitig spiegeln, obwohl Jahrhunderte zwischen ihnen liegen. Dieses Gefühl, dass Frauen sich in ganz unterschiedlichen Zeiten oft denselben Kämpfen stellen mussten. Nur in anderer Form.
Und dann dieses Nachwort ❤️
Selten hat mich ein Nachwort emotional so getroffen. 9 Seiten die so viel Warheit wiedergeben über die Rolle der Frau im Laufe der Geschichte und auch zu wissen, dass hinter der Bäuerin Abelke Bleken, die Geschichte einer realen Frau steht, die aus Neid und Habsucht als Hexe verbrannt worden ist. Dass jemand, der vielleicht längst vergessen worden wäre, hier gesehen wurde. Einen Platz bekommen hat, eine Stimme.
Dieses Buch ist ein leises, kluges und unglaublich berührendes Buch über Frauenleben, über Freiheit, über Verlust und darüber, wie viel Kraft es braucht, sich selbst nicht zu verlieren. Und genau deshalb wird es noch lange einen Platz in meinem Herzen haben.
Shari B.
aus Frankfurt a.M.
5/5
26.01.2026
Grandios
Ich habe das Buch so GEFÜHLT. Es ist eine perfekte Mischung aus Feminismus, Geschichte und (etwas) Geografie.
Für mich jetzt schon ein Buch-Highlight im Jahr 2026 und eine klare Empfehlung!
Bewertung
aus Dortmund
5/5
11.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartige Sprache, aber nichts für Incels ;-)
Ein ganz wunderbares Buch!
Die Autorin beschreibt gekonnt, wie viel Angst sehr viele Männer vor starken Frauen hatten und haben. Von damals bis heute hat sich zwar die Methode geändert – Frauen werden nicht mehr als Hexe verbrannt, sondern vielfach ermordet – aber noch heute ist es oft höchst gefährlich für eine Frau, klug zu sein und eine eigene Meinung deutlich zu vertreten.
Jana Kubsova hat einen tollen Stil und eine großartige Sprache.
Dennoch hat mich das Buch auch etwas traurig gemacht: die Geschichte der Hexen wird heutzutage häufig banalisiert – z. B. durch den vermeintlich positiven Hexenkult. Am 30. April tanzen überwiegend Frauen ums Hexenfeuer, ohne zu bedenken, wie viele Frauen ermordet wurden, weil sie als Hexe denunziert wurden.
Übrigens: das Grab der Abelke Bleken befindet sich in Hamburg auf dem Olsdorfer Friedhof.
Bewertung
aus Niederneisen
5/5
07.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Marschlande
Die Empfehlung für dieses Buch erhielt ich in meiner Buchhandlung; überaus lesenswert. In diesem Buch wird über 2 Frauen, die Bäuerin Abelke Bleken um 1580 und Britta Stoever in unserer Zeit, erzählt. Wie ähnlich sich doch die beiden Lebensgeschichten, obwohl Jahrhunderte auseinander, sind. Jarka Kubsova erzählt sehr einfühlend, mitreißend und auch durchaus spannend. Man taucht tief in die Geschichte ein. Ich habe es von Beginn an nicht mehr aus der Hand legen können und in einem durchgelesen, dabei Zeit und Raum vergessen.
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5/5
22.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vergessene Frauen und ihre Geschichte
Die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihre Geschichte, die in unterschiedlichen Jahrhunderten statt findet im Marschland im Norden Deutschlands, tiefgründig, aufwühlend und schockierend und doch so einfühlsam.
Bildgewaltig und dramatisch wird die Lebensgeschichte dieser Frauen so in Szene gesetzt, dass man einfach mitfiebert und mitleidet, mitfeiert und mitweint.
Ein sehr schönes und kluges Buch.
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5/5
16.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei starke Frauen, deren Geschichte Sie in ihren Bann ziehen werden
Ochsenwerder, ein kleines Dorf in den südlich von Hamburg gelegenen Marschlanden, wird zum Schauplatz zweier Frauenschicksale, die 500 Jahre trennen.
Abelke Bleken bewirtschaftet nach dem Tod ihrer Eltern alleine den geerbten Hof. Der große Hof läuft gut, Abelke und ihr Gesinde verstehen sich gut auf die Landwirtschaft. Aber eine Frau, der solches gelingt, ganz ohne männliche Hilfe, weckt Neid und Argwohn. Dann zerstört ein heftiges Unwetter an Allerheiligen 1570 den Deich und hinterlässt im Dorf nichts als Zerstörung. Damit beginnt Abelkes Leid.
Britta Stoever zieht mit ihrer Familie von Hamburg nach Ochsenwerder. Einst hat sie von einer Promotion in Geografie geträumt. Doch dann kamen die Kinder, ihr Mann hatte ein tolles Jobangebot und sie fällt in die typische Frauenrolle: Mutter und Hausfrau. Nun sind die Kinder älter, brauchen sie nicht mehr so wie früher und Britta beginnt über ihre Rolle nachzudenken.
Die Geschichten dieser beiden Frauen haben mich sofort gefangen genommen. Trotz des großen zeitlichen Abstands, sind die Probleme der Frauen beängstigend ähnlich. In beiden Fällen sind es patriarchalische Vorstellungen, gegen die Abelke und Britta ankämpfen müssen für ihre Selbstbestimmung.
Diese Buch entwickelt einen Sog aus historischen Fakten, stimmungsvoller Natur und starken Frauenfiguren, dem man sich nicht entziehen kann.
Unbedingte Leseempfehlung!
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5/5
07.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hab es verschlungen
Ohne hier zu wiederholen, was meine Kolleginnen schon über dieses Buch geschrieben haben, möchte ich einfach sagen: Was für ein großartiges Buch! Mir hat alles gefallen, von der Geschichte, den zwei Erzählsträngen, den Figuren, der Sprache und bis hin zum Erzählstil.
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5/5
10.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei Frauen - 500 Jahre dazwischen
Britta ist aus dem trubeligen Hamburg mit ihrer Familie ins Marschland gezogen. Sie hat für ihre Familie ihren Job und auch einiges anderes aufgegeben und fühlt sich nun etwas Fehl am Platze in dieser weiten, stillen, einsamen Gegend. Ein Spaziergang führt sie an den Abelke-Bleken-Platz und ihre Neugierde auf diese für sie unbekannte Persönlichkeit ist geweckt.
Fast 500 Jahre früher: Abelke Bleken führt als alleinstehende Frau ihren Hof. Sie wird im Dorf misstrauisch beäugt, ihr wird nach einen Unwetter übel mitgespielt und sie landet schließlich auf dem Scheiterhaufen...
Der Roman verwebt kunstvoll die Schicksale dieser beiden Frauen: Was hat sich tatsächlich in 500 Jahren Emanzipation am Frauenbild geändert, was zählt heute eine (alleinstehende) Frau in der Gesellschaft?
Ein nachdenklicher, trüber aber toll geschriebener Roman, in dem man den Wind in den Haaren und den Nebel des Marschlandes förmlich auf der Haut spüren kann.
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5/5
10.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Desillusionierung der Emanzipation
Die beiden Protagonistinnen in Jarka Kubsovas Buch 'Marschlande' trennen 500 Jahre.
500 Jahre, in denen man vermuten könnte, dass sich in Sachen Gleichberechtigung so einiges getan hat. Kubsova schafft es gekonnt, diesen Eindruck zu entzaubern und zeigt mit ihrem in Zeitsprüngen angelegten Roman wie sowohl Abelke Bleken, unbeugsame Bäuerin in den Marschlanden um 1580 und Britta, auf Ehefrau und Mutter reduziert, um ihre Selbstbestimmung kämpfen mussten und noch immer müssen.
Erschreckend, wie nahezu identisch Menschen heute und vor 500 Jahren Frauen, die den Konventionen nicht entsprechen, verurteilen und stigmatisieren.
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieses ernsten Themas ist Kubsova ein wunderbarer Roman in der kargen und unwirtlichen Landschaft Norddeutschlands gelungen, der zum Nachdenken anregt und noch lange nachhallt.
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